Malawi

Neben den Grenzbeamten steht ein Radio, in dem gerade der Präsident spricht. Gestern wurden die Wahlergebnisse bekanntgegeben. Anhänger der Opposition haben gestern für Unruhen gesorgt. Zum Glück haben wir davon fast nichts mitbekommen.

Claudia telefoniert nach Hause

Auf dem Markt in Makra, dem malawischen Grenzort gibt es ein Telefon. Und tatsächlich klappt es, mal wieder mit Zuhause zu telefonieren. Mit uns freut sich das halbe Dorf. In Malawi kommen wir mal wieder schnell ins Gespräch mit den Menschen. Popogwe lacht uns aus, weil wir schon zehn Jahre zusammen sind und noch keine Kinder haben. Wie soll das gehen?

In Bangula gönnen wir uns mal wieder ein “besseres” Hotel. Der Koch ist ganz schön redselig, setzt sich zu uns und fragt uns nach unserer Adresse (ein beliebter “Sport” in Malawi). Fließend Wasser gibt es nicht. Wir fragen nach einem Eimer Wasser, um uns zu waschen. Aber das scheint nicht so einfach zu sein. Nach einem Bummel durch den Ort sind insgesamt vier Stunden vergangen, aber von einem Eimer Wasser fehlt immer noch jede Spur. Als wir nach einem Eimer fragen, um selbst Wasser vom Pumpbrunnen zu holen, klärt uns der Manager auf: “You´re not supposed to do that”. Immerhin geht jetzt tatsächlich jemand los.

Beim Abendessen setzt sich der Manager mit einem gehäuften Teller zu uns und erklärt süffisant: “I can just eat. But you are supposed to pay. Haha.” Dann taucht natürlich der aufdringliche Koch auf. Aus Höflichkeit tun wir so als wäre das Essen gut. “Na also, dann kann ich ja mit nach Deutschland.” Er betont, wie fleißig er ist, von morgens 5 Uhr bis abends 21 Uhr zu arbeiten. Dass er die meiste Zeit nur rumhängt, erwähnt er nicht. Und am nächsten Morgen ist von ihm keine Spur und wir bekommen leider kein Frühstück. Dann müssen wir uns was auf dem Markt suchen.

Was Afrikas Frauen auf dem Kopf tragen

Wir stauen immer wieder, was die Frauen hier alles auf dem Kopf tragen. Hier ein paar Beispiele:
Ein Paar Schuhe, halbe und ganze Melonen, Wassereimer, Wasserkanister, Zuckerrohrstangen, Holzstapel, 50kg-Sack, Feldhacke, Handtasche (müsste eigentlich Kopftasche heißen), Regenschirm, Cola-Flasche und vieles mehr …

Die Stadt Blantyre kündigt sich durch ein rasante Zunahme schneller, protziger Autos und noch protzigerer Einfamilienhäuser hinter hohen Mauern mit Stacheldrahtzaun und Wachpersonal an. Wir fühlen uns an Johannisburg erinnert.

Ein anderer Reisender schrieb Blantyre “fast schon weltstädtisches Flair” zu. Wir können das nicht nachvollziehen. Die belebte Einkaufstraße besteht aus einer Aneinanderreihung austauschbarer indischer Gemischtwarenhändler, zerbröselter Gehwege und vielen fliegenden Händlern. Vermeintliche Internetcafes haben entweder gerade keine Verbindung oder gar kein Rechner.

Campen bei den Flusspferden

In der Nähe von Liwonde gönnen wir uns mal wieder ein bisschen touristische Infrastruktur. Das Mvuu Camp liegt am Ufer des Shire Flusses. Ein beliebtes Revier für Flusspferde. So träge die Tiere auch aussehen, sie können in Windeseile zu Killern werden. Nämlich wenn sie sich bedrängt fühlen. Ein wichtige Regel: dem Flusspferd nie den Zugang zumWasser versperren. Das kann aber auch versehentlich passieren. Als wir über das Gelände spazieren sehen wir plötzlich ein Flusspferd, das noch weiter vom Ufer entfernt ist als wir. Nach einem kurzen Schreckmoment gehen wir weiter als wäre nichts geschehen und die Situation bleibt ungefährlich. Puh.

