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Laos:   Vientiane - Mittendrin (März 2003)

Uwe: Kaum sind wir raus aus dem Stadtgebiet wird es unglaublich ruhig auf der Strasse. Dabei ist es die Route 13 DIE Nord-Sued-Achse von Laos. Die Menschen in den Doerfern, vor allem die Kinder rufen eifrig "Sabbai-dii". Sie stecken sich dabei gegenseitig an zu einem lauten Kinderchanon.
Ploetzlich ist die Strasse voll von Radlern Wir kommen aus dem Winken gar nicht mehr raus. Wir ueberholen eine lange Schlange von uniformierten radelnden Schuelern, die Maedels oft mit Sonnenschirm und zu zweit auf dem Rad. Dann kommt uns eine Masse Radler entgegen.
An der Abzweigung zur Schule wimmelt es von schwarz-weiss-gekleideten Schulkindern auf Fahrraedern. Offenbar faengt um 13.30 die Nachmittagsschule an. Laos ist das Land der Radfahrer.

Traumlandschaft und Traumwetter Nach drei Radeltagen verlassen wir die Route 13 und biegen ostwaerts auf die Strasse 8, die bis nach Vinh, Vietnam fuehrt. Kaum eingebogen ist es nur noch toll: noch weniger Verkehr, Urwald, bizarre Kalkfelsen. Hinter einem Dorf ragt ein Fesen auf. Durch die zahllosen Zacken wirkt er voellig unwirklich. Wie ein Feld ueberdimensionaler Haifischzaehne. Die Landschaft ist traumhaft schoen
Der Hoehepunkt ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Aussichtspunkt auf einer kleinen Passhoehe. Direkt unter uns liegt ein weites Feld zackiger, schwarzer, aber begruenter Felsnadeln. Der Blick reicht sehr weit ueber das Karstgebirge und andere Hoehenzuege (Panorama-Bild 160kB). In der Ferne tut sich eine Ebene auf, an deren gegenueberliegenden Ende ein riesiges natuerliches Felsentor in die weite entfernte Gebirgslandschaft fuehrt. Da wollen wir durch. Eine wahre Maerchenlandschaft. Nach ausgiebiger Rast rollen wir nach Ban Nahin.

Ein Anruf fuer Uwe
Claudia: Jetzt erstmal was essen. Aber das vermeintliche Restaurant ist gar keins, es gibt nur Bier. Besser als nichts, also trinken wir erstmal ein Bierchen. Da erhaelt Uwe ploetzlich ein Telefon in die Hand gedrueckt. Ein Anruf? Fuer Uwe? Hier? Das ist wirklich zum Piepen. Uwe nimmt brav entgegen und stellt auf englisch alle moeglichen Fragen, wo gibts was zu essen, eine Unterkunft und so weiter. Der Wirt hat wohl mal eben seinen englisch sprechenden Freund angerufen, der mit freundlichem "What do you want?" Uwe am Telefon begruesst und uns auch tatsaechlich alle Fragen beantworten kann. So kehren wir in einem netten Guesthouse ein, lassen den Tag bei lecker Gemuese, Reis und Bier ausklingen und sind uns einig: Diese Strasse 8 ist ein Traum fuer Reiseradler.

Wieder biegen wir in eine Nebenstrecke ab. Diesmal allerdings ohne jeglichen Asphalt. Anfangs noch auf guter Schotterpiste wird der Weg immer holpriger. Aber wir werden reichlich entschaedigt. Es gibt praktisch keinen Verkehr mehr. Nur noch Natur und kleine Doerfer. Naja, und ein paar Brandrodungsflaechen und Reisfelder. Lange Zeit radeln wir auf einer Erdpiste durch den Wald, begleitet von unzaehligen Schmetterlingen in allen Farben und Groessen, blauschimmernd wie eine Schwarzlichtroehre oder hellbunt mit dunkel umrandeten Farbflaechen, die Natur hat alles zu bieten. Und davon reichlich. Abseits der Hauptrouten werden die Wege schnell zu Holperpisten
Wir werden regelrecht umschwaermt. Manche Schmetterlinge fliegen in kleinen Gruppen wie im Gaensemarsch hintereinander her und begleiten uns ein bisschen. Mein Kartenfach laedt offenbar zur Zwischenlandung ein. Bitteschoen, nehmt Platz.

Wo Wasser ist finden sich oft Bueffel Claudia: Wir kommen an einen Fluss. Die Bruecke ist zusammengebrochen. Hier geht es nur per kleinem Holzboot weiter. Tuk-Tuks und Traktoren kommen ohne Bruecke nicht weiter, so dass die Passagiere auf der einen oder anderen Seite auf die naechste Mitfahrgelegenheit warten muessen.
Auf beiden Seiten des Flusses hat sich daher eine Art "zusammengebrochene-Bruecke-Infrastruktur" entwickelt. Ein paar Huetten werden noch zusammengezimmert, an denen Getraenke verkauft werden. In einem kleinen schwankenden Holzboot setzen wir mitsamt Raedern und Gepaeck ueber. Auf der anderen Seite wartet schon eine Kinderschar, um uns zu begruessen.

