Vietnam: Nha Trang, Highlands, Saigon und Mekong Delta

Claudia: Nha Trang ist die lebhafteste Stadt in Vietnam mit Nachtleben – so versprichts der Reiseführer. Ist die SARS-Panik schuld? Sie hält die Touristen aus ganz Vietnam fern, auch wenn es nur in Hanoi in einem Krankenhaus SARS gab. Jedenfalls ist das Nachtleben nicht so recht zu finden. Als wir abends nach 11 Uhr zum Hotel kommen, ist es mal wieder verriegelt. Ich hänge gerade auf dem Tor um zu erkunden, wie wir rüberklettern können, da kommt missmutig unsere Wirtin angelatscht. Sie öffnet wortlos.

Schichtwechsel

Uwe: Fast täglich springen wir in das südchinesische Meer. Durch Wind und eine kleine Stufe am umspülten Strand entstehen dort recht hohe Wellen, von denen wir uns über den Strand wirbeln lassen. Jeden Tag gibt es Schichtwechsel. Vor Sonnenaufgang sporteln die Vietnamesen. Mit der Sonne kommen die ausländischen Touristen, schwitzen auf den Sonnenliegen. Einheimische zeigen sich zu dieser Zeit fast ausschließlich als Strandverkäufer, total vermummt, um sich vor der Sonne zu schützen.

Die Vietnamesen haben wirklich Angst vor der Sonne, vor allem die eitlen Frauen. Denn braune Haut bedeutet “arm” und “alte Haut”. Wenn sich die Vietnamesin schminkt, dann weiß.

Am späten Nachmittag, wenn die Sonne schon tief steht, verschwinden die Touristen, Liegen und Schirme werden abgebaut. Dann beleben Tausende von Vietnamesen Strand und Wasser. Kinder hängen mit Schwimmwesten, manchmal aus Halbliter-Plastikflaschen gebastelt im Wasser, Jugendliche spielen Fußball, Familien picknicken.

Deutsch in Nha Trang

In Nha Trang gibt es eine Bibliothek. Zu meinem Erstaunen spricht Herr Hue, der Leiter der Bibliothek, Deutsch. Er war fünf Jahre in Dresden. Unter den schätzungsweise 1000 deutschen Büchern finden wir ein paar Schätzchen zum Schmökern. Claudia: Dabei lernen wir Ursula kennen. Spontan lädt sie uns zum Abendessen ein. Ursula ist Präsidentin der Non-Profit-Organisation “Medizinische Hilfe für Vietnam e.V.”. Mit ihrer Organisation ist sie seit Ende des amerikanischen Krieges 1975 unter anderem in Kliniken, einem Waisenhaus, einer Lebrastation aktiv. “Agent Orange” ist auch heute noch ein Problem, nicht nur wegen der Vergiftung der Umwelt, sondern auch wegen der Belastung und Schädigung des Erbgutes der Menschen. So wurden und werden seit dem Krieg viele Kinder mit schweren Behinderungen geboren. Wir verabreden uns mit Ursula, um einige Einrichtungen zu besichtigen, die von ihrer Organisation unterstützt werden. Hier ein Bericht über ihre Hilfsorganisation Medizinische Hilfe für Vietnam e.V.

Bootstour mit Kulturaustausch

Endlich wieder Schnorcheln. Das Boot ist zur Hälfte mit ausländischen Touristen, zur Hälfte mit vietnamesischen Touristen besetzt. Klares Wasser, Korallen, viele bunte Fische vor den Inseln bei Nha Trang locken.

Aber es gibt auch viel Unterhaltung. “Strong man”, der die Bootstour führt, macht seinen Job äußerst gut und spielt Gitarre. Für jede Nationalität an Bord hat er ein typisches Volkslied auf Lager. Für uns Deutsche ist es “Sah ein Knab ein Röslein stehen”.

