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Bolivien (Nov 2003): Titikaka See - La Paz - Santa Cruz   Chiquitania
Der Titikaka See. Die Bolivianer gehen fuer ihre Rechte auf die Strasse. Unser netter Zimmerwert. Vorsicht! Lamas auf der Strasse.

Gaskrieg
Es heisst, in Bolivien ist immer etwas los. Demos sind an der Tagesordnung. Doch Mitte Oktober 2003 gab es aussergewoehnlich heftige Unruhen mit Strassenblockaden, Bomben und blutigen Militaereinsaetzen. Mehr als 80 Menschen kamen dabei ums Leben. Ausloeser war die Diskussion um bolivianisches Erdgas. Es sollte ueber Chile in die USA exportiert werden. Viele Bolivianer sahen darin einmal mehr eine imperialistische Ausbeutung ihrer Rohstoffe. Aus Erfahrung haben sie Angst, dass wieder nur wenige Korrupte ein Geschaeft machen und fuer sie und ihr Land nichts uebrigbleibt. Die Unruhen fuehrten zum Ruecktritt des Praesidenten Gonzalo Sánchez de Lozada. Der neue Praesident Carlos Mesa hat nun 90 Tage Zeit, die Regierungsgeschaefte zu uebernehmen. Jetzt soll es erstmal ruhig sein im Land.

Uwe, 26.Oktober 2003: So ist auch der Grenzuebergang nach Bolivien am Titikakasee wieder offen. Durch nette, huegelige Landschaft radeln wir rauf und runter nach Copacabana. Die kleine Stadt liegt direkt am See und ist ein wichtiger Pilgerort, leicht erkennbar an der ueberdimensionalen Kirche.
Der Ort Copacabana am Titikaka See.
Verehrt wird die schwarze Madonna. Und die hilft wohl auch bei materiellen Wuenschen. Oben auf dem Huegel Cerro Calvario gibt es Miniaturen von Haeusern, Autos, Geldscheinen und sogar ein Mini-Diplom zu kaufen, Gegenstaende, die in einer feierlichen Zeremonie gesegnet werden.


Auf unserer Weiterfahrt zeigt sich der Titikakasee von seinen schoensten Seiten.


Die Faehre ueber den Titikaka See, nur ein besseres Floss.
Durch gruene Huegel radeln wir zwischen dem kleinen und dem grossen See. Die kleine Seeenge bei San Pablo ueberschiffen wir auf einer wackligen Faehre. Als es dunkel wird, erreichen wir das Dorf Jankho Amayo.

Senor Quispe-Quispe hat noch ein Zimmer frei.
Der Name ist ein echter Zungenbrecher, hier spricht man Aymara. Wir fragen mit Haenden und Fuessen ein paar Leute im Dorf. Jose Quispe-Quispe zeigt uns schliesslich ein bisschen zaghaft eine Rumpelkammer ueber seinem Kiosk. Ihm scheint es unangenehm zu sein, uns hier unterzubringen. Aber als wir seine herrlichen Broetchen loben, freut er sich und laechelt freundlich. Noch lange hoeren wir Kinder verzweifelt auf der Floete ueben. Ansonsten ist nichts los in dem Dorf. Am naechsten Morgen bloeken schon frueh die Esel. Wir brechen auf. Es ist saukalt.

Senor Quispe-Quispe.

Heute verlassen wir den Titikaka See und radeln lange ueber den Altiplano, der grossen weiten Hochebene, nach La Paz. Schneeberge, die Koenigs-kordilleren, luken ab und zu aus den Wolken heraus. Eine tolle Landschaft.
Die Konigskordilleren zwischen Titikaka See und La Paz.

Zeugen des Chaos

Umgestuerzte Fussgaengerbrucke in El Alto.
Ungefaehr 20 Kilometer vor La Paz passieren wir eine Zahlstelle. Sie ist voellig zerstoert. Die Mauern sind eingebrochen, kein Fenster ist mehr ganz und geschwaerzte Waende zeugen von Feuer. Folgen der Unruhen vor 14 Tagen. Am Strassenrand liegen auffaellig viele Autowracks, manche aelter, manche juenger. Als wir durch El Alto, der grossen Vorstadt hoch ueber La Paz, radeln, sehen wir mehrere umgestuerzte Fussgaengerbruecken.
Wir erfahren, dass die Leute das anrueckende Militaer davon abhalten wollten, von dort oben auf die Demonstranten zu schiessen.