Uwe: Wir passieren das riesige Felsentor, das wir am Vortag schon aus der Ferne bewundert haben. Jetzt tut sich ein regelrechter Gang auf. Das Tal Nam HinBoun besteht aus einer Ebene, rechts und links eingegrenzt von senkrechten Felswaenden. Und hier liegt auch die huebsche Unterkunft Sala HinBoun. Schon frueh am Nachmittag checken wir ein und sitzen beim Bier auf der Veranda.
Claudia stresst die Kinder mit deutschen Kinderspielen. Zwei Maedchen aus dem Dorf wagen sich schuechtern auf die kleine Gruenflaeche zwischen Terasse und Fluss. Claudia erkennt sofort, dass sie gekommen sind, um "Falang" (Auslaender) zu gucken. Tatsaechlich, sie sitzen einfach nur da und gucken uns Langnasen an. Also gut, dann wollen wir ihnen auch eine gute Show bieten. Ich lasse schnippend einen Kronkorken durch die Luft segeln und zeige meinen Lieblings-Kraftakt: Auf den Armen gestutzt waagerecht uebern Boden schweben.
Sie versuchen gleich, das nachzumachen und geben noch ein paar akrobatische Kunststueckchen wie "Rad schlagen" zum besten. Claudia zeigt unser Mini-Fotoalbum und versucht, ihnen Kinder-Klatschspiele beizubringen. Die beiden sind ganz verschieden. Die eine voellig temperamentvoll und bei allem sofort dabei, die andere ganz schuechtern und skeptisch.

Das HinBoun-Tal - Maerchenlandschaft und Idylle pur
Die Landschaft ist traumhaft schoen So, 23.3.03. Mein Geburtstag faengt gemuetlich an. Nach laotischem Vorbild lassen wir keine Hektik aufkommen. Zumal wir heute "nur" die beruehmte Hoehle Kongh Loh besichtigen wollen. Gegen Mittag radeln wir auf dem schlaglochreichen Weg weiter ins Tal. Bis zum Ende des Weges und zum Ende des felsenumrahmten Tales.
Hier ist ein Dorf. Vor dem Dorf steht ein Schild: "Please Mr. Stop her. The village. Please you go boating harbour". Genau. Ein Boot, das brauchen wir fuer die Hoehle.
Wir steigen von den Raedern und schieben ins Dorf. Das Dorf ist unglaublich toll. Mit 160 Haeusern ist es erstaunlich gross und ganz schoen belebt. Mehr als 1000 Menschen leben hier. Die Haeuser stehen eng zusammen, alle auf Holzstelzen. Dazwischen Baeume, viele winkende Kinder und viele Huehner, Kuehe, Schweine und Ziegen. Durch kleine aber tiefe Bachbetten, in denen wahrscheinlich waehrend der Regenzeit reichlich Wasser fliesst, hat das Dorf eine regelrechte "Dorflandschaft". Ich muss da an eine grosse Sandburg denken. Da klar ist, was wir wollen, wird uns immer der Weg zur "Bootanlegestelle" gezeigt. Wir gelangen zum Fluss. Viele Menschen baden hier, Maedchen waschen sich gegenseitig die Haare. In den Doerfern scharen sich Kinder um uns.
Hier spricht uns ein Dorfbewohner freundlich an, erklaert uns den Preis fuer die Fahrt und verkauft uns sogar zwei Tickets, die er von einem Block abreisst.
Mit diesem Boot lassen wir uns 7 km durch eine Hoehle schippern Kurze Zeit spaeter schippert ein einfaches schmales Holzboot mit einem Ruderer im Bug und einem Steuermann am motorisiertem Heck in unsere Richtung. Na dann mal los. Gekonnt saust das Boot ueber Kiesbaenke, durch Engstellen und zwischen badenden Bueffeln hindurch. Wir gelangen zur Hoehle. Eine riesige Eingangshalle heisst uns willkommen. Ueberhaupt kann man sich ueber Enge nicht beschweren. Genug Raum, um eine regelrechte Felsenlandschaft hervorzuzaubern. Riesige Bloecke sind offenbar mal von der Decke herabgestuerzt und liegen jetzt im Fluss. Dazwischen viele Kies- und Sandbaenke und natuerlich die typischen Gebilde einer Tropfsteinhoehle. Meine Guete, warum kann ich mir eigentlich nicht merken, wer jetzt von oben und wer von unten waechst. Stalagtit oder Stalakmit?
Egal, nett anzuschauen sind sie beide. Weil der Wasserstand zur Zeit an einigen Stellen zu niedrig ist oder Stromschnellen im Weg sind, muessen wir immer wieder das Boot verlassen und ein paar Schritte zu Fuss gehen.

Claudia: Ich finde es ganz schoen unheimlich. Soviel Fels ueber uns, unter uns Wasser und wir in diesem kleinen wackeligen Holzboot. Kein Licht ausser den beiden Lampen unserer Bootsfahrer. Beim Aussteigen merke ich immer wieder, wie mir die Knie wackeln. Ich finde es bewunderswert, dass es Menschen gibt, die Hoehlen erforschen.Ins Dunkle und nicht wissen was da ist. Das waere kein Job fuer mich. Wir sind ca 1,5 Stunden im Dunkel unterwegs, um die sieben Kilometer Laenge zu bewaeltigen. Mit der Zeit gewoehnen sich die Augen an die Dunkelheit und die Routine der Bootsfahrer wirkt beruhigend. Endlich laesst das Gezwitscher von zahlreichen Fledermaeusen das Ende der Hoehle erahnen. Wir gelangen ins versteckte Tal. Ganz schoen hell ploetzlich. Nach einer kleinen Vesperpause mit Klebreis und Gebratenem Reis geht es wieder zurueck zum Dorf.

