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Peru:   Lima-Ayacucho (Sept 2003) - Ayacucho-Cusco-Titikaka See

Ankunft in Lima
Claudia: 19.8.03, viele Gedanken haben wir uns gemacht. Raus aus dem sicheren Asien, in die raeuberverrufenen Laender Suedamerikas. Wie wirds werden? "Handle with Care", sorgfaeltig behandelt kommen unsere Raeder in Lima an. Alles ist da, ausser unsere Streichhoelzer und Feuerzeuge, die hat der US Security Service herausgeklaut. Sicherheit! Und auch hier in Peru stellen wir fest: Alles ist sicher.

Sicherer Transport. Genau durchs "Care" hat sich ein Teil gebohrt.

Sichere Telefonverbindungen.

Sicherheits-Maenner ueberall.
Was wollen wir mehr. Schon bei unserer Ankunft in Lima am Flughafen werden wir von Ricardo, dem Taxifahrer in die wesentlichen Dinge eingewiesen. Uwe muss gleich mal den Parkschein loesen. Das Geld immer nachzaehlen und pruefen. Es koennte falsch sein. Das ist die erste Lektion.

Es ist mitten in der Nacht. Im Garten des Hostels wollen wir noch still und heimlich ein Bier schluerfen, um unsere Ankunft in Suedamerika zu feiern, da schmeisst der schuechterne Peruaner extra die Bar an, mit Lichterketten und schmissiger peruanischer Musik. "Salud Peru!".

Nebel: Ueber die Haelfte des Jahres grau! Es ist kalt in Lima. Ueberall werden Muetzen, Schals und Handschuhe verkauft. Da greifen wir gleich frierend zu. Die Verkaeufer sind laengst nicht so aufdringlich wie in Asien und auch verhandelt wird kaum. Andererseits ist es offensichtlich tatsaechlich leicht, sein Geld auf andere Art und Weise los zu werden.

Nebel in Lima.
Automatisch fangen wir an, unsere Wertsachen in so schicken Bekleidungsstuecken wie "Wadentaschen" und "Schulterbeuteln" zu transportieren und die Taschen fest zu umklammern. Immer wieder hoeren wir Geschichten von Leuten, die ausgeraubt wurden. Der Tipp lautet: Einfach alles abgeben, dann kommt man unversehrt davon.


Im Barranco Viertel.
Dennoch ist Lima eine durchaus lebensfrohe Stadt. Es gibt etliche Museen und Galerien und..... seit elf Monaten fuer uns mal ein richtiges echtes Nachtleben! Je spaeter desto tobt. Die Maenner sind Machos, die Frauen sind schoen und zeigen stolz der Freundin den neuen Wonder-Bra.

Mit ein paar Einheimischen gehen wir in einen Club mit grosser Tanzflaeche und Theke. Und Buehne. Immer wieder wird die Dosen-Mukke unterbrochen von afro-peruanischer Live-Musik. Ein typisches Instrument ist eine Kiste mit einem Loch. Auf der Kiste kann man sitzen und gleichzeitig trommeln. Simpel, praktisch, tut. Drei Maenner tanzen den Laden aerobicartig ein. Die Menge vor der Buehne wabbert nach rechts und links und schwingt Hueften und Koerper gemaess Anleitung von vorn. Und auch wir geben unser Bestes.
Die Stimmung ist super. Als wir zum Hostel zurueckgehen, beginnt es schon zu daemmern. Trotzdem laermt es noch aus vielen Clubs und Kneipen.

Raus aus dem Nebel...
Uwe: Lima ist eine 8-Millionen-Stadt und der Verkehr kein Vergnuegen fuer Radfahrer. Wir wollen mit dem Bus raus aus Lima. Selbst zum Busbahnhof fahren wir mit dem Taxi. Paranoia? Vielleicht, aber glaubwuerdig erklaerte uns Ricardo, dass an den Busbahnhoefen ganze Gangs warten, um Ankoemmlinge ihres Gepaecks zu erleichtern. Durch grauen Nieselregen fahren wir raus aus Lima. Die armseligen Huetten der Vororte in der wuesten Landschaft tragen ihren Teil zum deprimierenden Eindruck bei. Und selbst diese Ansammlungen einfacher Huetten sind oft umzaeunt und haben einen Wachturm. Trist und trostlos und frustrierend. Wir fahren an vielen Schutzmauern vorbei. Aber je weiter wir uns von Lima entfernen, desto beeindruckender wird die Wueste um uns herum und desto mehr klart der Himmel auf.