La Paz, hoechste Grossstadt der Welt
Mit Donnergrollen kuendigt sich ein Gewitter an. In langen grauen Streifen naehert sich der Niederschlag. Gerade noch rechtzeitig stellen wir uns unter die Markise einer Baeckerei, da geht es auch schon mit Karacho los. Es waeren gerade noch knapp 2 Kilometer bis ins Zentrum gewesen. Stattdessen schauen wir zu, wie die Strassen von Hagelkoernern uebersaet werden.
Vorsicht Diebe! Die Verkaeuferin warnt uns vor zwei Typen. Und tatsaechlich linsen die beiden auf unser Gepaeck und verfolgen uns, als wir weiter fahren. Aber wir sind schneller und rutschen durchs Verkehrschaos die steilen Strassen ins Zentrum hinab. Claudia sieht noch, wie einer der beiden ein Messer wegsteckt.

La Paz ist eine riesige Stadt, eingekesselt zwischen Schneebergen und Puna. Der erste Blick runter auf die Stadt ist besonders beeindruckend. Auch in La Paz sehen wir Spuren der Unruhen, ausgebrannte Gebaeude und Einschussloecher in den Waenden. Die Stadt strotzt von waffentragenden Wachmaennern, die ihre schweren Waffen demonstrativ halten, als waeren sie beim Fototermin fuer den neuesten Rambo-Film. Harmloser sind die mit den grellen Westen. Lebendige Telefonzellen. Zur Sicherheit ist das Telefon angekettet an die Westenfrau oder den Westenmann.
Und es gibt noch mehr Dienstleistungen in den Strassen. Vor den Behoerden sitzen zahlreiche Maenner und Frauen mit Tischen und Schreibmaschinen. Hier kann man gleich seinen Behoerdenbrief aufgeben.


Eine Chola Frau in La Paz.
La Paz ist bunt. Frauen im Minirock gehoeren genauso zum Alltagsbild wie die typisch gekleideten Chola-Frauen, die manchmal auf dem Gehweg hockend ihre Kinder stillen.

Volksdroge Coca
Der Regen treibt uns ins Coca-Museum. Coca gehoert zur bolivianischen Kultur. Die Coca-Blaetter werden schon seit Jahrtausenden genutzt, vornehmlich von den Indigenas. Sie gehoeren zu ihren Zeremonien, um die Zukunft vorherzusagen oder einfach um beim Arbeiten drauf rumzukauen. Mit der Kolonialisierung sind auch die Europaeer auf die Pflanze aufmerksam geworden. Zunaechst hat man den Nutzen fuer die Arbeitskraft der versklavten Einheimischen geschaetzt, viel spaeter den medizinischen Wert erkannt und die Pflanze als Betaeubungsmittel eingesetzt. Irgendwann kam dann die Herstellung von Kokain als Droge hinzu und seit ca. 1950 ist durch eine Genfer Konvention der Anbau und Konsum von Coca verboten.
Damit ist ein wichtiger Teil der Indigena-Kultur quasi illegal, was an sich schon bedenklich ist. In den USA gibt es die meisten Kokainabhaengigen. Regelmaessig fliegt nordamerikanisches Militaer mit Hubschraubern in den bolivianischen Dschungel, um den Bolivianern zu "helfen", das "Cocaproblem" zu loesen. Es wird ein regelrechter Drogenkrieg gefuehrt. Felder werden zerstoert und Coca-Haendler verfolgt. Damit wird auch die Lebensgrundlage der Bauern zerstoert, die die Pflanze lediglich fuer den traditionellen Konsum (Blaetter kauen, Tee, Medizin) anbauen. Absurderweise stammen die Chemikalien, die fuer die Herstellung von Kokain benoetigt werden, aus der sogenannten "Ersten Welt". Ein heikles Thema, das wir nicht so richtig einschaetzen koennen. Allerdings zweifeln wir, ob Verbot und Kampf gegen den Coca-Anbau das Drogenproblem in den USA loest. Haelt es einen Drogensuechtigen davon ab, drogensuechtig zu werden? Ausserdem ist der Mate de Coca einfach nur Tee, harmloser als Kaffee.