Uwe: Noch nie habe ich so ein Dorf gesehen. Sowohl von seiner Lage zwischen den Kalkfelsen, als auch von seiner besonderen Dorflandschaft und den freundlichen Menschen. Wie wird sich das Dorf wohl zukuenftig entwickeln? Die Gegend koennte touristisch ganz schoen ausgeschlachtet werden, so schoen und einzigartig wie sie ist. Vorgestern abend trafen wir einen Mann in Ban Nahin, der dort ein Internetcafe eroeffnen moechte. Heute kommt er uns auf einem blitzblanken Moped entgegen und beschwert sich ueber den schlechten Service an der Hoehle, weil ihm die Ausschilderung nicht ausreicht. Zudem ist deutlich zu sehen, dass gerade Strom in das Dorf gelegt wird. Das sieht so "klassisch" aus. Strom, Fernseher, externe Touristenmanager. Man kann sich da einiges vorstellen. Aber wer weiss, vielleicht haben die Dorfbewohner ja alles im Griff. Hoffentlich kommt der Tourismus wenigstens dem Dorf zugute. Und hoffentlich bleibt die Freundlichkeit der Menschen und die Stimmung erhalten. Mich hat dieses Dorf und seine Umgebung sehr beruehrt. Ich glaube, ich war noch nie an einem so wunderbar urspruenglichen und schoenen Ort. Die perfekte Idylle.

Claudia: Wir unterhalten uns mit Pek, dem Manager und Sohn des Besitzers unserer Unterkunft. Auch er macht sich viele Gedanken dazu, wie sich die Gegend hier wohl entwickelt, glaubt aber, dass sich nur sehr langsam etwas veraendern wird. Sein Vater hat das Guesthouse aufgebaut und besitzt noch drei weitere in Laos. Er hat auch dafuer gesorgt, dass die Dorfbewohner einen festen Preis fuer die Bootsfahrt nehmen, um die Touristen nicht mit zu hohen Preisen zu verprellen oder zu wenig zu verlangen. Pek, der Manager in Sala Hin Boun
Selbst die Uebersetzungen der Speisekarten im Restaurant in Ban Nahin seien auf seinen Vater zurueckzufuehren.

Mit zwiespaeltigen Gefuehlen zu Tourismus, Strom und "Entwicklung" radeln wir die bueffelzertrampelte Buckelpiste zurueck nach Ban Nahin. Dort lacht uns unsere Wirtin an und wir bekommen wieder das gleiche Zimmer. Am Abend sitzen wir gegenueber im Restaurant und studieren die Karten.

Das Projekt
Uwe: Da fragt uns ein Laote "Wohin?" Er spricht Deutsch. Das ist ja unglaublich. Knapp sechs Jahre hat er in "Karl-Marx-Stadt" in der ehemaligen DDR Paedagogik studiert. Er sitzt mit seinen 9 Kollegen am Nachbartisch, arbeitet heute als Mechaniker im norwegisch-laotischen Wasserenergie-Projekt. Einer von ihnen geht zur Fortbildung nach Japan. Heute feiern sie seinen Abschied. Auf dem Tisch steht ein Tonkrug in den staendig Bier, Wasser und was-weiss-ich-noch reingefuellt wird. Immer wieder steht einer auf, um aus grossen Pflanzenstengeln was von dem Gemisch zu trinken. Ich werde bedraengt, doch auch von dem "lokalen Wein" zu trinken und wir sollen uns doch zu ihnen zu gesellen. Wir verzichten auf den Wein, setzen uns aber gern dazu.

Durch "das Projekt" hat der Ort Ban Nahin deutlich an Bedeutung gewonnen. Fuer einige Jahre waren viele externe Arbeitskraefte hergezogen. Seit der Fertigstellung sind allerdings nur wenige fuer Wartungsarbeiten uebrig. Selbst der norwegische Direktor ist nur am Montag und Freitag vor Ort, lebt sonst in Vientiane. Die Maenner am Tisch sind sich einig, dass sie in der Hauptstadt Vientiane niemals leben koennten. Zu schlechte Luft, zu viel Verkehr! Fuer uns klingt das witzig. Jedes Dorf in Deutschland hat mehr Verkehr als Vientiane.

Wir finden das Damm-Projekt ja nicht so toll. Der Fluss Nam Kading wird zu manchen Zeiten im Jahr durch den Damm voellig trocken gelegt. Dabei fliesst er sogar durch ein Naturschutzgebiet. Zudem erzaehlen uns die Arbeiter, dass auch im benachbarten Naturschutzgebiet ein Staudamm geplant ist. Viele Doerfer muessen umgesiedelt werden. Was fuer ein massiver Eingriff in die Natur und in das Leben der Menschen.