...rein in die Wueste

Die Oase Huacachina.
Gegen Mittag steigen wir in Ica aus dem Bus. Es ist warm und sonnig. Endlich mal wieder. Nach kurzer Radelstrecke erreichen wir die kleine Bilderbuchoase Huacachina. Wir sind von grossen Sandduenen umgeben. Mittendrin liegt ein kleiner See mit ein paar Haeusern drumherum. Von der groessten Duenehaben wir einen weiten Blick ueber die Sandwueste und bewundern die scharfen Schatten in der Duenenlandschaft.

Do, 28.8.03, jetzt geht's mit dem Rad auf die Panamericana. Die Wueste um uns herum ist richtig wuest. Sand, Steine, in der Ferne die Anden. Wir sehen kaum noch Haeuser. Nach knapp 90 Kilometern Wueste erreichen wir Pisco. Graue, haessliche Strassenzuege bestimmen unseren ersten Eindruck. Aber im Zentrum ueberrascht uns der Ort mit netten Plaetzen und sogar einer Fussgaengerzone.
Auf der wuesten Panamericana.
Paerchen halten Haendchen, knuffeln und hocken auf den Baenken herum. Auch nachts ist reichlich Volk unterwegs. Morgens dauert es hingegen eine Weile, bis sich die Strassen wieder fuellen. Der Lebensrhythmus ist ganz anders als in Asien.

Arriba, arriba - von 0 auf 4750 m
Sa 30.8.03, Arriba heisst "rauf" und das hoeren wir die naechsten Tage oefter. Mit massig Proviant geht es in die Berge. Wir freuen uns, sind aber auch nervoes. Wie kommen wir mit der Hoehe klar? Wo koennen wir uebernachten? Ist die Strasse wirklich sicher. Unterwegs gruessen und winken viele Leute freundlich. Die Landschaft jedoch bleibt trostlos.
350km, 4750 Hoehenmeter bis Ayacucho.
Im Dunst zeigen sich nur die Berge in der nahen Umgebung. Sie sind trocken und vereinzelt ziehen sich Sandbaenke durch die Felsen wie kleine Gletscher.


Trostlose Landschaft, kahle Berghaenge und kaum Vegetation.
Claudia: Mo, 1.9.03, Steine, Steine, Steine, kahle Berghaenge und Lehmziegelhaeuser. Auch heute bestimmt die Farbe braun die Szenerie. Da nuetzen auch die paar staubigen Kakteen nix. Aber immerhin, wir kommen ueber den Nebel hinweg und so strahlt der Himmel schon um 7.30 Uhr, als wir losradeln. Und die Sonne waermt. Das gibt der trostlosen Umgebung eine froehlichere Stimmung. Und je hoeher wir radeln, desto netter wird die Landschaft. Das Tal weitet sich. Huaytara, unser Ziel, liegt mitten in den Bergen, schon auf 2650 Metern. Hier stehen sogar ein paar Baeume und im Tal sorgen etliche landwirtschaftliche Flaechen fuer ein bisschen Gruen.

Es ist ein recht grosser Ort. Mittendrin gibt es wieder einen Platz. Das ist nett an den peruanischen Doerfern. Sobald ein paar Haeuser zusammenstehen, gibt es auch einen Dorfplatz fuer das gesellige Dorfleben - mit leider militantem Namen: Plaza de Armas (Platz der Waffen). Komisch ist, dass er fast ueberall nahezu identisch angelegt wird. In der Mitte was rund umrahmtes (ein Brunnen zum Beispiel, oder ein Denkmal), dahinfuehrend Wege mit Parkbaenken vor eingezaeunten Rasen- und Blumenflaechen. Und fuer die Hygiene gibt es im Dorf ein oeffentliches Bad oder zumindest Toilettenhaeuschen, meist aus blaugestrichenem Wellblech zusammengeschraubt.

Ob wir denn verheiratet seien, lautet die Gegenfrage, als wir nach einem Zimmer fragen. "Si" sagt Uwe und klopft auf seinen kambodschanischen Bambusring. Das ueberzeugt, wir bekommen das Zimmer. Gefuehrt wird das Hotel von einer alten Peruanerin mit typischen cowboyaehnlichem Hut und grimmigen Gesicht. Egal. Das Zimmer ist nett und hat ein grosses Fenster mit Ausblick.

