Laos – Mittendrin und “off the beaten track”

Uwe: Kaum sind wir raus aus dem Stadtgebiet wird es unglaublich ruhig auf der Strasse. Dabei ist es die Route 13 DIE Nord-Süd-Achse von Laos. Die Menschen in den Dörfern, vor allem die Kinder rufen eifrig “Sabbai-dii”. Sie stecken sich dabei gegenseitig an zu einem lauten Kinderchanon.

Wir kommen aus dem Winken gar nicht mehr raus. Wir überholen eine lange Schlange von uniformierten radelnden Schülern, die Mädels oft mit Sonnenschirm und zu zweit auf dem Rad. Dann kommt uns eine Masse Radler entgegen.

An der Abzweigung zur Schule wimmelt es von schwarz-weiß-gekleideten Schulkindern auf Fahrrädern. Offenbar fängt um 13.30 die Nachmittagsschule an. Laos ist das Land der Radfahrer.

Nach drei Radeltagen verlassen wir die Route 13 und biegen ostwärts auf die Strasse 8, die bis nach Vinh, Vietnam führt. Kaum eingebogen ist es nur noch toll: noch weniger Verkehr, Urwald, bizarre Kalkfelsen. Hinter einem Dorf ragt ein Fesen auf. Durch die zahllosen Zacken wirkt er völlig unwirklich. Wie ein Feld überdimensionaler Haifischzähne.

Der Höhepunkt ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Aussichtspunkt auf einer kleinen Passhöhe. Direkt unter uns liegt ein weites Feld zackiger, schwarzer, aber begrünter Felsnadeln. Der Blick reicht sehr weit über das Karstgebirge und andere Höhenzüge. In der Ferne tut sich eine Ebene auf, an deren gegenüberliegenden Ende ein riesiges natürliches Felsentor in die weite entfernte Gebirgslandschaft führt. Da wollen wir durch. Eine wahre Märchenlandschaft. Nach ausgiebiger Rast rollen wir nach Ban Nahin.

Ein Anruf für Uwe

Claudia: Jetzt erstmal was essen. Aber das vermeintliche Restaurant ist gar keins, es gibt nur Bier. Besser als nichts, also trinken wir erstmal ein Bierchen. Da erhält Uwe plötzlich ein Telefon in die Hand gedrückt. Ein Anruf? Für Uwe? Hier? Das ist wirklich zum Piepen. Uwe nimmt brav entgegen und stellt auf englisch alle möglichen Fragen, wo gibts was zu essen, eine Unterkunft und so weiter. Der Wirt hat wohl mal eben seinen englisch sprechenden Freund angerufen, der mit freundlichem “What do you want?” Uwe am Telefon begrüsst und uns auch tatsächlich alle Fragen beantworten kann. So kehren wir in einem netten Guesthouse ein, lassen den Tag bei lecker Gemüse, Reis und Bier ausklingen und sind uns einig: Diese Straße 8 ist ein Traum für Reiseradler.

Wieder biegen wir in eine Nebenstrecke ab. Diesmal allerdings ohne jeglichen Asphalt. Anfangs noch auf guter Schotterpiste wird der Weg immer holpriger. Aber wir werden reichlich entschädigt. Es gibt praktisch keinen Verkehr mehr. Nur noch Natur und kleine Dörfer. Naja, und ein paar Brandrodungsflächen und Reisfelder. Lange Zeit radeln wir auf einer Erdpiste durch den Wald, begleitet von unzähligen Schmetterlingen in allen Farben und Größen, blauschimmernd wie eine Schwarzlichtröhre oder hellbunt mit dunkel umrandeten Farbflächen, die Natur hat alles zu bieten. Und davon reichlich.

Wir werden regelrecht umschwärmt. Manche Schmetterlinge fliegen in kleinen Gruppen wie im Gänsemarsch hintereinander her und begleiten uns ein bisschen. Mein Kartenfach lädt offenbar zur Zwischenlandung ein. Bitteschön, nehmt Platz.

Claudia: Wir kommen an einen Fluss. Die Brücke ist zusammengebrochen. Hier geht es nur per kleinem Holzboot weiter. Tuk-Tuks und Traktoren kommen ohne Brücke nicht weiter, so dass die Passagiere auf der einen oder anderen Seite auf die nächste Mitfahrgelegenheit warten müssen.

Auf beiden Seiten des Flusses hat sich daher eine Art “zusammengebrochene-Brücke-Infrastruktur” entwickelt. Ein paar Hütten werden noch zusammengezimmert, an denen Getränke verkauft werden. In einem kleinen schwankenden Holzboot setzen wir mitsamt Rädern und Gepäck über. Auf der anderen Seite wartet schon eine Kinderschar, um uns zu begrüßen.

Uwe: Wir passieren das riesige Felsentor, das wir am Vortag schon aus der Ferne bewundert haben. Jetzt tut sich ein regelrechter Gang auf. Das Tal Nam HinBoun besteht aus einer Ebene, rechts und links eingegrenzt von senkrechten Felswänden. Und hier liegt auch die hübsche Unterkunft Sala HinBoun. Schon früh am Nachmittag checken wir ein und sitzen beim Bier auf der Veranda.