Off-off-off-Road
Claudia: Di, 25.3.03. Kartenzeichner fuer Laos gehoeren zu den optimistischen Menschen. Oder aber so ein Kartenzeichner sitzt in einem fernen autoreichen Land und kann sich einfach nicht vorstellen, dass ein Land so wenig Strassen hat. So haben wir schon von Laos-Radler gehoert, die irgendwann umgekehren mussten, weil sie einfach keine Lust mehr hatten, staendig Gepaeck und Rad zu tragen und sich auf Fusswegen zu verirren. Und das auf einer Strasse, die in jeder Laos-Karte gross eingezeichnet ist. Was ist also mit der Strasse von Ban Lak Xao nach Ban Nakay/Mahaxai? Gibt es die noch?

"Mein Vater sagt, ich solle allen Touristen sagen, die Strasse gibt es nicht mehr" verkuendet uns Pek. Aber vielleicht gehts mit dem Fahrrad? "Ja vielleicht, aber es ist hart und schwierig und ich wuerde euch das nicht empfehlen. Seit der Kolonialzeit wird die Strasse nicht mehr genutzt." sagt der Wirt in Ban Lak Xao. Sein Kollege meint nur schlicht "Vielleicht geht`s". Die Angaben zu den Kilometern bis Ban Nakay schwanken zwischen 50 und 70. Immerhin sind Transvelo-Werner und seine Karin die Strecke vor ein paar Jahren noch gefahren. Also muss es doch irgendwie gehen!

Uwe: Wegen der ungenauen Auskuenfte und der Unsicherheiten der Strecke wollen wir frueh starten. Allerdings ist es nicht so leicht, transportfaehige Verpflegung einzukaufen.
Der Weg fuehrt mitten durch den Urwald. So brechen wir doch erst um 8.30 Uhr mit reichlich Keksen in den Taschen auf. Nach ca. 16 Kilometern wird die Schotterstrasse zur Erdpiste, bald darauf gehts steil durch Urwald bergauf. Ab und zu kommt noch ein Rad- oder Mopedfahrer vorbei. Offenbar sind wir noch nicht voellig abgelegen. Und tatsaechlich, weiter oben geht es auf buckeliger Strecke durch mehrere Doerfer. Immer wieder muessen wir an Abzweigungen nach dem Weg fragen. Die Menschen wirken zurueckhaltend, die Kinder sind fast aengstlich, aber trotzdem neugierig.
Und dann geht es nur noch durch Urwald. Die Piste ist unglaublich holprig, oft mit tiefen Loechern und Graeben. Dabei geht es staendig auf und ab. Nach ca. 33 Kilometern passiert dann das, wovor wir die ganze Zeit Angst hatten. Der Weg gabelt sich ohen eindeutigen Hinweis, wo die alte Strasse weitergeht. Eher schnell entscheiden wir uns fuer eine Richtung, drehen aber nach wenigen 100 Metern verunsichert um und kehren zu der Gabelung zurueck. Mit detektivischen Ueberlegungen versuchen wir, eine Entschiedung zu finden und fahren letztlich wieder links herum weiter. Zum Glueck kommt bald ein Dorf, wo man unsere Richtung bestaetigt. Puh. Baumstaemme dienen als Bruecke.
Die Verstaendigung ist manchmal ganz schoen schwierig. Wir haben unsere Freude noch nicht ganz ausgekostet, da kommt schon wieder eine Gabelung. Die Situation wiederholt sich mit kleiner Variation. Wir fahren also wieder links und drehen wieder verunsichert um. Diesmal fahren wir bis in das Dorf zurueck. Es gibt nichts Uneindeutigeres als diese asiatische Zeigebewegung (geradeaus mit Schlenkern). Deshalb versuchen wir, mit Skizzen eindeutige Infos zu bekommen. Nach rechts!? Okay, wieder los. Als wir dann wieder an die Gabelung kommen und gerade nach rechts abbiegen wollen, kommt ein Moped von links. Zu unserer Ueberraschung sagt er, er kaeme aus Ban Nakay. Das ueberzeugt. Also doch links!?
Als wenige Zeit spaeter ein einsamer Fussgaenger mal wieder die Richtung bestaetigt, gebe ich ihm die Flasche Wasser gern, die er an meinem Fahrrad entdeckt hat und wonach er fragt.

Das ewige auf und ab, durch die kleinen Bachlaeufe bedingt, zermuerbt zunehmend. Bisher sah der Himmel blau aus, doch inzwischen hat sich eine graue Wolke breit gemacht. Was bloss, wenn es hier regnet. Dann koennen wir nicht mehr weiter kommen. Zur Regenzeit gar, ist diese Strasse unpassierbar. Eine ganze Zeitlang buckeln wir durch Urwald ohne eine Menschenseele zu sehen und beobachten dabei die Wolke ueber uns. Aber sie haelt dicht und so freuen wir uns riesig, als wir das grosse Dorf Ban Thalang am Fluss Nam Theun erreichen. Tatsaechlich fallen hier drei Tropfen vom Himmel, aber das wars dann auch. Bachlaeufe sorgen fuer staendiges Auf und Ab.

Wir muessen uns erstmal ausruhen, Kekse essen und Wasser trinken. Als wir wieder aufbrechen, sollen es bis zum Dorf Ban Nakay noch 21 Kilometer sein. Ploetzlich wird uns klar, dass wir nur noch zwei Stunden haben, bis es dunkel wird. Und wer weiss, was die weitere Strecke noch fuer Ueberraschungen zu bieten hat. Mit mulmigem Gefuehl heizen wir von nun an ueber die Piste.