Noch ein Gringo unterwegs
Am Fenster haengen wir rum, als wir, wie eine Erscheinung, einen vollbeladenen Radler sehen. Es ist Luciano aus Italien, der schon seit sieben Jahren in der Welt unterwegs ist. Klar, dass alle im Dorf dachten, er gehoere zu uns und so wurde er gleich hierher geschickt. Auch unterwegs habe er bereits von Kindern gehoert, dass eine "Gringa" und ein "Gringo" (Auslaender) auf der Strasse sind. Waehrend wir uns einen Tag akklimatisieren, radelt Luciano schon weiter. Er hats eilig, trifft er doch seine Frau Ende September in La Paz. Hier gehts zu seiner Website.

Mit literweise Wasser und tonnenweise Proviant ausgeruestet, sind wir auf Selbstversorgung eingestellt. So schwer beladen und so hoch waren wir bisher noch nicht unterwegs.

Pampa und Puna

Ein Alpaca.
Ueber 4000 Meter wird die Landschaft sanft und weich, mit Grasbuescheln bedeckt, voellig baumlos. Puna heisst die Landschaft in dieser Hoehe und hier sehen wir auch zum ersten Mal Lamas und Alpacas. Inzwischen sind wir auf knapp 4300 Meter und das Atmen hat sich schon zu geraeuschvollem Schnaufen gemausert, die Luft ist merklich duenner.
Wir erreichen ein Dorf, das wie die Strasse heisst: Los Libertadores. Vor dem einzigen Restaurant sitzen zwei junge Frauen und stricken. Sie tragen die typischen Huete. Wir trinken einen Tee und siehen mit ein paar Kindern durchs Dorf. Es ist ein winziges Dorf, aber immerhin: Dort ist die Schule, hier wird das Gemeindehaus gebaut und bald gibt es auh eine Plaza de Armas. Die Kinder strahlen uns an, ein kleiner Junge rollt die ganze Zeit eine Kabeltrommel vor sich her. Es ist so nett in dem Dorf, wir beschliessen, zu bleiben.
Kinder fuehren uns durch das Dorf Los Libertadors.

Im Restaurant gibt es auch ein Zimmer, in dem wir uebernachten koennen. Wir gehen durch einen kleinen Hof. Auf der Waescheleine haengen Tierhaeute, im Waschbecken stehen Innereien.

Leben ueber 4000 m

Ruthi und ihre kleine Schwester.
Vor allem die achtjaehrige Ruthie leistet uns mit Ausdauer Gesellschaft leistet. Sie hat schon ganz braune und runzelige Haende. Hier oben auf gut 4300 Metern ist die Luft kalt, aber wenn die Sonne tagsueber scheint, ist die Strahlung heftig. Eine Zumutung fuer die Haut. Ihre kleine Schwester kann gerade erst laufen und ist in unheimlich viele Klamotten gepackt, ueber die zum Abschluss eine kleine Schuerze gebunden ist. Das macht sie nicht gerade beweglich und so dengelt sie ueberall gegen und faellt staendig um.

Auch die aelteren Schwestern und die Mutter sind typisch traditionell fuer die Region in Peru gekleidet. Viele Roecke und Blusen uebereinander und Wollstruempfe machen eine kugelige Figur, ermoeglichen aber, dass frau trotz Kaelte Rock traegt.

Ausnahmslos scheinen die Frauen in den Bergen die gleiche Frisur zu tragen: Zwei schwarze geflochtene lange Zoepfe. Darueber tront obligatorisch der Hut.

Zum Abendessen gibt es frittierten Fisch mit Reis. Ruthie zeigt uns ihr Englischheft. Hier in den Doerfern sprechen die Menschen Quechua, die alte Inkasprache, und Spanisch, aufgrund der langen spanischen Kolonialherrschaft. Quechua und Spanisch, das sind zwei voellig verschiedene Sprachen. Wir sind beeindruckt, dass die Kinder in der Schule in Los Libertadores sogar noch Englisch lernen. Ruth liest eifrig aus unserem Sprachfuehrer vor, auch die Lautschrift. Ihr Vater am Nebentisch kann sich nur mit Muehe das Lachen verkneifen.