Sie versuchen gleich, das nachzumachen und geben noch ein paar akrobatische Kunststückchen wie “Rad schlagen” zum besten. Claudia zeigt unser Mini-Fotoalbum und versucht, ihnen Kinder-Klatschspiele beizubringen. Die beiden sind ganz verschieden. Die eine völlig temperamentvoll und bei allem sofort dabei, die andere ganz schüchtern und skeptisch.

Das HinBoun-Tal

Märchenlandschaft und Idylle pur
So, 23.3.03. Mein Geburtstag fängt gemütlich an. Nach laotischem Vorbild lassen wir keine Hektik aufkommen. Zumal wir heute “nur” die berühmte Höhle Kongh Loh besichtigen wollen. Gegen Mittag radeln wir auf dem schlaglochreichen Weg weiter ins Tal. Bis zum Ende des Weges und zum Ende des felsenumrahmten Tales.

Hier ist ein Dorf. Vor dem Dorf steht ein Schild: “Please Mr. Stop her. The village. Please you go boating harbour”. Genau. Ein Boot, das brauchen wir für die Höhle.

Wir steigen von den Rädern und schieben ins Dorf. Das Dorf ist unglaublich toll. Mit 160 Häusern ist es erstaunlich groß und ganz schön belebt. Mehr als 1000 Menschen leben hier. Die Häuser stehen eng zusammen, alle auf Holzstelzen. Dazwischen Bäume, viele winkende Kinder und viele Hühner, Kühe, Schweine und Ziegen. Durch kleine aber tiefe Bachbetten, in denen wahrscheinlich während der Regenzeit reichlich Wasser fließt, hat das Dorf eine regelrechte “Dorflandschaft”. Ich muss da an eine große Sandburg denken. Da klar ist, was wir wollen, wird uns immer der Weg zur “Bootanlegestelle” gezeigt. Wir gelangen zum Fluss. Viele Menschen baden hier, Mädchen waschen sich gegenseitig die Haare.

Hier spricht uns ein Dorfbewohner freundlich an, erklärt uns den Preis für die Fahrt und verkauft uns sogar zwei Tickets, die er von einem Block abreißt.

Kurze Zeit später schippert ein einfaches schmales Holzboot mit einem Ruderer im Bug und einem Steuermann am motorisiertem Heck in unsere Richtung. Na dann mal los. Gekonnt saust das Boot über Kiesbänke, durch Engstellen und zwischen badenden Büffeln hindurch. Wir gelangen zur Höhle. Eine riesige Eingangshalle heißt uns willkommen. Ueberhaupt kann man sich über Enge nicht beschweren. Genug Raum, um eine regelrechte Felsenlandschaft hervorzuzaubern. Riesige Blöcke sind offenbar mal von der Decke herabgestürzt und liegen jetzt im Fluss. Dazwischen viele Kies- und Sandbänke und natürlich die typischen Gebilde einer Tropfsteinhöhle. Meine Güte, warum kann ich mir eigentlich nicht merken, wer jetzt von oben und wer von unten wächst. Stalagtit oder Stalakmit?

Egal, nett anzuschauen sind sie beide. Weil der Wasserstand zur Zeit an einigen Stellen zu niedrig ist oder Stromschnellen im Weg sind, müssen wir immer wieder das Boot verlassen und ein paar Schritte zu Fuss gehen.

Claudia: Ich finde es ganz schön unheimlich. Soviel Fels über uns, unter uns Wasser und wir in diesem kleinen wackeligen Holzboot. Kein Licht außer den beiden Lampen unserer Bootsfahrer. Beim Aussteigen merke ich immer wieder, wie mir die Knie wackeln. Ich finde es bewunderswert, dass es Menschen gibt, die Höhlen erforschen.Ins Dunkle und nicht wissen was da ist. Das wäre kein Job für mich. Wir sind ca 1,5 Stunden im Dunkel unterwegs, um die sieben Kilometer Länge zu bewältigen. Mit der Zeit gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit und die Routine der Bootsfahrer wirkt beruhigend. Endlich lässt das Gezwitscher von zahlreichen Fledermäusen das Ende der Höhle erahnen. Wir gelangen ins versteckte Tal. Ganz schön hell plötzlich. Nach einer kleinen Vesperpause mit Klebreis und Gebratenem Reis geht es wieder zurück zum Dorf.