Sobald es dunkel wird (und das ist spätestens um 18 Uhr der Fall!) ist es schwierig, die Tiere zu sehen. Die zentrale Kochstelle ist weit entfernt von unserem Zelt. Ein Wärter warnt uns vor den Flusspferden um uns herum. Als wir später im Zelt liegen, hören wir die grasenden Tiere in unmittelbarer Nähe.

Thank you for smoking

Etwas außerhalb von Lilongwe, Malawis Hauptstadt, liegt in einem Industriegebiet die angeblich zweitgrößte Tabakbörse der Welt. Aber als wir am späten Vormittag auftauchen, ist die Versteigerung schon vorbei. Trotzdem ist das Gelände noch sehr betriebsam.

Die gute Hälfte der Halle ist mit Reihen von je 30-40 Ballen gefüllt. Ein beständiger Strom flinker Arbeiter rast mit Sackkarren duch die Halle und fertigt die Reihen ab. Wenn sie durch das Tor zum Verladeband rasen, pfeifen sie laut, damit niemand ineinander kracht.

Die Männer scheinen sich über unseren Besuch zu freuen und werfen sich gern ins Bild, sobald wir zum Knipsen ansetzen. Eigentlich würde ich gern die Leuchtschrift “Thank you for smoking” fotografieren. Aber da ist sie auch schon wieder verschwunden.

Zu Gast beim Häuptling

Eigentlich wollen wir heute bis Dowa. Aber bei einer Getränkepause kommen wir mit dem netten Besitzer eines kleinen Ladens ins Gespräch und unterhalten uns lange über die Verhältnisse in Malawi. Zum Weiterfahren ist es zu spät Wir fragen Mac Wonderful, so nennt sich der nette Ladenbesitzer, ob wir bei ihm das Zelt aufschlagen können. Aber das geht nicht so einfach. Da muss der Dorfchef zustimmen.

Mit ernster Miene erklärt Mac Wonderful unser Anliegen. Der Chef ist einverstanden und wir dürfen unser Zelt in der Nähe seiner Hütte aufschlagen. Die Frau des Lehrers spricht Englisch. Als es um unsere Kinderplanung geht, wird die Stimmung lockerer. Mal wieder ernten wir nur Gelächter, wenn wir erzählen, dass wir jahrelang zusammen sind und noch keine Kinder haben.

Mujawa Hillex, so heißt der Chef, spricht auch Englisch. Er bietet uns warmes Wasser zum Waschen an. Und auch was zu essen. “We in Malawi, we eat Nsima.” Aber wann? Im Dunkeln stehen wir vor unserem Zelt rum und wissen nicht so recht, wo wir uns lassen sollen. Gerade als wir unsere Rest-Nudeln vom Vorabend verputzen wollen, kommt der gut Mujawa und lädt uns an einen kleinen Tisch in einem kleinen, ordentlichen Zimmer in seiner Hütte ein. Zum Essen lässt man uns allein.

Später kommen sein Frau und er wieder zu uns. Seine Frau spricht Englisch, so dass wir uns ganz gut unterhalten können. Ab und zu lachen wir auch mal gemeinsam. Endlich wird die Atmosphäre entspannter. Aber mit “Feel free to do what you want.” werden wir höflich verabschiedet. Ist ja bestimmt schon nach 19 Uhr. Na dann, gute Nacht.

Am nächsten Morgen packen wir wieder früh unsere Sachen. Einige Leute stehen um uns herum. Mujawa schubst die Ziege zurück in den Stall, die vorwitzig auf das Mäuerchen gesprungen ist. Ich stecke ihm 300 Kwacha zu. Kurze Zeit später tritt er ein bisschen näher an mich heran und fragt, ob ich ihm nicht eine Kamera aus Deutschland schicken könne.

Off the beaten track

Die Strecke nach Ntchisi führt durch Wald. Am Vortag hat uns eine Frau davor gewarnt: da ist nichts außer wilder Tiere. Tatsächlich ist dort praktisch kein Verkehr. Nur sehr wenige Leute sind zu sehen. Die Straße ist so ruhig, dass jemand ein Spielbrett reingekratzt hat.

