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Mosambik: In der Hauptstadt Maputo (April 2004) - Unterwegs nach Caia

Claudia: Mosambik empfängt uns lebhaft. Hinter der Grenze erwartet uns eine kleine Stadt, Nomaacha. So freuen wir uns über das Leben in den Straßen. Und es wird portugiesisch gesprochen, was uns ein brasilianisches Gefühl vermittelt.

Metabicho! Was wie eine mathematische Einheit klingt, heißt Frühstück und ist für uns eine tolle Überraschung. Es gibt köstliches Brot. Kein Wunder, dass vor der Bäckerei eine lange Menschenschlange steht und auf die nächste Ladung frischer Brote wartet.

Einige Tage in Maputo
Schon am nächsten Tag erreichen wir Maputo. Eine Stadt mit unerwartetem Kulturangebot. Zum Beispiel gibt es das französisch-mosambikanische Kulturzentrum mit kostenfreien Theateraufführungen und Ausstellungen. Dagegen sehen die deutschen Goethe-Institute als fast reine Sprachenschulen für die zahlkräftige Elite des jeweiligen Landes echt blass aus. Oder das National Art Museum, das zwar klein, aber sehr gut ist. Die ausgestellten Gemälde zeigen vor allem Menschen und Gesichter.

On Air
Am nächsten Tag geben wir bei der Zeitung "Noticias" ein kleines Interview und lassen uns fotografieren. Eher zufällig radeln wir anschließend bei Radio Mosambique vorbei. Wir fragen, ob Interesse an einem Interview besteht. "Wir machen das live" heißt es und fünf Minuten später sitzen wir auch schon "On Air" im Studio und werden mal eben ins laufende Programm gemischt. Das nenne ich spontan. Das Interview hat Folgen.
Im Studio bei Radio Mocambique.

Wenige Tage später meldet sich ein Mosambikaner bei uns. Er spricht deutsch, hat 15 Jahre in Deutschland gelebt und will uns auch interviewen, für sein Magazin "Mosambique Mirrow".

Und so sitzen wir schon wieder im Studio, unterhalten uns über Länder, die wir schon bereist haben, und über Mosambik. Später treffen wir uns erneut mit Marcos von Radio Mosambique und diesmal interviewen wir ihn. Er plaudert aus seinem Leben: "Vier Kinder von vier Frauen. Ich weiß auch nicht, wie das passieren konnte". Hier gehts zu seinem Interview.

Gebissen
Auf der Hand des jungen Japaners aus unserem Schlafsaal kleben zwei Plaster. Ich frage ihn, was passiert sei, da lacht und kichert Noah, vom Hostel. Richtig witzig ist es aber nicht. Er ist überfallen worden. Einer hat ihm ein Messer an den Hals gehalten, ein anderer in seine Hand gebissen. Abgenommen haben sie ihm seine Kamera und Geld. Das ist auf einer der Hauptstraßen um 23 Uhr passiert. Da müssen doch Leute gewesen sein? Ja, aber keiner habe geholfen.

Maputo ist im Hinblick auf Sicherheit schwer einzuschätzen. Es hängen zwar viele vermeintliche Security-Guards vor den Häuseren auf Plastikstühlen rum, aber viele Straßen sind dunkel und so richtig tatkräftig sehen die armen Kerlchen auch nicht aus.

Nachtleben in Maputo
Claudia: Morgen habe ich Geburtstag. Maputos Nachtleben muss doch da was zum Reinfeiern bieten. Aber es ist Montag abend. Wir landen im Rotlicht-Viertel, ein paar Bars reihen sich aneinander, die einzigen, die heute nacht geöffnet haben. Eine der Bars sieht noch ganz annehmbar aus. Vier Leute hängen an der Theke rum, sonst ist nicht viel los. Meiner Geburtstagsrunde an die Theken-4 folgen reichlich Revangen. Das Bier fließt, während um uns herum der Anteil an sehr jungen Mosambikanerinnen zunimmt. Wir unterhalten uns mit Jeronimo. Er ist sehr kommunistisch geprägt. Als Elfjähriger ist er mit anderen Kindern zur Ausbildung von Mosambik mit dem Schiff nach Cuba geschickt worden und hat dort lange gelebt.


Maputo hat verschiedene Gesichter.
Er lobt das gute soziale und Gesundheitssystem in Cuba. Dabei ist er immer sehr vorsichtig, uns "Klassenfeinden" gegenüber den Kommunismus zu loben. Dieses ernste und politische Gespräch mit Jeronimo wirkt in dieser Rotlicht-Atmosphäre etwas surreal.