Die Vietnamesen erweisen sich als wesentlich singfreudiger und singen und klatschen bei ihren Liedern gleich alle mit. Aber auch die ausländischen Touristen müssen singen, z. B. “Vietnam – Ho Chi Minh, Vietnam – Ho Chi Minh”

Dalat, das Juwel des Hochlandes

Dalat liegt auf 1400 Metern Höhe und 110 Kilometer vom nächsten Küstenort entfernt. Dazwischen gibt es keine Unterkunft. Anstatt mit lokalen Polizisten darüber zu streiten, wo wir die Nacht verbringen oder uns vor selbiger verstecken zu wollen, bevorzugen wir den Bus. Der bringt uns bequem die Bergstrecke rauf. Dabei können wir noch einen Cham-Turm besichtigen.

“Wie schnell man doch Höhe machen kann” seufzt Uwe mit Blick auf seinen Höhenmesser. Aber auch der Bus schaltet die Klimaanlage aus, um den Motor nicht zu überlasten.

Am 30. April, dem Befreiungstag und Ende des Krieges, und am 1. Mai, dem internationalen Tag der Arbeit, nutzen viele Vietnamesen die Gelegenheit, in Dalat kühle Luft zu schnappen.

Genau am 30.4. kommen wir in Dalat an. Menschenmassen schieben sich auf den schmalen Bürgersteigen an den großen Straßen entlang. Es gibt zwei Bühnen und Ausstellungen. Aber das Programm ist entsetzlich. Schöne junge Mädchen in langen Kleidern mit Blumen im Haar bewegen sich extrem langsam zu schlechter Musik.

Dalat war schon immer ein Ort für die Reichen und blieb vom Krieg weitestgehend verschont. So sitzen wir in einem Cafe, dessen Inneneinrichtung sich seit den 50er Jahren nicht verändert haben soll. Wir fühlen uns wie in Prag oder Budapest. Im Hintergrund läuft französische Musik. Im Fernsehen läuft, zum Befreiungstag passend, ein Kriegsfilm. Ein Paar mit einem Kind ist ständig auf der Flucht vor amerikanischen Hubschraubern, die aus Maschinenegewehren herunterschießen. In dem Film werden auch die Amerikaner von Asiaten gespielt.

Alle Attraktionen in Dalat sind voll auf Honeymoon abgestimmt. Da ist zum Beispiel das “Tal der Liebe”. An herzigen Skulpturen mit Liebespaaren und herzchenförmigen Sitzplätzen vorbei laufen wir auf einen gut befestigten, ausgebauten Weg ins Tal zu einem See. Dort langweilen sich einige Verkäuferinnen in ihrem Souvenirläden. Dunkle Wolken und Donnergrollen verhindert vielleicht allzu große Liebeswallungen. Nur wenige lassen sich vor einer schlechten Kopie der Venus von Milo fotografieren. Jetzt im Mai beginnt die Regenzeit. Fast jeden Nachmittag zieht sich der Himmel zu und es regnet.

Uwe: Sa, 10. Mi 2003. Wir wagen uns weiter in die Berge. Die Straße lässt nochmals weite Blicke zu beiden Seiten auf Dalat und die Umgebung zu, bevor wir in die Berglandschaft eintauchen. Hier fühlen wir uns an den Schwarzwald erinnert. weiche Hügel mit viel Wald und viel, viel Landwirtschaft. Nur der leuchtend rote Boden und die vielen Terrassen sind anders. Leider ist die Sicht heute etwas trüb. Aber egal, Abfahrten machen immer Spaß. Und in der Ebene angelangt, versüßt uns der Rückenwind die Weiterfahrt.

Auf leicht abschüssiger Strecke mit viel Weitblick rollen wir im Nullkommanix nach Lam Ha und quartieren uns in einem netten Zimmer ein. In einem einfachen Restaurant genießen wir Abendessen. Es gibt Bia Hoi (gezapftes Bier). Was für ein Bild: Claudia sitzt mir gegenüber am Tisch, in der Hand einen vollen Bierhumpen. Auf dem Tisch eine Plastikkanne, die wie eine hohe Rührschüssel aussieht. Anfangs waren da so zwei Liter Bier drin. Hinter Claudia steht ein zwei Meter hoher, chromblitzender, tonnenförmiger Kessel. Damit verbunden eine große Kohlensäureflasche, die direkt daneben steht. Das Bier ist total lecker, wie auch das Essen.