Frauen mit dicken Roecken, langen Zoepfen und Hut.

Als wir uns in unser kleines strohgedecktes Zimmerchen verkriechen, droehnt mein Kopf. Die Hoehe und der mangelnde Sauerstoff machen sich bemerkbar. Ich bin froh, dass es morgen ueber die Paesse erst mal wieder runter geht.

Am naechsten Morgen betritt ein voellig vermummelter Mann das Restaurant. Er sieht ganz unbeweglich eingefroren aus. Auch wir vermummeln uns, verzichten darauf, uns zu waschen. Eine kleine Waserflaeche vor dem Haus ist zu Eis gefroren.

Zwischen den beiden Paessen heute liegen ca. 30 Kilometer Hochebene. Es ist kalt und windig und geht rauf und runter. Eine Herde wilder Vicunas (so eine Art duenner Lamas) schaut uns neugierig an, um dann durch die Puna davon zu galoppieren. In der Ferne sehen wir fuer kurze Zeit Schneeberge.

Lamas.

Hier oben kann man weit blicken.

Wir kommen ins kleine Dorf Ccaruacpampa, sehen zwei Frauen und einen kleinen Jungen. "Koennen wir hier zelten" fragen wir. "Claro" sagt Jhong, der Junge. Wir suchen gemeinsam einen netten Platz hinter den Haeusern an der Strasse, bauen unser Zelt auf und geniessen die friedliche Abendstimmung mit weitem Blick in die Pampa und auf einige hoehere Berge. Jhong versorgt uns mit Wasser, viele Schafe und ein paar Hunde ziehen um unser Zelt herum.

Als wir gerade Tee kochen, gesellen sich Antonia und Isabel zu uns. Wir reden mit Haenden und Fuessen. Jhong sitzt ueber uns auf dem Dachbalken eines halb verfallenen Hauses und amuesiert sich immer wieder ueber unsere Aussprache. Mit Ausdauer versuchen die beiden Frauen, uns ein paar Woerter in Quechua beizubringen, dabei sind wir doch schon froh, wenn wir uns einigermassen auf spanisch verstaendlich machen koennen.
Isabel mit ihren Geschwistern.
Je kleiner desto waermt
Es wird immer dunkler und kaelter. Da laden uns die beiden Frauen ins Haus ein. Das Haus ist winzig, wir muessen uns buecken, um hineinzukommen. Es ist vielleicht zwei Meter breit und vier Meter lang. Auf winzigen Hoeckerchen hocken wir um eine Kochstelle herum. Dabei bemuehen wir uns, uns an den Rand zu draengeln, denn im Haus liegen bereits die Mutter und die kleinste achtjaehrige Tochter unter vielen Wolldecken, im Dunkeln kaum erkennbar. Wir wollen ihnen nicht die Waerme stehlen.

Auf der Kochstelle steht ein grosser Topf mit Gemuesesuppe, die Isabel verteilt. Ein kleiner Hund und eine kleine Katze liegen ebenfalls am Feuer. Es ist so unbeschreiblich einfach und nett hier. Wir fuehlen uns sicher und wohl und gut aufgehoben.

Fr, 5.9.03, heute geht es ueber den hoechsten Pass der Strecke. Mit 4750 Metern ist er fast so hoch wie der hoechste Berg Europas. Auf weiten Serpentinen radeln wir bergauf. Inzwischen haben wir uns schon besser an die Hoehe gewoehnt. Die Landschaft weitet sich zunehmend. Die Berge sind oft sehr bunt, mit knalligen Rottoenen. Hinter dem Pass aendert sich die Landschaft. Sie ist nicht mehr so kahl. Auf weichen Feldern sehen wir viele Pferde. Es ist viel gruener und steiler hier.
Kurz vor dem Abra Apacheta (4750m).
Gruen bedeutet jedoch meistens auch viel Regen und so wird uns die schoene Abfahrt durch schlechtes Wetter etwas vermiest. Wir werden regelrecht von den grauen Wolken verfolgt, vor uns blauer Himmel. Wir hoffen, herunterrauschend, dass wir uns noch ins Blaue fluechten koennen, aber die grossen grauen Wolken und der Regen bleiben uns auf den Fersen.