Die meisten der Mädels, die versuchen, die Männer an der Bar anzumachen, sind unglaublich jung. Sie betrinken sich oder nehmen gar harte Drogen, so wie eine junge Frau die sich kaum noch auf den Beinen halten kann, hin und her wankt und sich übergibt. Ich versuche noch, sie auf einen Stuhl abseits der Theke zu setzen, damit sie sich dort entspannen kann. Aber sie bleibt dort nicht lange sitzen. Bald schon schwankt sie wieder auf die Theke zu. Das ist schrecklich und bricht mir das Herz.

Der Minister singt
Uwe: Mit Marcos und seiner Frau gehen wir zum Gilberto Gil-Konzert. Dazu essen wir Piri-Piri-Huhn aus der Plastiktüte. Der bekannte brasilianische Musiker Gilberto Gil ist inzwischen Kultusminister von Brasilien. Trotzdem lässt er es sich nicht nehmen, sogar zwei Konzerte in Maputo zu geben. Musikalisch scheint er zwar nicht mehr auf der Höhe zu sein, aber die Stimmung ist sehr gut. Das nette Konzert ist um Mitternacht vorbei. Es sind noch so viele Leute auf den Straßen, dass wir uns recht sicher fühlen. Aber dann wird es doch noch einsamer und dunkler, bis wir das Hostel erreichen. Stumm und schnell schleichen wir durch die Straßen. Als wir endlich ankommen, habe ich das Gefühl, das wir es jetzt geschafft haben. Besonders sicher habe ich mich die ganze Zeit nicht gefühlt. Diese Nacht noch, dann verlassen wir die Stadt.

Ungebetene Gäste
Entspannt sitzen wir in der Küche und essen noch was. Es ist inzwischen zwei Uhr nachts. Wie jede Nacht sitzt der junge Japaner mit seinem bepflasterten Handgelenk an seinem Laptop. Wir hören etwas quietschen, schauen uns an, schreiben das Geräusch aber dem Wind zu. Doch dann hämmert es plötzlich gewaltig und laut gegen die Tür zur Terasse. Drei Einbrecher versuchen mit brutaler Gewalt die Tür einzutreten. Durch die vergitterten Fenster zur Veranda sind sie gut zu erkennen.

Es dauert ein oder zwei Sekunden, bis wir realisieren, was hier abgeht. "Raus hier" rufe ich und wir springen auf und rennen zum Ausgang. Mein Gott, was haben die vor, wenn sie so gewalttätig vorgehen.

Die Nachtwache realisiert nicht so recht, was los ist. Unerträglich lange dauert es, bis ich das Torschloss zur Straße öffnen kann. Wir rennen raus, rufen und lärmen. Die Nachtwächter der Umgebung eilen herbei. Einer trillert auf seiner Pfeife. Sonst unternimmt jedoch keiner was. Die Einbrecher könnten doch bewaffnet sein, lautet die Anwort. Wir versuchen ihnen klar zu machen, dass da noch der arme Japaner drin ist. Ein Kanadier aus dem Hostel telefoniert seelenruhig per Handy mit seiner Freundin. Claudia brüllt ihn an, er solle die Polizei rufen.

Als endlich jemand die Polizei ruft, guckt der Kopf des Japaners aus der Haustür. Wir winken ihn raus. Ihm scheints gut zu gehen. Puh! Als der Besitzer des Hostels kommt, trauen wir uns gemeinsam rein. Seit dem Türeintreten sind wohl 20 Minuten vergangen. Im Haus ist es ruhig. In der Küche liegen Teile der Tür auf dem Boden, sonst ist alles beim Alten. Unser Krach hat die Einbrecher wohl doch verscheucht. Auch wenn sie in Ruhe alles hätten ausräumen können.

Jetzt kommt doch noch die Polizei. Zwei kleine dünne Männer, auch nicht viel tatkräftiger aussehend als unsere Nachtwächter, aber mit großen alten Gewehren umgeschnallt. Sie laufen achselzuckend durchs Hostel und verabschieden sich bald wieder. Der Kanadier versucht am Telefon, seine Freundin zu beruhigen.

Weg hier
Maputo ist seitens des Kulturangebots eins der Highlights unserer Reise. Selten genug ergab sich die Gelegenheit eines guten Museums oder eines Konzerts. Aber unser Aufenthalt in Maputo war zwiespältig. Ich fand die Atmosphäre hier immer unsicher. Also raus aus Maputo und erst mal rein inīs Verkehrsgetümmel. Schon nach zehn Kilometern lässt der Verkehr nach. Die Landschaft wirkt erstaunlich unberührt. Keine Felder, sondern Busch- und Baumsavanne begleitet zum großen Teil unseren Weg nach Norden. weiter

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