Power in den Bergen

110 anstrengende Kilometer durch die Berge liegen vor uns. Bald schon geht es bergauf. Erst gemächlich, dann steil. Nicht nur wir müssen über den mehr als 1200 Meter hohen Pass, auch die Stromleitung, die in der Nähe der Straße gebaut wird. Ein Mast wird gerade montiert. Die Arbeiter mit leuchtend gelben Helmen wirken klein und zerbrechlich auf dem riesigen Gerüst. Das Fundament steht zum Teil in einem kleinen Friedhof. Von der Passhöhe sehen wir schon die dicken Regenwolken, die uns kurze Zeit später einholen.

Nach einer Pause lässt der Regen nach und die Berglandschaft um uns herum nimmt wieder Konturen an. Dafür verschwimmen kurze Zeit später die Konturen unserer Fahrräder. Eine kleine Baustelle genügt, um Unmengen von Schlamm auf unsere Räder zu verteilen. Die Kette quittiert den Dreck mit Knattern.

Das ständige Auf und Ab und die vielen Kilometer machen uns ganz schön zu schaffen. Bei der letzten größeren Steigung versuchen wir, uns an einen Traktor anzuhängen. Aber Claudia verpasst erstmal den Anschluss. Dann hält einer für uns an und ab geht die Post. Es dauert gar nicht lange und wir sind oben, lassen los und winken den Leuten auf dem Traktor dankend hinterher. Je näher wir unserem Ziel kommen, umso mehr ist wieder los auf und neben der Straße. Auf einem gefluteten Reisfeld spielen Jungs Fußball dass das Wasser spritzt. Dass Leute mitten auf der Straße gehen, ist nicht so ungewöhnlich in Vietnam. Aber nackt? Ein Mann schlendert ganz gemütlich und völlig nackt mitten auf der Straße herum.

Näher als bei Schwiegermuttern im Garten

Claudia: Anders als an der Küste gibt es in den Bergen noch viele traditionelle Dörfer. So variieren die Bauweisen der Häuser je nach ethnischer Herkunft der Bewohner. Mal auf Stelzen, mal ohne, mal Holz, mal Lehm, mal Palmenblätter. Jun Village liegt direkt am See und besteht aus den typischen Häusern des M`nong Stammes. Sobald ein Familienmitglied heiratet, wird angebaut. So entstehen unglaublich lange Häuser. Die Treppe, die ins Stelzenhaus führt ist ein Baumstamm, in den Stufen eingehauen sind. Uwe: In Jun Village steht ein Long House für Besucher offen. Wir sind die einzigen Gäste. Außer den Büffeln, die direkt vor unserem Fenster schlafen und immer wieder mächtig ausatmen ist nachts totale Stille.

Am nächsten Morgen lassen wir uns viel Zeit und genießen die Ruhe in dem Dorf. Wenn ich aus dem Fenster schaue, gaffen mich mehrere Büffel kauend an. Immer wieder paddeln Leute in langen Holzbooten vorbei. Eine alte Frau trägt einen Lederrock und ein Handtuch auf dem Kopf und raucht Pfeife.

Wir radeln nach Buon Ma Thuot, dann weiter nach M`Drak, von dort zurück zur Küste. Entlang der Passstraße scheint auch hier zu Kriegszeiten wieder großflächig entlaubt worden zu sein. Plötzlich taucht eine Ebene unter uns auf. In der Ferne sehen wir das Meer und einige Berge. In kurzer Zeit sind wir unten, zurück in der Hitze. Der heiße Wind bläßt uns entgegen. Also kämpfen wir uns gegen den Wind zum Doc Let Strand. Der Sand ist superfein und weiß, das Wasser flach und warm. Keinerlei Erfrischung. Am nächsten Tag gehts weiter, erneut nach Nha Trang. Damit ist unser Kringel durch die Berge beendet. Von Nha Trang fahren wir mit dem Zug nach Saigon (Ho Chi Minh City).

