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Paraguay (Dez 2003)
Spricht man von Paraguay ist Korruption eines der naechsten Woerter. Ist es hier tatsaechlich noch schlimmer als in den anderen Laendern Suedamerikas?

Paraguay, jetzt erst recht
Claudia: Nachdem uns die Polizei am Vortag den Transit nach Foz de Iguacu verweigert hat beschliessen wir, am naechsten Tag mit dem Bus nach Asuncion, der Hauptstadt Paraguays, zu fahren. Aber das liegt weniger an den unfreundlichen Polizisten, als vielmehr an den Menschen in der Grenzstadt Juan Pedro Caballero. Ausnahmslos alle, mit denen wir zu tun haben, sind total nett. Allen voran Mario, der Milchfahrer. Ihn treffen wir doch tatsaechlich am naechsten Abend wieder.
Huber. Unser Andenken an die netten Leute in Pedro Juan Caballero.
Mit ein paar Kumpeln steht er in der Naehe eines kleinen Parks, um Bierdosen zu leeren. Wir kommen nicht umhin, auch zwei Dosen mitzutrinken. Einer meint, er hiesse wie Uwe und rennt gleich los, um seinen Pass zu holen. “Huber” steht da, naja fast...

Mario und Co warnen uns - wie schon viele vorher - vor Asuncion. Raeuber, Diebe, gefaehrlich. Nicht so wie hier, sagen sie, hier ist es sicher. Claro, denken wir, immer ist es anderswo gefaehrlich.


5 Tage und 4 Naechte. Aber heute abend ist Schluss fuer den tapferen Marathonradler.
Dabei steht ueber euer schoenes Kaff eine Reisewarnung der deutschen Botschaft im Internet. Aber das sagen wir natuerlich nicht. Und wir wollen uns selbst ein Bild machen von Asuncion.

Im Park gibt es noch eine Kuriositaet: einen Fahrradmarathon. Ein junger Mann radelt 5 Tage und 4 Naechte immer im Kreis rum. Der Arme hat schon ganz verbundene Haende und Fuesse. Wir radeln derweil brav etliche Kilometer zwischen den beiden Behoerden hin und her, bis wir endlich die notwendigen Stempel in unseren Paessen haben.

War frueher alles besser?
Im Paraguay-Kapitel unseres Reisefuehrer ist so ziemlich alles falsch...nur eins stimmt. Zum Hotel Azara in Asuncion heisst es: “It surely has seen better days”. Alles ist total abgegammelt.

“It surely has seen better days” - dieser Satz scheint fuer die ganze Stadt zu gelten. Wir laufen durch einen oeffentlichen Park. Er ist voellig heruntergekommen, war aber vielleicht mal ganz nett. Das Loch mit dem Gestruepp und Muell war vielleicht mal ein Teich? Im umgefallenen Baum wippen viele Kinder herum. Koennte ja sein, dass er dort zum Spielen liegt. Aber darunter sind Unmengen von Glasscherben, so dass wir hoffen, dass keines der Kinder da reinfaellt. Asuncion liegt am Fluss, am Rio Paraguay.
Armenviertel vor der Silhouette Asuncions.
Flussufer sind doch oft schoen. Nicht hier. Hier faellt nur besonders ins Auge, wie gross die Kluft zwischen arm und reich ist. Am Flussufer sind die Slums, direkt gegenueber grosse, ueberdimensionale Gebaeude der Regierung.

Am Abend, sobald es dunkel wird, wirds noch unangenehmer. Dann sind die Strassen leergefegt. Das erinnert an Phnom Penh, der Hauptstadt Kambodschas. Keiner traut sich nachts mehr raus. Zu gefaehrlich?

Countdown zu Jesus Geburtstag
7,6,5,4,3,2,1....Feliz Navidad!!! Um Punkt 0 Uhr wuenschen sich in Paraguay alle Frohe Weihnachten. Auch ein paar Kracher gehen in die Luft. Wir haben das Gefuehl, als waere es schon Sylvester. Aber kurz darauf ist es wieder still. Am ersten Weihnachtsfeiertag hat nur der Imbissstand in der Tanke geoeffnet, ist dafuer aber gut besucht. Hier gibts fiese fleischgefuellte Teilchen. Besser als nix. Immerhin kriegen wir in einer “deutschen Baeckerei” gutes Brot und sogar Christstollen. Dort kaufen wir auch eine deutsche Zeitung.

Beim Lesen verstaerkt sich der Eindruck, dass wir uns in einem Gauner- und Schurkenstaat befinden. Raubueberfaelle, Entfuehrungen und politische Morde gehoeren zum Leben. Und dass ein Spitzenpolitiker nebenbei eine Privatschule betreibt, in der zufaellig seine Tochter den besten Abschluss macht, passt ins Bild. Ein brasilianischer Abgeordneter fordert gar die militaerische Besetzung Paraguays, da alle Wege des organisierten, internationalen Verbrechens nach Paraguay fuehren wuerden.

26.12.03, wir radeln los, ohne so recht zu wissen wohin. Sechzig Prozent der Autos in Paraguay sollen gestohlen sein, etliche davon vermutlich mehrmals. Aber auf den Strassen fahren fast nur alte Stinkkarren. Dicke Russwolken wehen uns entgegen. Jedes Land, aus dem diese Autos gestohlen wurden, kann froh sein ueber den Verlust an Luftverpestung.

“Alles Scheisse in Paraguay”
In einer Pause in Luque spricht uns ein Schweizer an, den die Liebe nach Paraguay verschlagen hat. Wo koennen wir am besten fahren, welche Strecke ist die schoenere? Doch aus dem Guten ist wenig Gutes rauszuholen. "Ach, ist doch alles Scheisse..."