Schoen und fettig
Schliesslich geben wir auf und bleiben im Dorf Alumpampa. Hinter einem Restaurant stellen wir unser Zelt auf. Dabei sind wir stets von 7 Kindern umringt. Sie beobachten und kommentieren jeden Handgriff. Uwe zieht den kleinen, gruenen Zeltsack hervor, da bruellen sie alle durcheinander "Bonito!". Was ist denn bloss an so einem Zeltsack schoen?
Die 7 bleiben uns den ganzen Abend treu, auch im Restaurant. Sie heissen "Erika" und "Gisela" und "Rosalia", viele Namen klingen so deutsch, ich fuehle mich wie auf einer Fete meiner Mutter. Zu essen gibt es mal wieder frittierten Fisch mit Reis und Pommes. Rosalia weist streng darauf hin, dass wir ja wohl auch Kopf und Schwanzflosse essen koennen und dies noch und dort noch was. Bald kriegen auch die Kinder Fisch. Jetzt wird alles fettig. Kleine Fischfinger haengen um meinen Hals oder streichen durch meine Haare.
Die Kinder lassen uns nicht in Ruhe.

Am naechsten Tag muessen wir noch einen Pass ueberwinden, dann sind wir in Ayacucho.

3 Wochen Ayacucho

Der Plaza de Armas.

Hier gibts leckere Chaplas.
Uwe: In Ayacucho ist staendig etwas los. Wir wohnen mitten im Geschaefts- und Marktviertel. Die Strassen sind voll mit Haendlern, die Stapel von Unterhosen bis unterm Kinn herumtragen und Frauen mit dicken Roecken, schwarzen, langen Zpepfen und Hueten, die unter anderem leckere Chaplas, die typischen Broetchen Ayacuchos, verkaufen. Demos oder verkleidete, tanzende Menschen ziehen durch die Strassen. Es wird nicht langweilig.
Als wir erfahren, dass die Rallye "Camino de Inca" durch Ayacucho fuehrt, sitzen wir am Fenster und ich sage zu Claudia, dass wir uns wohl auf roehrenden Laerm einstellen muessen. Kaum ausgesprochen vernehmen wir schon ein verdaechtiges Geraeusch und Sekunden spaeter braust der erste Rennwagen mit Hoellenlaerm durch die enge Strasse vor unserem Hospedaje.
Die Autos brausen mitten durch die Stadt.
Die lebendige Stadt gefaellt uns so gut, dass wir einen laengeren Aufenthalt beschliessen. Hier wollen wir spanisch lernen. Bei unserer Suche nach einem Institut oder einer Schule, stossen wir auf das Colegio "El buen Pastor". Wir gehen einfach mal rein und fragen. Jemand holt Abigail, die Tochter des Rektors aus dem Nachbargebaeude. Sie spricht ganz gut Englisch und so koennen wir uns darauf verstaendigen, dass sie uns ab morgen spanisch beibringt, und wir sie im Gegenzug in Englisch etwas fitter machen.

Auch Abigail schient sich zu freuen und ihre Mama drueckt Claudia gleich mal einen Schmatz auf die Wange. Wir freuen uns schon auf die erste Stunde.

Wir sitzen in einem Klassenraum fuer die ganz Kleinen auf ganz kleinen Stuehlchen und die Lehrerin Abigail bespricht mit uns Lektion 1 ihres Lehrbuchs: La Llegada, die Ankunft. Wir fuehlen uns beide um mindestens 20 Jahre zurueck versetzt. Die zwei Stunden vergehen wie im Flug und auch die folgenden Tage treffen wir uns immer wieder.

Abigail mueht sich, uns Spanisch beizubringen.