Gaeste im Dorf
Wir sind ueberrascht, als nach 12 Kilometern uns jemand eroeffnet, dass wir bereits in Ban Nakay seien. Wir stehen vor einem kleinen Dorf. Hier soll es ein Guesthouse geben? Schliesslich weist ein Mann uns durchs Dorf. In einem einfachen, auf Stelzen gebauten Haus mit drei Waenden bietet man uns ein Plaetzchen zum Schlafen an. An einer Waescheleine haengen Stoffe als Sichtschutz, dahinter liegen mehrere Matratzen. Ist dies tatsaechlich ein Guesthouse? Wir sind verunsichert. Nee, hier wohnen doch Leute. Immer mehr Dorfbewohner, vor allem Kinder, finden sich im Haus ein und beobachten uns aus naechster Naehe, wie wir unsere Sachen auspacken.
Sollen wir vielleicht doch das Zelt aufbauen? und wer schlaeft auf den Matrazen dahinten? Sind die fuer uns? Wir entscheiden uns, die Isomatten auszurollen und das Moskitonetz darueber zu spannen. 30 bis 40 Augenpaare schauen gebannt zu, als wuerde ein Hitchcock-Thriller gezeigt werden. Geht aber nicht, hier gibt es keinen Strom. Ein Zuschauer macht mich neugierig. Er sitzt halb liegend auf einem Balken und sieht ein bisschen wie ein Teddybaer aus. Aber er bewegt sich, wenn auch langsam. und die viel zu grossen Augen in dem kleinen Koepfchen zeigen ab und zu einen Lidschlag. Ich hatte bis jetzt keine Ahnung, wie putzig solche Siebenschlaefer sind. Aber kurze Zeit spaeter macht er seinem Namen wieder alle Ehre und doest in abenteuerlicher Haltung mit klammernden Faeustchen zwischen Balken und Leine. Im Dorf werden wir neugierig beaeuigt.

Claudia: Als wir unser Moskitonetz befestigt haben, kommt ein Dorfbewohner auf uns zu und winkt ab, deutet an, dass wir das Netz falsch aufgehaengt haben. Wir muessen laengs, nicht quer in dem halboffenen Raum schlafen! Okay. Mit seiner Hilfe knoepfen wir alles wieder ab, drehen Netz und Matten und bedanken uns brav. Und recht hat er sicher auch. Wenn Uwe mit den Fuessen Richtung "draussen" schlaeft, traut sich bestimmt kein boeser Geist mehr rein.

An einer Wand im Haus haengt ein Poster mit einer Bildergeschichte zu Malaria. Ein Junge wird krank, erhaelt Medizin und ein Moskitonetz und schlaeft fortan unter dem Netz. Na da sind wir ja vorbildlich mit unserem Netz. Ein weiteres Plakat zeigt eine Karte mit viel blauer Flaeche. Geht es um das zweite Staudamm-Projekt? Ist dies eines der Doerfer, die betroffen sind und umgesiedelt werden?

Uwe: Unsere Frage nach Dusche und Toilette wird unsicher laechelnd verneint. Tja, aber irgendwo muessen die Dorfbewohner doch hin machen. Mit einer dieser typischen asiatischen Zeigebewegung koennen wir nichts anfangen. Aber ein Restaurant soll es geben. Verschwitzt stinkend gehen wir begleitet von der Meute los. immer wieder zeigen uns hochfliegende Haende, wo es langgeht. Schliesslich nimmt sich eine aeltere Frau, die "Restaurantbesitzerin" unser an und stellt alle moeglichen Hocker in ihrer Bude auf. Zum sitzen, Glaeser abstellen, ... . Umstaendlich schliesst sie eine kleine Birne an eine Batterie an, damit wir etwas Licht haben. Unsere Frage nach gebratenem Gemuese scheint sie sofort zu verstehen und faengt an ueber offenem Feuer herumzubruetzeln. Tatsaechlich befindet sich in den Schuesseln, die sie uns kurze Zeit spaeter hinstellt auch ein bisschen Gemuese. Und ein riesiger Korb mit Klebreis. Ansonsten sind wir eher unsicher, was das so ist. Immerhin gibt es sogar Bier Lao, wenn auch ungekuehlt. Der Rauch der Oellampe beisst mir in den Augen. Was fuer eine ueble Luft in der Huette.

Klebreis - lecker, aber verdaechtig
Claudia: Mit der Hygiene ist das in Laos wieder so eine Sache. Uwe war der leckere Klebreis (Sticky Rice) ja schon immer suspekt. Hier koennen wir den "Umgang" mit dem Lebensmittel mal so richtig beobachten. Mit unseren Schwitzefingern fingern wir den Reis aus dem Korb, um ihn in die diversen Schuesseln zu dippen. Dieser riesige Korb, das kann unmoeglich alles fuer uns sein. Ist es auch nicht. Eine Frau schaut rein und kauft was. Da wird ein Klumpen aus unserem Korb gefingert, ein Teil davon fliegt in eine Tuete, ein Teil wieder zurueck in den Korb. Zuwenig! Da fliegt noch ein Klumpen durch die Luft. Meistens erhaelt man jedoch ein kleines Koerbchen "fuer sich". Durch wie viele Fingerchen der Klumpen schon gegangen ist, weiss keiner so genau.