Die breiten Randstreifen sind mit gemeinen Speedbumpern versehen.
Die Strasse 2 Richtung Ciudad del Este ist gross und stark befahren. Nicht schoen. Aber schlimmer noch sind die dicken Asphaltbuckel auf dem Seitenstreifen. Sie sollen verhindern, dass ueber den Seitenstreifen gebrettert wird. Sie nehmen uns aber auch jegliche Fahrfreude. Wir buckeln von Speedbumper zu Speedbumper. Auf der Strasse fahren geht auch nicht, da tolerieren uns die Raser nicht.

Voll, voller, am vollsten
Uns reichts jetzt auch. Wir wollen mit dem Bus zur Grenze. Gleich der naechste mit der Aufschrift “Ciudad del Este” nimmt uns mit. Obwohl er eigentlich schon voll ist. Aber das laesst sich von aussen nicht erkennen. Es ist einer dieser grossen Ueberlandbusse mit getoenten Scheiben, Klimaanlage, Trennungstuer zwischen Busfahrer und Passagieren – vielleicht aus Brasilien geklaut? Hier wird er jedenfalls mehrfach ausgelastet. Auf zwei Sitzplaetzen tummeln sich ganze Familien, die Kinder wechseln sich geduldig ab, wer steht oder auf dem Schoss sitzen darf. Eine reisekranke Frau hockt auf dem Boden und kotzt. Die Klimaanlage versagt. Erbarmungslos nimmt der Bus immer noch weitere Gaeste auf. Die Masse im Gang, in dem auch wir gequetscht stehen, wird immer noch weiter gedrueckt. Dann kommt eine Verkaeuferin mit einem grossen Teller mit aufgetuermten Kaesegebaeck-Kringeln auf dem Kopf. “Das ist echt zu voll, die kann hier nicht noch durch!”, meint Uwe. Doch, sie kann. Es ist mir unbegreiflich wie, aber sie quetscht sich durch den ganzen Bus und kommt mit nur wenigen Kringeln auf dem Kopf eine viertel Stunde spaeter wieder an uns vorbei.

Die Familien rechts und links schlagen da nochmal zu. Erstaunlich, denn das Zeug ist so staubtrocken, dass wir, als wir es mal probiert haben, zu zweit zwei Stunden daran gewuergt haben. Es gibt sie in Paraguay ueberall, diese Kaesekringel.

Auch ueberall gibt es Mate. Pilger und Polizisten, Fahrer und Verkaeufer, kaum einer scheint ohne Mate auszukommen. Der typische Paraguayano laeuft mit einer grossen Thermoskanne und einem Teebecher herum. Ab und zu kann man sich an einem der vielen Kraeuterstaende frische Kraeuter in die Tasse stopfen lassen. Nett sind sie schon, die Paraguayanos. Auch wenn wir viel ueber Paraguay fluchen. Es ist das Land, in dem wir am meisten Bier spendiert bekamen.

Mate trinkt in Paraguay praktisch jede/r.

Schmuggler-Show
Uwe: Am Nachmittag erreichen wir Ciudad del Este. Die Stadt wird auch als das “groesste Kaufhaus Suedamerikas” beschrieben. Zu kaufen gibt es vor allem Elektronikartikel und Plastikspielzeug. Problemlos bekommen wir an der “Freundschaftsbruecke” zwischen Ciudad del Este und Foz de Iguacu unseren Ausreisestempel.

Auf der Freundschaftsbruecke zwischen Paraguay und Brasilien herrscht reger Schmuggel-Betrieb. Im Flug landen die Pakete aus Paraguay auf brasilianischem Boden.

Die Bruecke zwischen Paraguay und Brasilien ist so von Verkehr verstopft, dass wir lieber unsere Raeder rueber schieben. Auch der Gehweg wird gut genutzt. Auffaellig sind die vielen jungen Maenner mit hohen Stapeln in schwarzer Folie verpackten Kartons. Was geht hier ab? Bald schon sehen wir, welchen Weg die Pakete nehmen. Unter der Bruecke auf dem brasilianischen Ufer werden die Pakete von der Folie befreit und eine Ameisenstrasse von Traegern verschwindet auf einem kleinen Trampelpfad. Das Ufer ist uebersaet von schwarzem Plastikmuell. Aber wie kommen die Pakete dort runter? Im Flug. Sie werden einfach von der 20 Meter hohen Bruecke geworfen. Irgend jemand scheint da etwas dagegen zu haben und hat einen hohen massiven Zaun an der Bruecke anbringen lassen. Die Schmuggler schneiden einfach ein Loch rein. Das wird dann wieder geflickt, dann wird ein neues reingeschnitten... der Zaun sieht aus wie ein Flickenteppich.

Es ist unglaublich, wie offen hier geschmuggelt wird. Und eben nicht nur auf der Seite Paraguays. Als wir spaeter mit dem Bus von Foz do Iguacu nach Ciudad del Este fahren, steigt eine aeltere Frau ein, verteilt etliche grosse Saecke mit Plastikspielzeug im Bus so, dass man sie von aussen durch die Fenster nicht sehen kann. Dann setzt sie sich hin und bekreuzigt sich. Los gehts ueber die Grenze. Sie hat Glueck. Keiner kontrolliert den Bus.

Foz do Iguacu, endlich raus aus Paraguay, endlich liegen die Wasserfaelle in greifbarer Naehe, endlich kommen wir wieder nach Brasilien.