Uwe: Noch nie habe ich so ein Dorf gesehen. Sowohl von seiner Lage zwischen den Kalkfelsen, als auch von seiner besonderen Dorflandschaft und den freundlichen Menschen. Wie wird sich das Dorf wohl zukünftig entwickeln? Die Gegend könnte touristisch ganz schön ausgeschlachtet werden, so schön und einzigartig wie sie ist. Vorgestern abend trafen wir einen Mann in Ban Nahin, der dort ein Internetcafe eröffnen möchte. Heute kommt er uns auf einem blitzblanken Moped entgegen und beschwert sich über den schlechten Service an der Höhle, weil ihm die Ausschilderung nicht ausreicht. Zudem ist deutlich zu sehen, dass gerade Strom in das Dorf gelegt wird. Das sieht so “klassisch” aus. Strom, Fernseher, externe Touristenmanager. Man kann sich da einiges vorstellen. Aber wer weiß, vielleicht haben die Dorfbewohner ja alles im Griff. Hoffentlich kommt der Tourismus wenigstens dem Dorf zugute. Und hoffentlich bleibt die Freundlichkeit der Menschen und die Stimmung erhalten. Mich hat dieses Dorf und seine Umgebung sehr berührt. Ich glaube, ich war noch nie an einem so wunderbar ursprünglichen und schönen Ort. Die perfekte Idylle.

Claudia: Wir unterhalten uns mit Pek, dem Manager und Sohn des Besitzers unserer Unterkunft. Auch er macht sich viele Gedanken dazu, wie sich die Gegend hier wohl entwickelt, glaubt aber, dass sich nur sehr langsam etwas verändern wird. Sein Vater hat das Guesthouse aufgebaut und besitzt noch drei weitere in Laos. Er hat auch dafür gesorgt, dass die Dorfbewohner einen festen Preis für die Bootsfahrt nehmen, um die Touristen nicht mit zu hohen Preisen zu verprellen oder zu wenig zu verlangen.

Selbst die Uebersetzungen der Speisekarten im Restaurant in Ban Nahin seien auf seinen Vater zurückzuführen.

Mit zwiespältigen Gefühlen zu Tourismus, Strom und “Entwicklung” radeln wir die büffelzertrampelte Buckelpiste zurück nach Ban Nahin. Dort lacht uns unsere Wirtin an und wir bekommen wieder das gleiche Zimmer. Am Abend sitzen wir gegenüber im Restaurant und studieren die Karten.

Staudamm-Projekt

Uwe: Da fragt uns ein Laote “Wohin?” Er spricht Deutsch. Das ist ja unglaublich. Knapp sechs Jahre hat er in “Karl-Marx-Stadt” in der ehemaligen DDR Pädagogik studiert. Er sitzt mit seinen 9 Kollegen am Nachbartisch, arbeitet heute als Mechaniker im norwegisch-laotischen Wasserenergie-Projekt. Einer von ihnen geht zur Fortbildung nach Japan. Heute feiern sie seinen Abschied. Auf dem Tisch steht ein Tonkrug in den ständig Bier, Wasser und was-weiß-ich-noch reingefüllt wird. Immer wieder steht einer auf, um aus großen Pflanzenstengeln was von dem Gemisch zu trinken. Ich werde bedrängt, doch auch von dem “lokalen Wein” zu trinken und wir sollen uns doch zu ihnen zu gesellen. Wir verzichten auf den Wein, setzen uns aber gern dazu.

Durch “das Projekt” hat der Ort Ban Nahin deutlich an Bedeutung gewonnen. Für einige Jahre waren viele externe Arbeitskräfte hergezogen. Seit der Fertigstellung sind allerdings nur wenige für Wartungsarbeiten übrig. Selbst der norwegische Direktor ist nur am Montag und Freitag vor Ort, lebt sonst in Vientiane. Die Männer am Tisch sind sich einig, dass sie in der Hauptstadt Vientiane niemals leben könnten. Zu schlechte Luft, zu viel Verkehr! Für uns klingt das witzig. Jedes Dorf in Deutschland hat mehr Verkehr als Vientiane.

Wir finden das Damm-Projekt nicht überzeugend. Der Fluss Nam Kading wird zu manchen Zeiten im Jahr durch den Damm völlig trocken gelegt. Dabei fließt er sogar durch ein Naturschutzgebiet. Zudem erzählen uns die Arbeiter, dass auch im benachbarten Naturschutzgebiet ein Staudamm geplant ist. Viele Dörfer müssen umgesiedelt werden. Was für ein massiver Eingriff in die Natur und in das Leben der Menschen.

Off-off-off-Road

Claudia: Di, 25.3.03. Kartenzeichner für Laos gehören zu den optimistischen Menschen. Oder aber so ein Kartenzeichner sitzt in einem fernen autoreichen Land und kann sich einfach nicht vorstellen, dass ein Land so wenig Straßen hat. So haben wir schon von Laos-Radler gehört, die irgendwann umgekehren mussten, weil sie einfach keine Lust mehr hatten, ständig Gepäck und Rad zu tragen und sich auf Fusswegen zu verirren. Und das auf einer Strasse, die in jeder Laos-Karte gross eingezeichnet ist. Was ist also mit der Strasse von Ban Lak Xao nach Ban Nakay/Mahaxai? Gibt es die noch?