Bunt in den Bergen
Claudia: So, 2.11.03, heute ist "Todos los Santos" oder Allerheiligen. Statt still und stumm ein Kerzchen anzuzuenden feiern die Aymaras mit ihren Verstorbenen auf dem Friedhof. Raus aus La Paz Richtung Cochabamba radeln wir durch Doerfer, in denen ganze Karawanen von Grossfamilien, bepackt mit Six-Paks bunter 3-Liter-Flaschen Limonaden, grossen Suppentoepfen und auch Bierkisten gen Friedhof ziehen.


Auf dem Altiplano zwischen La Paz und Cochabamba.
Uwe: Zwei Tage radeln wir durch die Weite des Altiplanos. In der Ferne unspektakulaere Huegel. Nur der Vulkan Sajima, mit 6.520 Metern Boliviens hoechster Berg, ragt deutlich heraus. Es ist kalt und windig. Viele kleine und groessere Windhosen sausen ueber die Graslandschaft.
Dann tauchen wir wieder ein in eine steilere Berglandschaft. Jetzt geht es nochmal rauf. Vom Pass auf 4.500 Metern Hoehe koennen wir nochmal den Sajima auf der anderen Seite des Altiplanos sehen. Ganz klein, ungefaehr 200 Kilometer Luftlinie entfernt.

Claudia: Ein Pass, noch ein Pass, dahinter noch einer. Es will und will nicht richtig bergab gehen. Zur Abenddaemmerung kommen wir in ein kleines Dorf, das immer noch auf 4.300 Metern liegt. Wo koennen wir uebernachten? Wir werden an die Schule verwiesen. Bald schon finden wir den Kerl, der die Schluesselgewalt hat und eine Gluehbirne fuer den Raum.

Uwe beginnt, draussen auf dem Schulhof zu kochen. Das zieht Leute an. So haben wir zwei kleine Kinder und ein paar traditionell schick gewandete, aber ganz schoen schuechterne Juenglinge um unseren Kochtopf.

Ein Klassenzimmer. Unsere Bleibe fuer eine Nacht.

Eins der Kleinen hustet staendig. Leider ist es das vorwitzigste und immer besonders dicht an unserem Topf. Da nuetzt auch Uwes Hin- und Herstellen des Kochers nix. "No tos en mi comida", kein Husten in mein Essen, sagt Uwe, doch waehrend alle anderen zu verstehen scheinen, hustet der Kleine munter weiter und Uwe bemueht sich, den Deckel rechtzeitig auf den Topf zu werfen. Der Junge versteht nichts. Vermutlich spricht er Aymara als erste, Quechua als zweite Sprache und ist noch zu klein fuer Spanisch.


Frauen auf dem Markt. Die Silhouette wie immer kegelfoermig.
Roxanna ist Aymara-Lehrerin an der Schule. Die Kinder wachsen hier tatsaechlich dreisprachig auf. Das ist enorm. Sie muessen doch Super-Sprachtalente sein. Roxanna bringt uns Chicha Morada, ein Getraenk aus rotem Mais. Auch ihr Kollege hat auch noch eine Ueberraschung fuer uns. Er zieht ploetzlich hinter seinem Ruecken ein rohes rotes Stueck Fleisch hervor, um es uns unters Gesicht zu halten. Wir lehnen diese Bereicherung unseres Essens ab, mit der Begruendung, Vegetarier zu sein.
Nein danke, wir essen nur Gemuese, beteuern wir. Uwe blickt in unseren Kochtopf und sagt "...und Thunfisch", angesichts der Sardinen-Typ-Thunfisch-Tomatenmark-Nudel-Pampe in unserem Topf.

Schicker kicken
Vor unserem Klassen(Schlaf-)raum treffen sich am Abend die Kinder und Jugendlichen des Dorfes, um zu kicken. Wir staunen und staunen, in welcher ultraschicken Aufmachung die Jungs hier Fussball spielen. Manche haben bunte Muetzen auf, die wohl einen Meter hochragen. "Schlecht zum Koepfen" ist Uwes Kommentar, doch wer schick sein will, der tritt. Die schwarzen Hosen sind an der Seite bestickt, die Westen haben breite, bunte Stickereien vorne und schmale auf dem Ruecken. Von den Muetzen und manchmal auch Muetze-Filzhut-Kombis bimmelts und pluemmelts nur so runter.

Am naechsten Tag gehts bunt weiter. Wir radeln raus aus dem Dorf. Ein bunt bekleideter Mann kommt uns auf der anderen Strassenseite entgegen gelaufen. Ich denke noch, der Tourifilm geht weiter, der sieht ja schon wieder aus wie aus einem Katalog fuer traditionelle Festkleidung. Er kommt naeher und ... spielt auch noch auf einer Charango, einer kleine Gitarre aus einem Guerteltierpanzer hergestellt. Spaeter sehen wir noch so einen schicken Kerl charangospielend durch die Puna laufen.

