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Laos:  Vientiane (März 2003) - Mittendrin

Laos, ein nahezu autofreies Land. Das bedeutet unglaubliche Stille, Off-Road und Staubpisten, froehliche Menschen. Laos ist ein Traum.

Vientiane - Laos Hauptstadt am Mekong
Abendstimmung auf dem Mekong Uwe: Gut gelaunt machen wir uns am 7. Maerz Richtung Laos auf, in der Hoffnung, gleich ueber die Thai-Lao-Freunschaftsbruecke zu radeln. Aber das ist nicht erlaubt. Und auch Claudias Hartnaeckigkeit kann die Grenzbeamten nicht umstimmen. Na wenn es denn sein muss, dann packen wir eben Raeder und Gepaeck fuer 2 Kilometer in einen Bus. Schade.

In Vientiane muss ich immer wieder an Andrews Worte denken. Der in Thailand sesshafte Brite hat immer wieder mit tiefster Ueberzeugung davon gesprochen hat, dass es nichts, aber auch gar nichts in Vientiane zu sehen gibt. Und es ist in der Tat erstaunlich, welche kleinstaedtische Ausstrahlung diese Landeshauptstadt hat. Obwohl wir absolut zentral wohnen, erinnert die Umgebung mit ihren kleinen Haeusern, kleinen Strassen und den vielen Pflanzen an eine Vorortsiedlung. In unserem Guesthouse gibt es eine huebsche und ruhige Veranda mit Palmen und reichlich anderem Gruenzeug drumherum. Dort verbringen wir viel Zeit mit Lesen und Abhaengen. Unser Guesthouse hat eine gemuetliche Terrasse

Abendstimmung auf dem Mekong Mit dem Fahrrad koennen wir in wenigen Minuten das Zentrum verlassen und dann gleich das Gefuehl bekommen, auf dem Land zu sein. Aber das macht auch gerade den besonderen Charme von Vientiane aus. Speziell ist auch der vorbeifliessende Mekong. Jetzt zur Trockenzeit ist der Wasserstand sehr niedrig. Vor Vientiane liegt eine riesige Sandbank. Viele Leute spazieren ueber den kilometerlangen Strand oder spielen Fussball.
Jeden Abend schwitzen mindestens 100 Leute fleissig beim Aerobic. Unser Nordsee-Gefuehl wird noch durch das momentan kuehle und bewoelkte Wetter verstaerkt. Jedenfalls ist es schoen, den Blick weit ueber das gigantische Flussbett schweifen zu lassen. Aerobic kommt in Vientiane  gut an.

Lange Roecke
Claudia: An unserem ersten Abend auf laotischem Boden goennen wir uns gleich ein frisch gezapftes Bier Lao. Ausgesprochen koestlich. Wir sitzen gegenueber der Kulturhalle, einem grossen, klotzigen Gebaeude in gold-weiss mit graesslichen braun-getoenten Scheiben. Soll wohl imposant aussehen. Vor der Halle stehen Essenstaende, schick gekleidete Menschen laufen umher. Wir beschliessen, uns die Sache genauer anzuschauen.

Drinnen findet eine Modenschau statt. Die Klamotten auf der Buehne sehen fuer uns irgendwie genauso aus wie die Klamotten um uns rum. Nur die Kennerin sieht vielleicht Unterschiede? Die Frauen tragen dunkle lange Roecke mit einem breiten und musterreichen Rand als Abschlus. Der Stoff sieht oft sehr schwer und edel aus und man koennte meinen, dass es sich um Sonntags- oder Festtagskleidung handelt. Aber in Vientiane laufen fast alle Frauen den ganzen Tag in diesen schicken Roecken herum. Nur die jungen Maedels tragen Jeans. Aber auch zur Schuluniform gehoert obligatorisch der dunkle Rock.