“Mein Vater sagt, ich solle allen Touristen sagen, die Straße gibt es nicht mehr” verkündet uns Pek. Aber vielleicht gehts mit dem Fahrrad? “Ja vielleicht, aber es ist hart und schwierig und ich würde euch das nicht empfehlen. Seit der Kolonialzeit wird die Straße nicht mehr genutzt.” sagt der Wirt in Ban Lak Xao. Sein Kollege meint nur schlicht “Vielleicht geht`s”. Die Angaben zu den Kilometern bis Ban Nakay schwanken zwischen 50 und 70. Immerhin sind Transvelo-Werner und seine Karin die Strecke vor ein paar Jahren noch gefahren. Also muss es doch irgendwie gehen!

Uwe: Wegen der ungenauen Auskünfte und der Unsicherheiten der Strecke wollen wir früh starten. Allerdings ist es nicht so leicht, transportfähige Verpflegung einzukaufen.

So brechen wir doch erst um 8.30 Uhr mit reichlich Keksen in den Taschen auf. Nach ca. 16 Kilometern wird die Schotterstraße zur Erdpiste, bald darauf gehts steil durch Urwald bergauf. Ab und zu kommt noch ein Rad- oder Mopedfahrer vorbei. Offenbar sind wir noch nicht völlig abgelegen. Und tatsächlich, weiter oben geht es auf buckeliger Strecke durch mehrere Dörfer. Immer wieder müssen wir an Abzweigungen nach dem Weg fragen. Die Menschen wirken zurückhaltend, die Kinder sind fast ängstlich, aber trotzdem neugierig.

Und dann geht es nur noch durch Urwald. Die Piste ist unglaublich holprig, oft mit tiefen Löchern und Gräben. Dabei geht es ständig auf und ab. Nach ca. 33 Kilometern passiert dann das, wovor wir die ganze Zeit Angst hatten. Der Weg gabelt sich ohen eindeutigen Hinweis, wo die alte Straße weitergeht. Eher schnell entscheiden wir uns für eine Richtung, drehen aber nach wenigen 100 Metern verunsichert um und kehren zu der Gabelung zurück. Mit detektivischen Ueberlegungen versuchen wir, eine Entschiedung zu finden und fahren letztlich wieder links herum weiter. Zum Glück kommt bald ein Dorf, wo man unsere Richtung bestätigt. Puh.

Wir haben unsere Freude noch nicht ganz ausgekostet, da kommt schon wieder eine Gabelung. Die Situation wiederholt sich mit kleiner Variation. Wir fahren also wieder links und drehen wieder verunsichert um. Diesmal fahren wir bis in das Dorf zurück. Es gibt nichts Uneindeutigeres als diese asiatische Zeigebewegung (geradeaus mit Schlenkern). Deshalb versuchen wir, mit Skizzen eindeutige Infos zu bekommen. Nach rechts!? Okay, wieder los. Als wir dann wieder an die Gabelung kommen und gerade nach rechts abbiegen wollen, kommt ein Moped von links. Zu unserer Ueberraschung sagt er, er käme aus Ban Nakay. Das überzeugt. Also doch links!?

Als wenige Zeit später ein einsamer Fußgänger mal wieder die Richtung bestätigt, gebe ich ihm die Flasche Wasser gern, die er an meinem Fahrrad entdeckt hat und wonach er fragt.

Das ewige auf und ab, durch die kleinen Bachläufe bedingt, zermürbt zunehmend. Bisher sah der Himmel blau aus, doch inzwischen hat sich eine graue Wolke breit gemacht. Was bloß, wenn es hier regnet. Dann können wir nicht mehr weiter kommen. Zur Regenzeit gar, ist diese Straße unpassierbar. Eine ganze Zeitlang buckeln wir durch Urwald ohne eine Menschenseele zu sehen und beobachten dabei die Wolke über uns. Aber sie hält dicht und so freuen wir uns riesig, als wir das große Dorf Ban Thalang am Fluss Nam Theun erreichen. Tatsächlich fallen hier drei Tropfen vom Himmel, aber das wars dann auch.

Wir müssen uns erstmal ausruhen, Kekse essen und Wasser trinken. Als wir wieder aufbrechen, sollen es bis zum Dorf Ban Nakay noch 21 Kilometer sein. Plötzlich wird uns klar, dass wir nur noch zwei Stunden haben, bis es dunkel wird. Und wer weiß, was die weitere Strecke noch für Ueberraschungen zu bieten hat. Mit mulmigem Gefühl heizen wir von nun an über die Piste.

Gäste im Dorf

Wir sind überrascht, als nach 12 Kilometern uns jemand eröffnet, dass wir bereits in Ban Nakay seien. Wir stehen vor einem kleinen Dorf. Hier soll es ein Guesthouse geben? Schließlich weist ein Mann uns durchs Dorf. In einem einfachen, auf Stelzen gebauten Haus mit drei Wänden bietet man uns ein Plätzchen zum Schlafen an. An einer Wäscheleine hängen Stoffe als Sichtschutz, dahinter liegen mehrere Matratzen. Ist dies tatsächlich ein Guesthouse? Wir sind verunsichert. Nee, hier wohnen doch Leute. Immer mehr Dorfbewohner, vor allem Kinder, finden sich im Haus ein und beobachten uns aus nächster Nähe, wie wir unsere Sachen auspacken.