Eine andere Überraschung erleben wir etwas später am Tag. Etwas abseits der Straße probt ein Chor zwischen dem Gestrüpp. Die etwa 50-köpfige gemschte Gruppe singt wunderschön. Für uns hört sich das nach Gospel an. Uns sie tanzen ein bisschen dazu. Dazu haben sie einen zweiten Dirigenten, der die Choreografie vorgibt. Sie lassen sich von uns nicht stören, auch als immer mehr Leute kommen, um uns zu bestaunen. Eine Frau möchte, dass wir ein Foto von mir machen und nimmt extra dafür ihr Kind an die Brust zum Stillen.

Zufällig kommen wir bei dieser wunderbaren Chorprobe vorbei.

Wazungu, Wazungu

Egal wo wir stehenbleiben, wir fallen auf und werden von Azungu-Rufen” begleitet. Nicht selten haben die Kinder Angst vor uns und halten großen Abstand. So wie heute. Als Claudia aufsteht, um etwas vom Fahrrad zu holen, rennen die Kinder kreischend davon. Auch ich kann die Kinder mit meinen Buh-Rufen vertreiben. Ein paar Meter entfernt sitzt die Mutter und schmunzelt.

Lake Malawi

Lake Malawi – ein Gefühl von Meer

Der Lake Malawi ist einer der großen Seen in Afrika. Der Bodensee würde ungefähr 60 mal reinpassen. Man kann also durchaus das Gefühl haben, an einem Meer zu sein. Dementsprechend tummeln sich dort deutlich mehr Touristen als in anderen Gegenden Malawis. Mit teilweise verstörenden Auswirkungen. Am Nachmittag steuern wir ein Beach Resort an. Nach 3 km Sandpiste stehen wir vor einem riesigen, meterhohen Bretterzaun. Davor tummeln sich ein paar Einheimische, um den Touristen etwas zu verkaufen. Hinter dem Zaun sind wir plötzlich in einer anderen Welt. Die Touristen sind weiß, das Personal ist schwarz. Und auf dem Programm steht Unterhaltung und Vergnügen. Am Abend beobachten wir eine Reisegruppe, die von Animateuren zu feucht-fröhlichen Verkleidungsspielen angeregt werden. Unterwegs ist die Gruppe mit abenteurlich anmutenden Allrad-Fahrzeugen, die letztlich doch nur von Lodge zu Lodge fahren. Auch eine Art von Pauschaltourismus. Aber ob man dafür nach Afrika fliegen muss?

Das Ende der Reise

Mit dem Bus zurück nach Lilongwe

Wir verbringen noch weitere zwei Tage am schönen Lake Malawi. und radeln bis Nkhata Bay. Dann beginnt unsere Rückreise mit einer Busfahrt zurück nach Lilongwe. Ein trauriger Tag. Fast zwei Jahre lang ging es immer weiter. Und jetzt ist Schluss damit. Weinend sitzen wir im Bus und versuchen, uns auf unsere Rückkehr einzustellen. Bis zum Abflug verbringen wir noch ein paar Tage in Lilongwe mit Tagebuchschreiben und Souvenirs kaufen.

Am 20. Juni 2004 um 14:35 fliegen wir mit Zwischenstopp in Addis Abeba nach Amsterdam. Vom Flieger aus ist Afrika nachts sehr dunkel. Auffällig sind die vielen Buschfeuer. Und dann kommt das Mittelmeer. Die afrikanische Küstenregion ist deutlich mehr beleuchtet.

Aber das ist nichts im Vergleich zu Europa. Was für ein Unterschied. Wie grell erscheint unsere Heimat. Um 8:00 Uhr morgens landen wir in Amsterdam. Bei kühlem Schauerwetter radeln wir ins Zentrum und verbringen noch zwei nette Tage bei Freunden. Weitere zwei Tage radeln wir durch Holland, um am 26.6.2004 in Bocholt anzukommen. Wir sind wieder zuhause.