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Thailand:  Bangkok - Im Osten - Chiang Mai - Im Nordosten (Feb 2003)

Im
Nord
Osten
So schoen ist es im Nordosten Thailands
Claudia: Zwei Wochen lang radeln wir von Chiang Mai nach Nong Khai/Vientiane zur Thai-Laos-Freundschaftsbruecke, um dort nach Laos einzureisen. Unsere Route fuehrt uns ueber Thoen, Si Satchanalei, Nakhon Thai, Loei nach Phu Phra Bat und Nong Khai. Unterwegs sehen wir zwei historische Staetten und viel laendliches Thailand. Die Landschaft ist huegelig und es gibt immer wieder schoene Ausblicke und feine Abfahrten.

Wir radeln durch viele Thai-Doerfer. Wenn die Thais nicht essen, dann schlafen sie, bevorzugt in der Haengematte oder mitten im "Gemischtwaren-Laden" auf dem Boden. Das typische Thai-Haus ist aus Holzbrettern auf Holz- oder Betonstelzen. Im unteren "Stelzen-Stock" haengt die Waesche, die Haengematte und die Babyschaukel, die mit Schwung von der Haengematte aus Ein typisches Thai Haus
betrieben wird. Vorm Haus stehen riesige Tronkruege fuers Wasser. Die Leute lachen und winken und zeigen mit dem Daumen nach oben. Hier fuehlen wir uns in Thailand richtig wohl.

Auf ins Land
Unsere erste Etappe fuehrt nach Lamphun. Es gibt dort einen besonderen Chedi-Stil (Haripunchari, AD 750-1280), eine der acht heiligsten Stupas von Thailand und den groessten bronzenen Gong der Welt (es lebe der Superlativ!) zu bestaunen.
Der Haripunchari-Chedi von Lamphun  Am Eingang stehen Drachen mit excellenter Zahnpflege

Am naechsten Tag geht es weiter ins Land hinein. Farang! Farang! (Auslaender! Auslaender! eigentlich: Franzose) rufen vor allem die Kinder. Ein Pick-up ueberholt uns vollbeladen mit Schulmaedchen in lila Schuluniform. Ein Maedchen entdeckt uns zuerst und beginnt zu kreischen, kurz darauf faellt der Rest der Bande ein. Was fuer ein Laerm. Wir setzen unser Eislaeuferin-Laecheln auf und gruessen und winken zurueck.

Als es Zeit wird, nach einem Plaetzchen zum Schlafen Ausschau zu halten, steuern wir die "Police-Box" an. Der freundliche Polizist erklaert uns, dass es in erreichbarer Naehe zwar noch ein paar Doerfer, aber keine Hotels gibt. "Wir haben ein Zelt!". Da weist der gute Mann auf den Hof hinter der Police-Box (Bild 45kB) und auf einen Waschraum. Na super, das ging ja fix. Der Waschraum ist typisch Thai. Ein Steh- bzw. Hockklo, zwei Betonbecken randvoll mit Wasser. Das kleine Wasserbecken ist die Klospuelung, das grosse die Dusche. Zum Wasserschoepfen gibt es kleine Schuesselchen. Das aehnelt dem indischen Eimer-Becher-Prinzip. Hier bei der Polizei in Mae Pok sieht das Wasser so gut aus, dass ich am liebsten hineinspringen wuerde. Zumal die Tour anstrengend war und das Wetter inzwischen ganz schoen heiss ist. Ich verkneifs mir und freu mich, statt dessen schuesselweise kaltes Wasser ueber mich zu kippen.

Als Uwe unter der Dusche oder besser unter dem Schuesselchen steht, moechte ich mich fast schon ein bisschen im Zelt ablegen. Keine Chance. Ich hoere Geschluffe. Inzwischen haben sich einige Kollegen an der Police-Box eingefunden. Sie kommen her, wohl um sich die Bewohner des Zeltes anzuschauen. Sie gucken ins Zelt und grinsen mich an, faseln von Thai-Whiskey. Uhhhh. Es gibt nichts Greulicheres.

Dorfleben
Uwe: Alles wirkt sehr familiaer. die Polizei-Huette steht am Rand eines Hofes, dessen Besitzer auch staendig herumschleicht. Man sitzt zusammen, trinkt und guckt sich im Fernsehen an, wie Thailands Nationalelf gegen Schweden 0:4 verliert.