Sollen wir vielleicht doch das Zelt aufbauen? und wer schläft auf den Matrazen dahinten? Sind die für uns? Wir entscheiden uns, die Isomatten auszurollen und das Moskitonetz darüber zu spannen. 30 bis 40 Augenpaare schauen gebannt zu, als würde ein Hitchcock-Thriller gezeigt werden. Geht aber nicht, hier gibt es keinen Strom. Ein Zuschauer macht mich neugierig. Er sitzt halb liegend auf einem Balken und sieht ein bisschen wie ein Teddybär aus. Aber er bewegt sich, wenn auch langsam. und die viel zu großen Augen in dem kleinen Köpfchen zeigen ab und zu einen Lidschlag. Ich hatte bis jetzt keine Ahnung, wie putzig solche Siebenschläfer sind. Aber kurze Zeit später macht er seinem Namen wieder alle Ehre und döst in abenteuerlicher Haltung mit klammernden Fäustchen zwischen Balken und Leine.

Claudia: Als wir unser Moskitonetz befestigt haben, kommt ein Dorfbewohner auf uns zu und winkt ab, deutet an, dass wir das Netz falsch aufgehängt haben. Wir müssen längs, nicht quer in dem halboffenen Raum schlafen! Okay. Mit seiner Hilfe knöpfen wir alles wieder ab, drehen Netz und Matten und bedanken uns brav. Und recht hat er sicher auch. Wenn Uwe mit den Füßen Richtung “draußen” schläft, traut sich bestimmt kein böser Geist mehr rein.

An einer Wand im Haus hängt ein Poster mit einer Bildergeschichte zu Malaria. Ein Junge wird krank, erhält Medizin und ein Moskitonetz und schläft fortan unter dem Netz. Na da sind wir ja vorbildlich mit unserem Netz. Ein weiteres Plakat zeigt eine Karte mit viel blauer Fläche. Geht es um das zweite Staudamm-Projekt? Ist dies eines der Dörfer, die betroffen sind und umgesiedelt werden?

Uwe: Unsere Frage nach Dusche und Toilette wird unsicher lächelnd verneint. Tja, aber irgendwo müssen die Dorfbewohner doch hin machen. Mit einer dieser typischen asiatischen Zeigebewegung können wir nichts anfangen. Aber ein Restaurant soll es geben. Verschwitzt stinkend gehen wir begleitet von der Meute los. immer wieder zeigen uns hochfliegende Hände, wo es langgeht. Schließlich nimmt sich eine ältere Frau, die “Restaurantbesitzerin” unser an und stellt alle möglichen Hocker in ihrer Bude auf. Zum sitzen, Gläser abstellen, … . Umständlich schließt sie eine kleine Birne an eine Batterie an, damit wir etwas Licht haben. Unsere Frage nach gebratenem Gemüse scheint sie sofort zu verstehen und fängt an über offenem Feuer herumzubrützeln. Tatsächlich befindet sich in den Schüsseln, die sie uns kurze Zeit später hinstellt auch ein bisschen Gemüse. Und ein riesiger Korb mit Klebreis. Ansonsten sind wir eher unsicher, was das so ist. Immerhin gibt es sogar Bier Lao, wenn auch ungekühlt. Der Rauch der Oellampe beißt mir in den Augen. Was für eine üble Luft in der Hütte.

Klebreis – lecker, aber verdächtig
Claudia: Mit der Hygiene ist das in Laos wieder so eine Sache. Uwe war der leckere Klebreis (Sticky Rice) ja schon immer suspekt. Hier können wir den “Umgang” mit dem Lebensmittel mal so richtig beobachten. Mit unseren Schwitzefingern fingern wir den Reis aus dem Korb, um ihn in die diversen Schüßeln zu dippen. Dieser riesige Korb, das kann unmöglich alles für uns sein. Ist es auch nicht. Eine Frau schaut rein und kauft was. Da wird ein Klumpen aus unserem Korb gefingert, ein Teil davon fliegt in eine Tüte, ein Teil wieder zurück in den Korb. Zuwenig! Da fliegt noch ein Klumpen durch die Luft. Meistens erhält man jedoch ein kleines Körbchen “für sich”. Durch wie viele Fingerchen der Klumpen schon gegangen ist, weiß keiner so genau.