Uwe: Als wir zu unserem Haus zurueck gehen, sehen wir in dem kleinen Lichtkegel meiner Fahrradlampe gleich zwei Skorpione. Gut, dass die Haeuser hoch gebaut sind. In unserem "Zuhause" sitzen inzwischen so ca. 10 bis 15 Leute gemuetlich zusammen, unterhalten sich im Schein einer kleinen Oellampe und essen. Wir versuchen, mit Hilfe unseres Sprachfuehrers ein paar Saetze auszutauschen. Das kleine Fotoalbum kommt gut an. Trotz Sprachschwierigkeiten fuehlen wir uns wohl unter den freundlichen Dorfbewohnern und die anfaengliche Unsicherheit verfliegt. Unsicher sind wir nur beim "in die Buesche schlagen". Skorpione, Schlangen, unexplodierte Bomben. Wir sind gluecklich ueber unsere Lampen und laufen nur zu zweit los.

Do, 27.3.03. Erwartungsgemaess wird es mit der Morgendaemmerung unruhig um uns. Als wir wenig spaeter aufstehen finden sich auch schon die ersten Zuschauer bei uns ein. Wir machen noch ein paar Bilder von den Leuten, verschenken ein Foto von uns und ein paar Kekse und machen uns wieder auf die Piste. Ohne Fruehstueck zu dieser fruehen Stunde sind wir total schlapp. Doch nach 8 Kilometern kommt ein relativ grosser Ort, wo wir uns mit leckerem vietnamesischen Kaffee staerken. Hier gibt es auch ein Guesthouse. Wer haette das ahnen koennen?

Die Strecke fuehrt anschliessend kraeftig bergab. Von der holprigen Stasse sehen wir viel unwegsamen Wald und zackige Kalkfelsen in der Ferne. Die Felsen kommen immer naeher und bis Mahaxai fahren wir schliesslich mitten durch diese bizarre Landschaft. Schon frueh am Nachmittag trudeln wir in Mahaxai ein. Mahaxai liegt wunderschoen am Fluss mit zackiger Felsenkulisse. Ueber den Fluss fuehrt eine Bambusbruecke. Alles wirkt unglaublich friedlich und ruhig. Es gibt kaum Mopeds oder Autos. Toll. Zudem ist hier wieder alles ganz einfach. Endlich koennen wir duschen und Waesche waschen. Ueber dem Fluss sitzend geniessen wir leckeres Essen. Mahaxai liegt malerisch am Fluss.

Karst und Hoehlen
Fr, 28.3.03 Wir radeln von Mahaxai nach Thakhek. Karstberge wo das Auge hinschaut. Wenn es schauen kann. Nicht oft, aber regelmaessig faehrt ein Traktor oder LKW vorbei und huellt uns in eine dichte rote Staubwolke. Eine Abzweigung fuehrt zur Hohle En (Tham En). Nicht zuletzt wegen der frischen Luft die aus der Hoehle stroemt ist sie ein beliebtes Ausflugsziel der Laoten. Entsprechend ist sie ausgebaut, mit Beleuchtung und Treppen. Und direkt vor der Hoehle wurde eine grosse, seitlich offene Holzhuette hingebaut, um eben diese friesche Luft richtig geniessen zu koennen. Auch wir geniessen die Frische und verstaerken noch das Erlebnis mit einer Flasche kuehlem Bier Lao.

Von oben faellt Licht auf den unterirdischen See. Wenige Meter von der Hoehle entfernt schlaegt die Hitze wieder zu. Also trinken wir bald schon wieder was Kuehles. Gerade dort, wo man zu einer weiteren Hoehle abzweigt. Die ist zwar viel kleiner, aber durch das einfallende Licht auf einen Teich sehr schoen. Es ist ein Pilgerort. Statt beleuchteter Treppe finden wir einige Buddha-Statuen, die in so einer Hoehle ganz schoen unheimlich wirken.

Der Himmel bewoelkt sich immer mehr. Eine Zeitlang sehen die dicken Quellwolken ueber der bizarren Landschaft sehr schoen aus. Eine richtige Wolkenlandschaft. Aber als es zunehmend gewittrig wird, treten wir in die Pedale und legen schnell die letzten Kilometer nach Thakhek zurueck.

Nach dem Abstecher in die Karstberge sind wir heute wieder auf der "grossen" Route 13 unterwegs. Wir wundern uns erneut ueber so wenig Verkehr. Laut Karte und Auskunft in Thakhek sind es 120 Kilometer bis Savannaketh. Zufrieden, schon 80 Kilometer geradelt zu sein, machen wir am fruehen Nachmittag einen laengere Pause. Aber dann wird die Zeit doch irgendwie knapp. Und die weitere Auskuenfte zu den verbleibenden Kilometern verunsichern uns. Richtig komisch wird es dann, als an einer Kreuzung die erwartete Abkuerzung ausbleibt. Bloede Karte! Sollen wir also in Xeno uebernachten?

Kilometerstein 28
Claudia: In Xeno gibt endlich ein Kilometersteinchen Auskunft zur Entfernung nach Savannakhet: 30 oder 28, man kann es nicht so recht erkennen. Das muessten wir doch noch schaffen. Wir beschliessen, weiterzuradeln. Der naechste Kilometerstein sagt wieder: 28. Einen Kilometer weiter heisst es erneut: 28. So kommen wir ja nun nicht voran. Wir schreien und lachen bei jedem Kilometerstein. Hat sich hier jemand einen schlechten Scherz erlaubt? Nach sechs bis sieben 28er-Kilometersteinchen purzeln endlich die Zahlen nach unten.