Und doch gibt es eine Ausnahme. Die sitzt neben mir in der Kulturhalle. Eine junge Frau in einem weissen Nachthemd mit kleinen Giraffen und Elefanten drauf (zum Glueck keine Baerchen). Das ist wirklich witzig und zeigt, dass es mit der Kleidung wohl doch nicht so streng ist. Sie ist schwanger, vielleicht passt sie auch in den Standardrock einfach nicht rein. Jedenfalls gefaellts mir, dass die Leute hier ganz schick oder im Schlafanzug in der Kulturhalle sitzen.

Dance Contest in der Culture Hall. Eine Woche spaeter schlendern wir wieder in die Culture Hall . Diesmal ist sie gestopft voll mit Teenies. Beim Dance Contest ist eine Riesenstimmung. Fast jede Band wird groelend und kreischend begruesst. Eine Band hat leider Pech. Die Technik schafft es nicht, ihren Song einzuspielen. Immer wieder droehnen die Lautsprecher los, aber es ist einfach nicht der richtige Song. Die Maedels auf der Buehne laecheln verlegen dazu. Als es nach 6-8 Versuchen doch losgeht, hat kurze Zeit spaeter die CD einen Haenger. Oje.

Diese Waehrung!
Ich springe von unserem leckeren Fruehstueck mit dem knusprigsten Baguettebrot seit fuenf Monaten auf und radel zur Bank. Die hat samstags nur bis 11 Uhr geoeffnet und wir wollen doch noch Scheinchen der Landeswaehrung ergattern. Da steh ich nun, ohne Tasche und muss diese Stapel Kip-Scheine irgendwie verstauen. Es sind alles 5000er-Scheine und 5000 Kip sind ungefaehr 50 cents! Eine Frau deutet auf ihren Busen, vielleicht dahin? Nee, das geht nicht, mein BH haengt auf der Leine. Ich schaffe es, alles vorne und hinten in die Taschen meiner Jeans zu stopfen und radel wieder zum Fruehstueck. Dort wartet Uwe mit der rettenden Lenkertasche in die ich meine Beute abwerfen kann.

Weiter geht's.
Uwe: Di, 18.3.03. Nach einigen gemuetlichen Tagen in Vientiane geniessen wir noch ein letztes Mal ein fantastisches Fruehstueck in Vientiane und wollen heute weiterradeln. Da spricht uns ein Paar aus Holland an. Die beiden sind als Rucksackreisende losgezogen, in China aufs Rad gekommen und waren radelnd schon sieben Monate in Suedamerika unterwegs, hatten Heimweh nach Asien und sind jetzt wieder hier. Wir quatschen und quatschen und es wird immer spaeter. Dabei wollen wir noch topografische Karten vom National Geographic Service kaufen. Dort geht es bilderbuchbuerokratisch zu. Eine Frau schlaeft auf dem Tresen, auf dem auch ein dickes Buch mit den Karten liegt. Sie zeigt ueberhaupt keine Anstalten, uns zu helfen. Erst als wir uns selbst durch das Buch gewuehlt haben und nun wissen, welche Karten wir kaufen wollen, deutet sie an, dass wir eine Art "Bittschreiben" brauchen. Sie zieht einen dicken Ordner hervor, der voll ist mit Anfragen nach Karten. Claudia schreibt schnell ein paar Zeilen zusammen. Nein, reicht nicht, es muss ein Stempel des Direktors drauf. Jetzt will die gute Frau offensichtlich auch noch Mittagspause machen. Sie will staendig weggehen. Waehrend Claudia die Frau daran hindert, durch die Tuer zu entfleuchen, laufe ich los, den Direktor zu suchen. Der ist aber auch schon weg, ich soll um 14 Uhr wiederkommen. Das ist viel zu spaet, knapp 100 Kilometer Strecke liegen vor uns. Endlich hilft uns eine weitere Frau. Widerwillig rueckt die fuer-die-Mittagspause-aufgewachte-Kartenhexe endlich die Karten raus. Meine Guete. Endlich gehts los. Inzwischen ist es schon 12 Uhr.

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