Uwe: Als wir zu unserem Haus zurück gehen, sehen wir in dem kleinen Lichtkegel meiner Fahrradlampe gleich zwei Skorpione. Gut, dass die Häuser hoch gebaut sind. In unserem “Zuhause” sitzen inzwischen so ca. 10 bis 15 Leute gemütlich zusammen, unterhalten sich im Schein einer kleinen Oellampe und essen. Wir versuchen, mit Hilfe unseres Sprachführers ein paar Sätze auszutauschen. Das kleine Fotoalbum kommt gut an. Trotz Sprachschwierigkeiten fühlen wir uns wohl unter den freundlichen Dorfbewohnern und die anfängliche Unsicherheit verfliegt. Unsicher sind wir nur beim “in die Büsche schlagen”. Skorpione, Schlangen, unexplodierte Bomben. Wir sind glücklich über unsere Lampen und laufen nur zu zweit los.

Do, 27.3.03. Erwartungsgemäß wird es mit der Morgendämmerung unruhig um uns. Als wir wenig später aufstehen finden sich auch schon die ersten Zuschauer bei uns ein. Wir machen noch ein paar Bilder von den Leuten, verschenken ein Foto von uns und ein paar Kekse und machen uns wieder auf die Piste. Ohne Frühstück zu dieser frühen Stunde sind wir total schlapp. Doch nach 8 Kilometern kommt ein relativ großer Ort, wo wir uns mit leckerem vietnamesischen Kaffee stärken. Hier gibt es auch ein Guesthouse. Wer hätte das ahnen können?

Die Strecke führt anschließend kräftig bergab. Von der holprigen Staße sehen wir viel unwegsamen Wald und zackige Kalkfelsen in der Ferne. Die Felsen kommen immer näher und bis Mahaxai fahren wir schließlich mitten durch diese bizarre Landschaft. Schon früh am Nachmittag trudeln wir in Mahaxai ein. Mahaxai liegt wunderschön am Fluss mit zackiger Felsenkulisse. Ueber den Fluss führt eine Bambusbrücke. Alles wirkt unglaublich friedlich und ruhig. Es gibt kaum Mopeds oder Autos. Toll. Zudem ist hier wieder alles ganz einfach. Endlich können wir duschen und Wäsche waschen. Ueber dem Fluss sitzend genießen wir leckeres Essen.

Karst und Höhlen

Fr, 28.3.03 Wir radeln von Mahaxai nach Thakhek. Karstberge wo das Auge hinschaut. Wenn es schauen kann. Nicht oft, aber regelmäßig fährt ein Traktor oder LKW vorbei und hüllt uns in eine dichte rote Staubwolke. Eine Abzweigung führt zur Hohle En (Tham En). Nicht zuletzt wegen der frischen Luft die aus der Höhle strömt ist sie ein beliebtes Ausflugsziel der Laoten. Entsprechend ist sie ausgebaut, mit Beleuchtung und Treppen. Und direkt vor der Höhle wurde eine große, seitlich offene Holzhütte hingebaut, um eben diese friesche Luft richtig genießen zu können. Auch wir genießen die Frische und verstärken noch das Erlebnis mit einer Flasche kühlem Bier Lao.

Wenige Meter von der Höhle entfernt schlägt die Hitze wieder zu. Also trinken wir bald schon wieder was Kühles. Gerade dort, wo man zu einer weiteren Höhle abzweigt. Die ist zwar viel kleiner, aber durch das einfallende Licht auf einen Teich sehr schön. Es ist ein Pilgerort. Statt beleuchteter Treppe finden wir einige Buddha-Statuen, die in so einer Höhle ganz schön unheimlich wirken.

Der Himmel bewölkt sich immer mehr. Eine Zeitlang sehen die dicken Quellwolken über der bizarren Landschaft sehr schön aus. Eine richtige Wolkenlandschaft. Aber als es zunehmend gewittrig wird, treten wir in die Pedale und legen schnell die letzten Kilometer nach Thakhek zurück.

Nach dem Abstecher in die Karstberge sind wir heute wieder auf der “großen” Route 13 unterwegs. Wir wundern uns erneut über so wenig Verkehr. Laut Karte und Auskunft in Thakhek sind es 120 Kilometer bis Savannaketh. Zufrieden, schon 80 Kilometer geradelt zu sein, machen wir am frühen Nachmittag einen längere Pause. Aber dann wird die Zeit doch irgendwie knapp. Und die weitere Auskünfte zu den verbleibenden Kilometern verunsichern uns. Richtig komisch wird es dann, als an einer Kreuzung die erwartete Abkürzung ausbleibt. Blöde Karte! Sollen wir also in Xeno übernachten?

Kilometerstein 28
Claudia: In Xeno gibt endlich ein Kilometersteinchen Auskunft zur Entfernung nach Savannakhet: 30 oder 28, man kann es nicht so recht erkennen. Das müssten wir doch noch schaffen. Wir beschließen, weiterzuradeln. Der nächste Kilometerstein sagt wieder: 28. Einen Kilometer weiter heißt es erneut: 28. So kommen wir ja nun nicht voran. Wir schreien und lachen bei jedem Kilometerstein. Hat sich hier jemand einen schlechten Scherz erlaubt? Nach sechs bis sieben 28er-Kilometersteinchen purzeln endlich die Zahlen nach unten. Uwe: Jetzt brauen sich immer mehr Gewitter um uns herum zusammen. Bei kräftigem Gegenwind versuchen wir, noch vor der Dunkelheit anzukommen und treten wie verrückt in die Pedale. Doch es wird immer stürmischer. Nahe Blitze und erste Regentropfen lassen uns widerwillig einen Unterschlupf aufsuchen. Leider zieht der Gewitterschauer nicht mal eben vorbei. So fahren wir mit mulmigem Gefühl die letzten Kilometer bei hereinbrechender Nacht und Gewitterbegleitung. Immerhin. Die häufigen Blitze beleuchten wunderbar die Straße vor uns. Nach 132 Kilometern sind wir schließlich am Ziel, in Savannakhet.