Vier Stunden fuer eine Gitarre
So lange an einem Ort, da muss eine Gitarre her. In einem Gitarrenladen frage ich nach einer Leihgitarre. Nein, sie haben nur neue Gitarren. Aber da ist zufaellig Edgar im Laden. Er deutet mir an, dass er mir seine Gitarre leihen kann. Und mit der Zeit stellt sich heraus, dass er sie erst noch kaufen muss. Das dauert erstmal. Handschriftlich wird ein Vertrag aufgesetzt. Dann kommt noch die Mama. Da muss noch was hinzugefuegt werden. Aber dann ist es soweit. Edgar schnallt sich etwas ungeschickt das teuere Stueck (250 Soles, ca. 70 Euro) um.
Jetzt gehen wir zu unserem Hospedaje. Er will schliesslich wissen, wo seine Gitarre fuer eine gute Woche bleibt. Ja und dann sollen wir auch noch zu ihm mitkommen, seinen Bruder kennen lernen. Vertrauensbildende Massnahmen. Die Wohngegend ausserhalb des Zentrums kommt mir etwas zwielichtig vor, aber was tut man nicht alles. Edgar wohnt einfach. Im einem Raum steht eine kleine Werkbank an der er als Kunstschmied arbeitet. Durch einen Vorhang getrennt steht im hinteren Bereich des Raumes sein Bett. So, und was ist jetzt mit der Klampfe? Als es "ernst" wird mit der Uebergabe, wird Edgar unsicher. Aber als ich Edgar und seinem Bruder ein bisschen vorspiele wird die Stimmung wieder gut und der Deal steigt doch noch. 12 Soles fuer 9 Tage.
"With two wings ..."
Mit gemischten Gefuehlen bringen wir schliesslich das gute Stueck ins Hotelzimmer. Jetzt bloss keine Macken reinmachen. Trotzdem ziehen wir wagemutig bald schon mit der Gitarre zum Colegio "El buen Pastor", um gleich mit drei Schulklassen den englischen Song "With two wings" einzustudieren.

Nette Bekanntschaften
Noch andere Auslaender bleiben laenger als erwartet in Ayacucho. Evan ist als Backpacker von New York aus Richtung Sueden getraempt, um durch Suedamerika zu reisen. Er war schon einige Kilometer raus aus Ayacucho, wollte schnellstmoeglich nach Brasilien, zum Carneval nach Rio. Aber das Auto blieb liegen. Da kehrte er zurueck, verliebte sich und blieb. Das ist zwei Jahre her, seit 2,5 Monaten ist er mit seiner Patti verheiratet.

So nett es in Ayacucho ist, in der Aussenwelt hat Ayacucho einen schlechten Ruf, war es doch Ort zahlreicher Terroranschlaege der Gruppe "Leuchtender Pfad" Ende der 80er Jahre. Marisol ist in Ayacucho geboren und hat die Zeit des Terrorismus hautnah miterlebt. Keiner habe sich getraut, seine Meinung zu sagen, da beide Seiten, Terroristen und Militaer gleichermassen brutal und willkuerlich handelten.
Zwei Bomben gingen in ihrer unmittelbaren Naehe in die Luft. In einem Fall sind ihr Fetzen eines Kinderkoerpers um die Ohren geflogen. Sie und ihre Familie sind 1989 nach Lima geflohen. 1998 ist sie nach Ayacucho zurueckgekehrt. Inzwischen sind viele der alten Freunde nicht mehr da. Sie fuehlt sich in Ayacucho fremd und weiss jetzt gar nicht mehr, wo sie hingehoert. Die Art, wie sie ueber sich und ihre Situation redet ist sehr offen und aufgeklaert. Sie erzaehlt auch von Schwierigkeiten mit den Leuten in Ayacucho, die ihr zu traege und altmodisch sind. Liegt das vielleicht an der Abgeschiedenheit in den Bergen? Oder an der Zeit des Terrorismus?
Ayacucho ist heute wieder eine lebendige und lebensfrohe Stadt.

Der einzige, der der Zeit des Terrorismus noch ein kleines bisschen Positives abgewinnen kann, ist Pepe. "Da es oft Ausgangssperre gab, hatten wir viel Zeit, Kuchen zu backen und neue Rezepte zu erfinden", meint er. Er ist auch einer der wenigen, der mit Deutschland nicht gleich Hitler verbindet, sondern feinsten deutschen HipHop. Pepe freut sich, wenn er auf der Deutschen Welle die Fantastischen Vier hoeren kann.


"Hier gehts weiter."
Claudia: Wieder im Gitarrenladen suchen wir ein Geschenk fuer Edgar. Carina schwaetzt erneut auf uns ein. Wir sollen auf unserer Reise nach Cusco bloss nicht nachts Fahrrad fahren. Sie kuesst einen Jesus-Schluesselanhaenger und schenkt ihn mir. Der soll uns beschuetzen. Das macht er fortan auch und haengt an meiner Lenkertasche. Dann kann es ja weiter gehen.

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