Auf unserer Suche nach Essen nimmt sich eine lebendige Teenagerin unserer an. Sie spricht zwar nur wenig Englisch, dafuer aber erstaunlich laut und quirrlig. Ehe wir uns versehen hocken wir auf ihrem Moped und sie bringt uns direkt in die Kueche des hiesigen Restaurants. Wir sitzen am Fenster und bekommen dort ab und zu Besuch. Erst schaut der Vater unserer Helferin am Fenster vorbei und versucht ausgiebig gestikulierend sich verstaendlich zu machen. Dann kommt ein weiterer Mann vorbei und bringt uns mit Ausdauer und Geduld thailaendische Woerter bei. Wir bemuehen uns wirklich, die Woerter richtig auszusprechen und dabei die Karaoke des Nachbartisches zu uebertoenen. Aber das ist nicht so einfach. Wir brauchen immer drei bis vier Versuche, bis der Gute zufrieden ist. Spaet am Abend kehren wir zur Police-Box zurueck. Der Polizist ist noch passend zum Fussballspiel im Trainings-Look angezogen, nur dass er eine Pistole und Handschellen umgehaengt hat. Der Nachbar gesellt sich im Schlafanzug hinzu. Beide stehen um ein kleines Lagerfeuer herum. Der Hund hat es sich inzwischen vor unserem Zelt gemuetlich gemacht. Was fuer ein feiner Zeltplatz. Und so sicher bewacht.

Freundschaftsbuecher
Kann man die Samstag, 22.2.2003/2546. Unterwegs in Pak Kong wollen wir uns erfrischen. Da kommt uns ein Sportfest gerade recht. Am Rand des Fussballfeldes sind zahlreiche Buden aufgebaut. Zwei kleine Bands spielen und ueberall sind Gruppen in Trikots zu sehen, die sich zur Musik bewegen. So richtig gluecklich werden wir hier jedoch nicht. Die Bands sind mal wieder grausig, zu essen gibt es nur Fleischspiesse, das Getraenke-Eis enthaelt kleine Sachen und zu alledem werden wir von
sturzbesoffenen Leuten sehr aufdringlich zum Whiskey-Trinken aufgefordert. Dann eben nicht.

Mit leckeren Mini-Bananen ziehen wir uns zurueck. Ploetzlich gesellen sich ein paar Teenager zu uns und sprechen uns freundlich an. Als ich eine unserer in Chiang Mai gedruckten Visitenkarten rueberreiche, tauchen ploetzlich zwei Freundschaftsbuecher auf. Wir zuecken unseres und schreiben gegenseitig in die Buecher.

Landschaft zwischen Thoen und Sawankhalok

So hab ich mir Asien immer vorgestellt. Reisfelder und Palmen vor steil aufragenden Felsen.

Si Satchanalei - Ruinen in herbstlicher Hitze
Claudia: Montag, 24.2.2003/2546. Heute ist Si Satchanalei-Besichtigungstag. Wir radeln und wandeln zwischen den alten Ruinen umher. Die Tempel und Chedis stammen aus dem 11. bis 15. Jahrhundert. Entsprechend verschiedene Stilrichtungen sind zu sehen. Es ist unglaublich heiss. Dabei sieht die Umgebung der Tempel zur Zeit ganz herbstlich aus.

RUMPS! Eine Kokusnuss faellt mit Mordskaracho zu Boden. Eine Statistik sagt, dass mehr Menschen von Kokusnuessen erschlagen als von Haien gefressen werden. Die moerderischen Kokusnuesse muessen zwar erstmal treffen, aber wenn....uuuhhh. Erfuerchtig schauen wir nach oben und bringen uns in Sicherheit.

Michelin liegt falsch
Unsere Michelin Karte fuer Thailand versieht die Strassen mit gruenen Linien wenn sie schoen sein sollen. Fuer die heutige Strecke ist Michelin wohl die Farbe ausgegangen. Keine gruene Linie, obwohl die Strasse durch wunderschoenes Bergland fuehrt.
Zu den Bergen aus Fels und Stein gesellen sich zunehmend auch bedrohlich Wolkenberge. Aber am Nachmittag wird alles gut. Klarer Himmel und kilometerlange Abfahrten. So macht das Radeln richtig Spass.

Sing a song!
Jedes Land hat wohl seine eigentuemlichen Geraeusche. In Indien waren es die Hunde in der Nacht und das Gerotze am Morgen. In Thailand "heulen" die zahlreichen Haehne den Mond an und jeden Abend werden wir mit Karaoke in den Schlaf gesungen. Heute abend singt wohl die Gemueseverkaeuferin mit ihrem Kollegen - unheimlich rauhe Stimmen singen im Duett. Na dann: Gute Nacht.

Immerhin koennen wir zwei Thai-Songs, die einfach ueberall zu hoeren sind, schon perfekt mitsummen. Fehlt uns nur noch der Text und wir sind bei der Karaoke dabei. Okay, "wir" wohl kaum, aber ich sehe Uwe schon eine dieser Thai-Schnulzen ins Mikro schmettern. Das wird ein Spass. Mir war ja klar, dass Karaoke in Asien sehr beliebt ist. Aber dass wirklich ueberall diese Karaoke-Boxen stehen und immer mal wieder jemand - auch allein im Restaurant - schnell zum Mikro greift, das ist wirklich witzig.