Schmoren unter Wellblech

Claudia: In Savannakhet wohnen wir im Saisouk Guesthouse. Das ist ein sehr nettes Haus mit Dielenboden, feiner Veranda und Nachmittagstee und allzeit kaltem Wasser. Und das Ganze für nur 25.000 Kip (=2,5 US$). Einziger Haken: Wir schmoren unterm Wellblechdach. Das Zimmer ist der reinste Backofen. Es wird von Tag zu Tag heißer. Das Gewitter am Nachmittag funktioniert auch nicht richtig. Kaum ist es weg, ist es schon wieder heiß. Klebewetter. Duschen ist ähnlich wie Gewitter. Die Erfrischung ist nur von kurzer Dauer. Die kleinste Bewegung bringt wieder einen fiesen Klebefilm auf die Haut. Bäh! Oder liegt es daran, dass wir nicht Radfahren? Da hat man dann wenigstens ein bisschen Fahrtwind im Gesicht. Wir schwitzen und warten auf’s Vietnam-Visum. 4 Tage müssen die Vietnamesen grübeln, ob sie uns in’s Land lassen. Erst dann bekommen wir den hübschen Kleber in den Pass.

Insekten en masse
Was für einen Sinn macht es eigentlich, wenn Myriaden von “Maden-Mücken-Motten” jede Lichtquelle umschwärmen, um dann einen fiesen Tod im Ventilator oder in einer Suppe zu finden? Am nächsten Tag liegen dann überall die Leichen, um eimerweise zusammengefegt zu werden. Heute abend ist es schon die zweite “Art”, die wir beobachten. Waren es bisher eher “mottige” Tiere, sehen diese aus wie Maden mit Flügeln. Wir haben alle Hände voll zu tun, um Essen und Bier vor den lebensmüden Tierchen zu retten. Auf der Straße sieht es aus wie ein Schneesturm, so viele von den weißen Tierchen flattern umher.

Französische Überbleibsel

Woran erkennt man, dass die Franzosen in Laos herumkolonialisiert haben? In den wenigen Städten von Laos haben die Franzosen einiges hinterlassen. In Savannakhet sehen die Häuser ganzer Straßenzüge französich aus, hinzu kommt noch eine christliche Kirche, es gibt Baguette und boulespielende Menschen.

Und dann ist da noch einer, der uns unweigerlich vorgaukelt, tatsächlich in Frankreich zu sein. Es ist ein kleiner, dicker, unglaublich hässlicher Hund vor dem Restaurant “Lao – Paris”. Frankreich ist das Land der hässlichen Hunde, einige davon wohnen noch in Laos. Er guckt uns ganz vorwurfsvoll an, als würde er verstehen, was wir über ihn denken.

250 Kilometer trennen uns in Savannakhet von der vietnamesischen Grenze. In drei Tagen müssen wir dort sein. Dann läuft unser Laos-Visum ab, Vietnam wartet. Los geht’s.

Spontaner Englisch-Unterricht

Nach ca. 40 Kilometern halten wir an einer Schule, um ein paar Bilder von den witzigen Rädern zu machen. Damit der Beifahrer es bequem hat, hat das gemeine laotische Rad statt Gepäckträger einen Polstersitz. Der Beifahrer hinten ist es denn, der den Sonnenschirm über den Fahrer und sich selbst hält. Bequemer Radeln in Laos.

Wo ist denn eigentlich der Zoo?
Da spricht mich eine junge Frau an. Sie sei Lehrerin und gibt gleich Englischunterricht. Ob wir ihr nicht helfen könnten. Sie habe Schwierigkeiten mit der Aussprache. Was? Jetzt? Sofort? 40 Kilometer bei Hitze Radfahren machen uns nicht gerade zur frischesten Erscheinung. Egal, wir folgen ihr schwitzend und tropfend und stehen wenige Sekunden später auch schon mitten im Klassenzimmer. Ca. 40 Schülerinnen und Schüler stehen auf und begrüßen uns brav. An den Fenstern hängen noch einige “Zaungäste” herum. Heute soll es darum gehen, um Erlaubnis zu bitten. Wir sprechen auf Wunsch der Lehrerin vor: “Can I go to the zoo?” und “Yes, you can” oder “No, you can’t”. Die Schüler sollen uns nachsprechen. Alles läuft ein wenig chaotisch ab, die Lehrerin ist selbst total nervös und die Schüler erst recht. Nach ein paar “Can I go to the zoo?” sind wir entlassen.