Der hier ist von einer Postkarte, aber so sahen die Jungs aus.

Plata
Aber leider bleibt der Tag nicht so bunt. Es wird trostlos. Kinder und auch Erwachsene rufen "Plata!" (Geld), wenn sie uns sehen. Kein Gruss, kein Laecheln, nur Plata. Wir wundern uns ueber die vielen scheuen Hunde, die fast schon in regelmaessigem Abstand an der Strasse liegen. Als haetten sie zu ihrem Herrchen gesagt, "ich gehe mal ein bisschen zur Strasse und schau, was da los ist, mir ist langweilig". Dann sehen wir ein kleines, vielleicht achtjaehriges Maedchen mit ein paar Schafen am Strassenrand. Als ein Auto naeher kommt, hebt es die Hand. Es will doch hier nicht mitgenommen werden? Nein, der Autofahrer weiss offensichtlich, was es will. Ein Broetchen fliegt aus dem vorbeifahrenden Auto raus. Das Maedchen hebt es auf. Das ist unglaublich deprimierend. Wohl deshalb liegen auch die vielen Hunde an der Strasse. Sie warten, ob ein paar Essensreste aus den Autos abfallen.

Uwe: Jetzt aber runter. Innerhalb von knapp 100 Kilometern gehts von 4.500 Metern auf ca. 2.500 Meter runter. Unterwegs ziehen wir immer mehr Klamotten aus. Die Berghaenge sind weiterhin trocken. Aber ploetzlich sausen wir mit viel Schwung ueber eine Flussbruecke. Die Abfahrt hat ein Ende. Um uns herum in der Talebene gruene Felder, die mich an die Reisfelder Asiens erinnern. Seit drei Monaten das frischeste Gruen das wir sehen. Und endlich wieder Vogelgezwitscher.

Amputiert
Claudia: Weils endlich so schoen bergab geht, schaffen wir es heute bestimmt noch bis Cochabamba, denken wir, und treten in die Pedale. "Warum begruesst uns jede Stadt in Suedamerika mit Regen", beschwere ich mich, als wir uns unter ein Wellblechdach stellen.
Da kriege ich einen Schreck und gucke und gucke und glaube es nicht: Eine Vorderrad-Tasche fehlt. Das Rad sieht aus wie amputiert. Das gibts doch gar nicht. Sie kann doch nicht abgefallen sein, ohne, dass ich es merke! Und die letzte Pause war vor 30 Kilometern. Ich kann doch nicht 30 Kilometer mit nur einer Vorderrad-Tasche gefahren sein!? Doch, ich kann. Schnell ist klar, dass die Tasche wohl noch beim Truckstop steht, an dem wir die letzte Pause gemacht haben. Na grossartig.
So sollīs eigentlich aussehen.

Wir quartieren uns in einem Alojamiento ein, fahren mit einem Kombi zurueck. Am Truckstop ist noch jemand da. Zum Glueck. Wir zeigen unsere verbliebene Tasche. Das Maedchen versteht sofort, schaut sich um und zieht hinter einem grossen Sack meine zweite Tasche hervor. Puh! Ich koennte sie kuessen. Es sind eben doch nicht alle Suedamerikaner Raeuber!

Wenn nur noch drueber geredet wird

Es wird viel geredet auf dem Fest in Tiataco.
Es wird viel geredet. Geredet ueber "unsere Kulturen, unsere Sprachen, unsere Musik". Schoen. Es gibt auch eine Buehne. Aber auf der passiert nicht viel. Wo ist die Musik. Gesprochen wird Spanisch. Und dann sind da noch die von "Kilometer 125". So heisst das Dorf in den Anden, aus dem sie kommen. Deutlich dunklere Hautfarbe und traditionell gekleidet, weisen sie sich als "echte" Idigenas aus. Sie sitzen etwas verlegen und verloren hinter ihrem Stand ueber traditionelle Dinge fuer das Fest "Todos los Santos".
Wir sind auf einem Fest in Tiataco, in der Naehe der Stadt Cochabamba. "Ueber das Leben und den Tod". Und sie reden weiter. Ueber die Traditionen des Festes "Todos los Santos", das Gebaeck, die Suessigkeiten fuer die verstorbenen Seelen. ueber die Feier. Aber es feiert keiner so richtig. Keiner tanzt. Da sind Essenstaende und Eimer mit Chicha und anderen Getraenken. Verlust der Kulturen, der Sprachen, der Musik? Wenn nur noch drueber geredet wird?
Die beiden von "km125".
Eine Ausstellung. Eine Lehrstunde fuer die Staedter ueber die bunten Traditionen des Hochlandes, die "schuetzenswert" und "erhaltenswert" sind. So muss ich es wohl sehen. Und vielleicht baut diese ja auch die Spannungen zwischen den Staedtern und den Campesinos ab. Trotzdem tun sie mir leid, die vier, von Kilometer 125. Vielleicht haetten die Veranstalter ein paar mehr Indigenas in die Organisation einbeziehen oder auf die Gaesteliste setzen sollen?