Lange Ausgehen unerwünscht

Uwe: Ich habe mir Saigon ganz anders vorgestellt – irgendwie voller, chaotischer, lebendiger. Wie auch immer, Saigon ist es eine angenehme Stadt. Da LKWs und Busse aus dem Stadtkern verbannt sind, ist sie fast ruhiger als Dalat. Und die Leute, die wir kennen lernen, sind alle sehr nett. Doch es gibt viele Kontraste. Ganze Viertel sehen aus wie in Europa, wenn auch auf den Straßen die Mopeds dominieren. Einmal sehe ich erst einen Ferrarri und kurze Zeit später einen verkrüppelten Mann, der sich auf einer Karre liegend über die selbe Straße zieht. Mir fällt auch auf, dass sehr viele Menschen lesen. Auch die Cyclo Fahrer, die viel Zeit damit verbringen, auf Kundschaft zu warten und die nachts in den Straßen stehen und in ihrem fahrbaren “Zuhause” schlafen.

Für Touristen gibt es ein Ghetto mit günstigen Unterkünften. Ein Pizzalokal reiht sich an das andere, eine Armee von Buchverkäufern ist unterwegs und in den Bars sieht man junge Frauen neben alten Ausländern sitzen. Nur die Polizei stört manchmal. Da sitzen wir um 23.20 Uhr gemütlich beim Bier als eine kleine Traube von Uniformierten die Szene aufmischt. Nach 23 Uhr ist es nicht mehr erlaubt, Gäste draußen zu bewirten. Also gehen wir rein und schaün zu, wie draußen alle Stühle und Tische auf einen Haufen geworfen und dann abtransportiert werden. Ohne Pardon. Fur 100.000 bis 200.000 Dong (6 bis 12 Dollars) kann die Wirtin die Sachen später wieder abholen. Zwei minderjährige Jungs werden ebenfalls “mitgenommen”, auch wenn sie nur Kaffee getrunken haben. Mit langen Gesichtern sitzen sie auf dem Jeep. Komische Aktion. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir uns in der größten Stadt Vietnams aufhalten.

Verarbeitung des Krieges
Auch in anderen Dingen ist Saigon provinziell. Das Museum der feinen Künste befindet sich zwar in einem von außen sehr schönen Altbau, die Räume sind aber schlecht beleuchtet und überall steht Gerümpel. Bilder stapeln sich an allen Ecken, nicht gerade liebevoll verwahrt. Die Exponate sind mit wenigen Ausnahmen wenig reizvoll. Richtig schlimm wird es im Obergeschoss. Eine ganze Etage kriegsverherrlichender Kunst. Verträumt in die Ferne schauende Frauen sitzen mit riesigen Knarren im Gras. Eine Frau steht vor ihrem Haus und nimmt mit offenen Armen einen Soldaten auf. Alles fein in gelb-grün gehalten. Sehr romantisch. Seltsam ist auch der Tennisplatz, der den Innenhof ausfüllt.

Das War Remnants Museum ist qualitativ viel besser, aber nichts für schwache Gemüter. Es zeigt Kriegsgerät und vor allem Fotografien aus dem Krieg. Und es dokumentiert die Folgen von Agent Orange auf schockierende Weise. Da stehen Gläser mit in Alkohol eingelegten missbildeten Embryonen und Babys. Auch die Kriegsfotografien sind schrecklich. Ein amerikanischer Soldat hält den Teil eines völlig zerfetzten Vietnamesen hoch, bei dem gerade noch der Kopf einigermaßen unversehrt ist. So viel Leid durch einen sinnlosen Krieg.

Das Mekong Delta – flach und dicht besiedelt

Claudia: Mo, 26. Mai 2003. Nach fünf Tagen Großstadt geht es heute ins Mekong Delta. Beim Versuch, die “ausufernde” Stadt zu erlassen, verfransen wir uns. Wir fragen nach dem Weg, wollen nach “MyTho”, ein freundlicher Mopedfahrer hilft uns, fährt voraus. Da stoppt er und zeigt auf ein großes Gebäude: “Metro” steht drüber. Nein, wir wollen doch nicht einkaufen.

Endlich auf der richtigen Straße bleibt das “Raus-aus-der-Stadt”-Gefühl aus. Ueberall Häuser, überall Verkehr, nur die Straße wird ein bisschen schmaler. Das Mekong Delta – hier teilt sich der große Fluss in in neun große Arme mit vielen vielen kleinen Nebenarmen. Zu dumm nur, dass wir hier auf dem Highway radeln. Der chaotische Verkehr beansprucht alle Sinne grenzwertig und unangenehm.