Vor dem Klassenraum quatschen wir noch ein bisschen mit der Lehrerin. Sie hat drei Jahre Englisch studiert und an zwei Workshops teilgenommen. Aber es sei schwierig, sich die richtige Aussprache zu merken. Und Schulbücher seien sehr teuer. Wir schenken ihr unser Lao-Phrasebook, vielleicht besser als nichts ud verabschieden uns. Weiterradelnd quält uns eine Frage: Gibt es wohl einen Zoo in Laos? Wohl kaum. Ob es allerdings praxisnäher ist, wenn die Kinder künftig aus unserem Phrasebook Sätze lernen wie: “Haben Sie noch ein Zimmer frei?”

Wieviel Schlaf braucht der Mensch?
“Können wir uns das Zimmer mal ansehen?” ist noch so ein Satz aus Touri-Sprachführern. Wir wenden ihn erfolgreich in Muang Phalan an. “Das Zimmer sehen – ja klar”, unser Wirt macht die Tür auf und zögert ein bisschen. “Einen Moment noch”. Es liegt noch jemand im Bett. Wir sehen, wie er sich aufrappelt, um das Zimmer für uns freizugeben.

Die Laoten haben einfach dieses dominante Schlaf-Gen. Während die Thais das Ess-Gen haben und immerzu essen müssen, müssen die Laoten immerzu schlafen. Je erwachsener, desto mehr. Auf den Beinen sind in den Dörfern deshalb auch nur die Kinder, die schon laufen können, aber noch nicht in die Schule gehen. Die Laoten von 0 bis lauffähig liegen in der Babyschaukel oder hängen beim Geschwisterchen auf der Hüfte im Tragetuch. Die kleinen Laoten von laufend bis schulpflichtig rennen durchs Dorf und brüllen “Sabbai-dii”, die Schulpflichtigen sitzen auf dem Fahrrad und fahren zur Schule, nach Hause, wieder zur Schule… . Ja und die Erwachsenen liegen halbschlafend in der Hängematte oder auf einer Bastmatte und beobachten aus einem Auge die Kinder-Anarchie. Das Durchschnittsalter in Laos schätze ich auf 8.

Die Dinosaurier waren auch schon da
Uwe: Freitag, 4.4.03, In Muang Phalan suchen wir verzweifelt Dinosaurier-Fußstapfen. Schließlich führen uns ein paar Kinder zu einigen Kerben im felsigen Flussbett. Mit Fantasie kann man sich einen krallenbesetzten Fuss vorstellen, allerdings nicht allzu groß. Ich bin ein bisschen enttäuscht. Hatten wir uns doch bereits andere Formen im Fels als richtig große Spuren zurechtgereimt.

Kriegsspuren

Claudia: Leider gibt es neben Dinosauriern noch andere, die Spuren hinterlaßen haben. Der Vietnamkrieg heißt in Indochina “Amerikanischer Krieg”. Alles eine Frage der Perspektive. Obwohl die Amerikanische Regierung der Weltöffentlichkeit gegenüber behauptet haben, Laos nicht zu bombadieren, fielen über Laos Unmengen von Bomben. Denn Versorgungswege der feindlichen Nordvietnamesen führten durch Laos. Im ganzen Land sind deshalb noch heute unexplodierte Bomben eine Gefahr. Gerade die Gegend um die Route 9, auf der wir Laos gen Vietnam queren, wurde heftigst bombadiert. Zahlreiche Bombenkrater mitten in den Dörfern und halbe Bomben, die heute als Blumenkübel genutzt werden, sind traurige Zeugen. Bei der Straßenerneuerung der Route 9 laufen Menschen mit Minensuchgeräten in den Gräben umher, machmal sogar Kinder. Was für ein Job! LKWs fahren mit der Beute, haufenweise Schrott, an uns vorbei. Ein abgestürzter US-Hubschrauber liegt einfach so mitten in einem Dorf und erinnert an die schreckliche Zeit.

Über die Grenze

Uwe: Nachdem wir im laotischen Grenzort unsere letzten Kip ausgegeben haben, verlassen wir das Land des leckeren Bieres und radeln in das Land des leckeren Kaffees. Auch nicht schlecht, und vor allem besser für Gichtkranke.

An der Grenze klappt alles reibungslos. Unser Gepäck wird auch nicht durchsucht nach “Kinderspielzeug, dass die persönliche Entwicklung der Kinder stört”, oder sonstigen nicht erlaubten Dinge. Haben wir auch nicht dabei.

Schon die vietnamesischen Grenzbeamten lassen erahnen, dass die Vietnamesen ein anderes Völkchen sind als die Thais oder die Laoten. Sie interessieren sich für unsere Fahrräder, greifen auch mal an. Überhaupt gehen sie mit uns Ausländern sehr locker und ungehemmt um. Schnell sind die Stempel im Reisepass.