Doch immerhin: Eine Tradition lebt in und um Cochabamba. Im November werden ueberall grosse Schaukeln aufgebaut. Und so gibt es auch hier gleich zwei davon. Eine Frau schaukelt und wird von zwei Maennern in Schwung gebraucht, bis sie an einem grossen Geruest haengende Koerbe mit den Fuessen erreichen kann und es ihr gelingt, einen der Koerbe zu ergattern.
Es gilt, mit den Fuessen einen Korb zu ergattern.

Staedter und Campesinos
Cochabamba liegt auf halber Strecke zwischen Hoch- und Tiefland. In Cochabamba trifft arm auf reich. Waehrend Uwe einkauft, bewache ich die vollbepackten Raeder. An der Strassenkreuzung bettelt ein altes Paar. Ihrer Kleidung nach kommen sie vom Altiplano. Wohl weil sie dort kein Auskommen mehr haben, mussten sie "runter" in die Stadt, um sich hier mit Betteln ueber die Runden zu halten. Wer kauft schon handgefertigte Lamasachen wenn es billige Industrieprodukte gibt. Ich wuerde ihnen gern etwas geben, aber Uwe hat das Geld zum Einkaufen. "Un momentito" sage ich zu ihm und bin froh, als ich ihnen endlich was geben kann.
Ein altes bettelndes Paar in Cochabamba.

Es ist auch in Cochabamba, wo ich eine junge Frau - vielleicht Mitte 20 - beobachte. Sie haut mit ihrem Kugelschreiber auf den Filzhut einer Bettlerin. Dann kippt sie noch den Becher der Bettlerin von einem Sims. Doch die Indigenas sind nicht alle wehrlos. In Cochabamba sehen wir eine Demo. Viele Campesinos laufen durch die Strassen. Auf den Schildern lesen wir immer wieder das Wort "Korruption". 70 Prozent der Bolivianer sind Indigenas. In den machthabenden Positionen sind sie jedoch kaum zu finden. Hier sitzen weisse Europaer oder Mischlinge. Korruption ist in Bolivien ein grosses Problem. Das Geld wird nicht gerecht verteilt.

Immer noch Berge, Berge, Berge ... und Regen

So ruestet sich Claudia gegen den Regen.
Uwe: Wir beschliessen, weiter Richtung Santa Cruz zu fahren. Runter, denn Santa Cruz liegt im Tiefland auf ca. 250 Metern. Aber von wegen "Runter nach Santa Cruz". Bald steigt die Strasse wieder an, durch karge Berglandschaft. Die naechsten beiden Naechte zelten wir in der Naehe von kleinen Hoefen. Und dann kommt der Regen. Die Piste verwandelt sich in eine dicke, glitschige Schlammmasse. Der Nebelwald macht seinem Namen Ehre. Wir sind in dichte weisse Wolken gehuellt. Die steilen Haenge am Rand der Strasse koennen wir nur ahnen. Claudia rutscht aus und wirft sich in den Schlamm. Igitt, auf der rechten Breitseite klebt jede Menge Dreck, so dass sie nun kleine Adobelehmhaeuser auf ihren Taschen bauen kann.