Uwe: Jetzt brauen sich immer mehr Gewitter um uns herum zusammen. Bei kraeftigem Gegenwind versuchen wir, noch vor der Dunkelheit anzukommen und treten wie verrueckt in die Pedale. Doch es wird immer stuermischer. Nahe Blitze und erste Regentropfen lassen uns widerwillig einen Unterschlupf aufsuchen. Leider zieht der Gewitterschauer nicht mal eben vorbei. So fahren wir mit mulmigem Gefuehl die letzten Kilometer bei hereinbrechender Nacht und Gewitterbegleitung. Immerhin. Die haeufigen Blitze beleuchten wunderbar die Strasse vor uns. Nach 132 Kilometern sind wir schliesslich am Ziel, in Savannakhet.

Schmoren unter Wellblech
Claudia: In Savannakhet wohnen wir im Saisouk Guesthouse. Das ist ein sehr nettes Haus mit Dielenboden, feiner Veranda und Nachmittagstee und allzeit kaltem Wasser. Und das Ganze fuer nur 25.000 Kip (=2,5 US$). Einziger Haken: Wir schmoren unterm Wellblechdach. Das Zimmer ist der reinste Backofen. Es wird von Tag zu Tag heisser. Das Gewitter am Nachmittag funktioniert auch nicht richtig. Kaum ist es weg, ist es schon wieder heiss. Klebewetter. Duschen ist aehnlich wie Gewitter. Die Erfrischung ist nur von kurzer Dauer. Die kleinste Bewegung bringt wieder einen fiesen Klebefilm auf die Haut. Baeh! Oder liegt es daran, dass wir nicht Radfahren? Da hat man dann wenigstens ein bisschen Fahrtwind im Gesicht. Wir schwitzen und warten auf's Vietnam-Visum. 4 Tage muessen die Vietnamesen gruebeln, ob sie uns in's Land lassen. Erst dann bekommen wir den huebschen Kleber in den Pass.

Biologische Raetsel
Was fuer einen Sinn macht es eigentlich, wenn Myriaden von "Maden-Muecken-Motten" jede Lichtquelle umschwaermen, um dann einen fiesen Tod im Ventilator oder in einer Suppe zu finden? Am naechsten Tag liegen dann ueberall die Leichen, um eimerweise zusammengefegt zu werden. Heute abend ist es schon die zweite "Art", die wir beobachten. Waren es bisher eher "mottige" Tiere, sehen diese aus wie Maden mit Fluegeln. Wir haben alle Haende voll zu tun, um Essen und Bier vor den lebensmueden Tierchen zu retten. Auf der Strasse sieht es aus wie ein Schneesturm, so viele von den weissen Tierchen flattern umher.

Franzoesische Ueberbleibsel
Der zentrale Platz in Savanakhet wird von einer christlichen Kirche bestimmt Woran erkennt man, dass die Franzosen in Laos herumkolonialisiert haben? In den wenigen Staedten von Laos haben die Franzosen einiges hinterlassen. In Savannakhet sehen die Haeuser ganzer Strassenzuege franzoesich aus, hinzu kommt noch eine christliche Kirche, es gibt Baguette und boulespielende Menschen.
Und dann ist da noch einer, der uns unweigerlich vorgaukelt, tatsaechlich in Frankreich zu sein. Es ist ein kleiner, dicker, unglaublich haesslicher Hund vor dem Restaurant "Lao - Paris". Frankreich ist das Land der haesslichen Hunde, einige davon wohnen noch in Laos. Er guckt uns ganz vorwurfsvoll an, als wuerde er verstehen, was wir ueber ihn denken.

250 Kilometer trennen uns in Savannakhet von der vietnamesischen Grenze. In drei Tagen muessen wir dort sein. Dann laeuft unser Laos-Visum ab, Vietnam wartet. Los geht's.

Nach ca. 40 Kilometern halten wir an einer Schule, um ein paar Bilder von den witzigen Raedern zu machen. Damit der Beifahrer es bequem hat, hat das gemeine laotische Rad statt Gepaecktraeger einen Polstersitz. Der Beifahrer hinten ist es denn, der den Sonnenschirm ueber den Fahrer und sich selbst haelt. Bequemer Radeln in Laos. Bequemer radeln in Laos.