Das bleibt auch am nächsten Tag so. Ich zähle in fünf Minuten 42 LKWs, Busse und Minibusse und 24 verschiedene Hupen. Das stimmt doch fast schon optimistisch. Da hupt ja doch nur so ungefähr jeder Zweite. Kurz vor Vinh Long will ein großer Arm des Mekongs überquert werden. Auf breiter Straße fahren wir Richtung Brücke. Plötzlich sehen wir den Stolz australischer Brückenbauer in Beton gegossen. Meine Güte! Die Brücke scheint senkrecht nach oben zu führen, um dann wieder runter zu kippen. Oben angekommen – na klar, wir sind in Vietnam – warten Postkartenverkäufer (Motiv: Eröffnungsfotos mit kitschigen Bildern von der Brücke) und Getränkeverkäufer auf ein kleines Geschäft. Wir machen Pause und genießen den Ausblick über das platte Land.

Fröhliche Stimmung mit Sarg
In Vinh Long sehen wir eine Menschentraube, die sich offensichtlich köstlich amüsiert. Wir riskieren einen Blick dahinter und sehen einen Transvestiten im Ao Dai, dem klassischen Gewand, der alle möglichen Dinge auf der Nase balanciert. Zum Beispiel eine Tischplatte oder einen kleinen in zwei Plastikhockern gesteckten Jungen. Drumherum sitzen Menschen an runden gedeckten Tischen. Ein Fest? Ja, aber nicht das, was wir erwartete haben. Es ist eine Beerdigung oder Totenfeier. Im Hauseingang steht ein geschmückter Sarg. Davor sitzt ein Gittarist und spielt. Alles andere als traurig. Die Vietnamesen feiern auch nicht den Geburtstag ihrer Verwandten, sondern den Todestag. Und es scheint auch sehr wichtig zu sein. die toten Verwandten in der Nähe zu haben. Seidem wir in Vietnam sind, sehen wir so viele Gräber, oft an schönen Stellen, z. B. am Strand oder mit Ausblick auf einem Hügel. Mitten aus dem grasgrünen Reisfeldern leuchtet immer wieder ein weißes Steingrab heraus.

Leben auf dem Wasser

Floating Markets: Von CanTho nach Long Xuyen liegen gleich zwei schwimmende Märkte auf unserer Route. Auf den Märkten paddeln Frauen stehend mit ihren kleinen Booten Ware oder Einkäufe umher. Das sieht kräftezehrend aus. Sobald die Boote mit dicken Motoren ausgestattet sind, sitzt ein Mann drin. Komisch. Wir radeln auf kleinen Straßen und haben endlich das Gefühl, ins Mekong Delta einzutauchen. Palmen stehen schräg vom Ufer über das Wasser reichend, Häuser stehen auf Stelzen im Wasser.

Zwischen den Flussarmen sind die Häuser oft mit ganz einfachen Bambusbrücken verbunden. Nur eine schmale Stange zum Gehen und weitere Bambusstangen zum Festhalten stehen auf… genau: Baumbusstangen.

1. Juni 2003. Unser letzter Tag in Vietnam. Nach 55 Kilometern kommen endlich mal ein paar Berge in Sicht. Jetzt ändert sich die Landschaft. Wir haben weiten Blick auf große Reisfelder. Knallgrün schimmern sie im Abendlicht.

Heute ist ein Zoo-Tag. Den ganzen Tag werden wir angestarrt, angelacht. “Fotomotive” rennen auf die Straße, statt fotogen im Reisfeld stehen zu bleiben. Die Menschen hier sind viel dunkler, wundern sich über meine weiße Haut.

Sie streichen sich mit dem Handrücken über die eigene Wange und zeigen auf mich. Viele tragen karierte Handtücher auf dem Kopf. Sind wir schon in Kambodscha?

Nein, als wir abends im Gästehaus liegen, müssen wir wieder raus. Mit dem Moped werden wir zur Polizei gebracht und leisten dort eine Unterschrift. Jetzt sind wir registriert und dürfen schlafen. Am nächsten Tag radeln wir über die Grenze nach Kambodscha.