In Valle Esperanza - dem "Tal der Hoffnung" - steht ein Truck. Sehr verlockend, denn vor uns liegt schon wieder ein fieser gemeiner Pass. Wir laden ein und stehen bald inmitten von Kartoffelsaecken. Dann geigt die Karre noch durchs Dorf, um allerlei Sachen aufzuladen. Aber schon nach einer Stunde Fahrt sind wir auf dem 3.000-Meter-Pass. Immer wieder fuehrt die Strasse durch gruenen Wald. Ploetzlich wird wird die Strecke richtig spektakulaer. Da muessen wir raus. Bajo! Bajo! Runter! Runter! Wir steigen spontan ab und geniessen eine Traumaussicht. Soweit das Auge reicht tropischer Wald an steilen Haengen.
Wir sind nicht alleine auf der Ladeflaeche.

Stachelig und wuest
Kaum 50 Kilometer weiter und 1.000 Meter tiefer sehen wir uns schon wieder von uebergrossen Gewaechsen umgeben, diesmal Kakteen. Nicht nur die Groesse von bis zu 10 Metern, sondern auch die Weite der Kakteenlandschaft beeindruckt. Die bizarren Silhouetten der stacheligen Giganten auf den Haengen ueber uns lassen unwillkuerlich Wild-West-Stimmung aufkommen.



Besonders nett sind die vielen Blueten, die die ersten Regenschauer nach der Trockenzeit hervorgezaubert haben.

Kampf mit der Schwerkraft
Wir machen einen Abstecher in den Nationalpark. Unspektakulaer, aber ganz nett rollen wir nach Mairana...und nehmen gestaerkt und mit viel Proviant versorgt am fruehen Nachmittag den Anstieg nach La Yunga in den Amboro-Nationalpark in Angriff. Schon bald zeigt der schmale, unbefestigte Fahrweg seinen fiesen Charakter. Es wird supersteil, an manchen Stellen 15 Prozent. Dazu viele Steine und Stellen mit Sand. Mist, dabei sind die Fahrraeder gerade jetzt so schwer. Oft gehts nur noch schiebend. Ein staendiger Kampf mit der Schwerkraft.

Wo sich die Berge mit dem Dschungel treffen, wachsen die Farne auf Baeumen. Am naechsten Tag bestaunen wir die riesigen Baumfarne und den Nebelwald.
Erbarmungslos gehts dahin erstmal wieder bergauf, aber diesmal steht unser Gepaeck bei Samuel von der Naturparkverwaltung. Wir radeln und wandern zwischen moosueberwucherten Baeumen und grossen Baumfarnen hindurch. Die Wolken sausen um uns herum, als wir durch den maerchenhaften Wald spazieren. Immer wieder fliegen laut kreischend gruene Papageien an uns vorbei. Kolibris schwirren elegant von Bluete zu Bluete.

Claudia: Die Laguna Volcano liegt 2,5 Kilometer von der Haupstrasse nach Santa Cruz entfernt. Erneut quaelt uns eine fiese, steile Piste. Aber es lohnt sich. Auf uns wartet eine riesengrosse Picknickwiese mit Palmen und einer Lagune in der Mitte und Ausblick auf eine atemberaubende Landschaft von Sandsteinfelsen, die aussehen wie Vulkane.


Nebel am Morgen. Die atemberaubende Landschaft des Amboró Parks.

Auf der Suche nach dem lachenden Bolivianer
Bolivien ist eines der traditionellsten Laender Suedamerikas, sehr duenn besiedelt und landschaftlich unglaublich beeindruckend. Doch bei all der alten und bewahrten Kultur und den Traditionen sind zwei Dinge nicht gerade tief verwurzelt. Die Gastfreundschaft und das Lachen. Die Mehrzahl der Bolivianer begegnet uns grimmig und verschlossen. Das macht es nicht leicht, Bolivien zu verstehen.

Bolivien ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die wenigen Reichen sind weiss, die Mehrzahl ist dunkelhaeutig und arm. Auch das macht sauer und traurig. Es ist deshalb auch kein Wunder, dass die Indigenas uns Weisse nicht immer willkommen heissen. Im Tiefland wird er sein, der lachende Bolivianer. Sonne, Palmen, ... das muss sich doch positiv aufs Gemuet auswirken.

Ende der Anden
Uwe: 60 Kilometer vor Santa Cruz de la Sierra sehen wir eine Luecke in der Huegelkette vor uns. Hier hoeren die Anden auf. Fast eben rollen wir nach Santa Cruz. Es ist total warm. Die Strasse ist jetzt permanent gesaeumt von Feldern und Siedlungen. Wir drehen uns nochmal um. Das letzte mal sehen wir die Silhouette der steilen Andenhuegel in der Ferne.

Jetzt sind wir unten.

Die letzten Kilometer in den Anden.

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