Wo ist denn eigentlich der Zoo?
Da spricht mich eine junge Frau an. Sie sei Lehrerin und gibt gleich Englischunterricht. Ob wir ihr nicht helfen koennten. Sie habe Schwierigkeiten mit der Aussprache. Was? Jetzt? Sofort? 40 Kilometer bei Hitze Radfahren machen uns nicht gerade zur frischesten Erscheinung. Egal, wir folgen ihr schwitzend und tropfend und stehen wenige Sekunden spaeter auch schon mitten im Klassenzimmer. Ca. 40 Schuelerinnen und Schueler stehen auf und begruessen uns brav. An den Fenstern haengen noch einige "Zaungaeste" herum. Heute soll es darum gehen, um Erlaubnis zu bitten. Wir sprechen auf Wunsch der Lehrerin vor: "Can I go to the zoo?" und "Yes, you can" oder "No, you can't". Die Schueler sollen uns nachsprechen. Alles laeuft ein wenig chaotisch ab, die Lehrerin ist selbst total nervoes und die Schueler erst recht. Nach ein paar "Can I go to the zoo?" sind wir entlassen.
Reise-Vokabular fuer den Englischunterricht. Vor dem Klassenraum quatschen wir noch ein bisschen mit der Lehrerin. Sie hat drei Jahre Englisch studiert und an zwei Workshops teilgenommen. Aber es sei schwierig, sich die richtige Aussprache zu merken. Und Schulbuecher seien sehr teuer. Wir schenken ihr unser Lao-Phrasebook, vielleicht besser als nichts ud verabschieden uns. Weiterradelnd quaelt uns eine Frage: Gibt es wohl einen Zoo in Laos? Wohl kaum. Ob es allerdings praxisnaeher ist, wenn die Kinder kuenftig aus unserem Phrasebook Saetze lernen wie: "Haben Sie noch ein Zimmer frei?"

Wieviel Schlaf braucht der Mensch?
"Koennen wir uns das Zimmer mal ansehen?" ist noch so ein Satz aus Touri-Sprachfuehrern. Wir wenden ihn erfolgreich in Muang Phalan an. "Das Zimmer sehen - ja klar", unser Wirt macht die Tuer auf und zoegert ein bisschen. "Einen Moment noch". Es liegt noch jemand im Bett. Wir sehen, wie er sich aufrappelt, um das Zimmer fuer uns freizugeben.

Die Laoten haben einfach dieses dominante Schlaf-Gen. Waehrend die Thais das Ess-Gen haben und immerzu essen muessen, muessen die Laoten immerzu schlafen. Je erwachsener, desto mehr. Auf den Beinen sind in den Doerfern deshalb auch nur die Kinder, die schon laufen koennen, aber noch nicht in die Schule gehen. Die Laoten von 0 bis lauffaehig liegen in der Babyschaukel oder haengen beim Geschwisterchen auf der Huefte im Tragetuch. Die kleinen Laoten von laufend bis schulpflichtig rennen durchs Dorf und bruellen "Sabbai-dii", die Schulpflichtigen sitzen auf dem Fahrrad und fahren zur Schule, nach Hause, wieder zur Schule... . Ja und die Erwachsenen liegen halbschlafend in der Haengematte oder auf einer Bastmatte und beobachten aus einem Auge die Kinder-Anarchie. Das Durchschnittsalter in Laos schaetze ich auf 8.

Die Dinosaurier waren auch schon da
Uwe: Freitag, 4.4.03, In Muang Phalan suchen wir verzweifelt Dinosaurier-Fussstapfen. Schliesslich fuehren uns ein paar Kinder zu einigen Kerben im felsigen Flussbett. Mit Fantasie kann man sich einen krallenbesetzten Fuss vorstellen, allerdings nicht allzu gross. Ich bin ein bisschen enttaeuscht. Hatten wir uns doch bereits andere Formen im Fels als richtig grosse Spuren zurechtgereimt.

Kriegsspuren
Claudia: Leider gibt es neben Dinosauriern noch andere, die Spuren hinterlassen haben. Der Vietnamkrieg heisst in Indochina "Amerikanischer Krieg". Alles eine Frage der Perspektive. Obwohl die Amerikanische Regierung der Weltoeffentlichkeit gegenueber behauptet haben, Laos nicht zu bombadieren, fielen ueber Laos Unmengen von Bomben. Denn Versorgungswege der feindlichen Nordvietnamesen fuehrten durch Laos. Im ganzen Land sind deshalb noch heute unexplodierte Bomben eine Gefahr. Gerade die Gegend um die Route 9, auf der wir Laos gen Vietnam queren, wurde heftigst bombadiert. Zahlreiche Bombenkrater mitten in den Doerfern und halbe Bomben, die heute als Blumenkuebel genutzt werden, sind traurige Zeugen. Bei der Strassenerneuerung der Route 9 laufen Menschen mit Minensuchgeraeten in den Graeben umher, machmal sogar Kinder. Was fuer ein Job! LKWs fahren mit der Beute, haufenweise Schrott, an uns vorbei. Ein abgestuerzter US-Hubschrauber liegt einfach so mitten in einem Dorf und erinnert an die schreckliche Zeit.

Ueber die Grenze
Uwe: Nachdem wir im laotischen Grenzort unsere letzten Kip ausgegeben haben, verlassen wir das Land des leckeren Bieres und radeln in das Land des leckeren Kaffees. Auch nicht schlecht, und vor allem besser fuer Gichtkranke.

An der Grenze klappt alles reibungslos. Unser Gepaeck wird auch nicht durchsucht nach "Kinderspielzeug, dass die persoenliche Entwicklung der Kinder stoert", oder sonstigen nicht erlaubten Dinge. Haben wir auch nicht dabei.
In Laos gibts Beerlao in Huelle und Fuelle.
Schon die vietnamesischen Grenzbeamten lassen erahnen, dass die Vietnamesen ein anderes Voelkchen sind als die Thais oder die Laoten. Sie interessieren sich fuer unsere Fahrraeder, greifen auch mal an. Ueberhaupt gehen sie mit uns Auslaendern sehr locker und ungehemmt um. Schnell sind die Stempel im Reisepass. Auf nach Vietnam.

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