Uwe: Eimal ist es fast soweit. "Wir haben auch was in Englisch" groehlen ein paar Jugendliche und werfen Geld in einen Automaten. "Daddy go home" - kenne ich zwar nicht, aber die Kiste laermt schon los. Aber was ist das: der Kerl auf dem Bildschirm singt ja doch in Thai.Nur der Refrain ist englisch. Die Musik ist gut fuers Headbanging. Mehr koennen wir leider nicht zum Besten geben. Dafuer singen zwei junge Thais und haben ihren Spass. Wir auch. Der Laden besteht aus ca. 20 Kabinen mit je einem Karaoke-Automaten und 2 Mikros. Erinnert ein bisschen an ein Solarium. Nur lauter.
Nein, das ist keine Solar-Studio

Singen im Einklang mit dem Bildschirm, ungestoert (fast)

Thailand im Baerchenwahn
Claudia: Wir radeln nach Dan Sai. Dan Sai ist beruehmt fuer ein Feuerfestival bei dem selbstgebaute Bambusraketen in die Luft gejagt werden. Sie sollen den Himmel "befruchten" damit er brav Regen liefert. Das Fest ist erst im Juni, so bleiben wir von den Krachern verschont. Wir schauen uns eine motelartige Unterkunft an. Der Wirt ist kauzig und hat kein grosses Interesse an uns als Gaeste. Er taut erst auf, als ich das Bett beziehen will. Nee, das will er doch selbst machen, deutet er an und schmeisst sich aufs Bett, um das Baerchenlaken in die Ecken zu stopfen.

A propos Baerchen! Das ist etwas, das mich in Thailand ganz kirre macht. Ueberall Baerchen (Bild 57kB)! Auf den Vorhaengen, auf den Bettlaken, auf den "Mopeddecken", auf Serviettenpapierrollenhaltern. Ueberall und immer wieder: Baerchen. Ganz neckisch. Konsequent, in ganz Thailand. Wir haben jetzt die Loesung gefunden, uns gegen die Baerchen zu wehren: Aufessen! Baerchen Broetchen

Am Abend essen wir "zur Abwechslung" pad pak ruam dsche (zusammen gebratenes Gemuese, vegetarisch). Das "dsche" ist unser Zauberwort, damit nicht doch uebers leckere Gemuese irgendwelche Fleischfetzen geworfen werden.
Unsere nette Koechein Daeng Das erinnert mich immer an die gute, alte Kantinenkoechin bei der Stadt Muenster. Gemueseauflauf - okay, aber so ganz ohne Fleisch? Da kamen dann auch immer noch ein paar Wurststueckchen mit rein. Ansichtssache und bestimmt nicht boes gemeint. Mit "dsche" klappts inzwischen sehr gut und wir bleiben verschont.

Unsere Koechin Daeng gesellt sich zu uns und bemueht sich um Konversation. Obwohl sie kaum englisch spricht und wir kaum Thai, klappts erstaunlich gut, denn sie ist unheimlich hartnaeckig.
Als sie durch unser Fotoalbum blaettert, freut sie sich besonders ueber Uwes Mutter. "Die ist ja genauso wie ich" deutet sie an und haut sich dabei auf die Hueften. Und ueber Claudia G. auf dem Sofa. Menschen die schlafen sind den Thais einfach symphatisch.

Felsformationen mit Liebesgeschichte
Felsentempel in Phu Phra Bat Uwe: Unser naechstes Ziel ist Phu Phra Bat, ein historischer Park. Wir spekulieren darauf, im Park zelten zu koennen. Das klappt auch und so koennen wir den Park ausserhalb der Oeffnungszeiten ganz allein bei Abendlicht und am naechsten Morgen bewundern. Die Erosion hat hier zahlreiche Monolithen uebrig gelassen, die auf kleinem stuetzenden Untergrund ruhen und dadurch natuerlich geschuetzte Raeume entstehen lassen.
Einige Hoehlenmalereien zeugen von sehr fruehen Bewohnern, ca. 2000 bis 3000 vor Christus. Ein toller Park, voll von pilzfoermigen Felsformationen, teils umwuchert von Pflanzen. Und ueberall wunderschoene Schmetterlinge, gross und bunt. Ein richtiger Maerchenwald.

Claudia: Da passt es, dass die Thais hierzu eine Legende erzaehlen. So sei in dem Felsturm Usa, ein junges Maedchen, aufgewachsen. Als es ihr zu einsam wurde, schickte sie eine Kontaktanzeige per Floss den Fluss runter. Ein badender Juengling hat die Nachricht gefunden, ist gleich los, Usa zu suchen und zu sich zu holen. Fuer eine Zeit fanden die beiden zueinander. Usa ist aber dann zu ihrem Turm und ihren Meditationshoehlen zurueck, dort an gebrochenem Herzen gestorben. Ihr Liebster suchte sie, kam zu spaet, starb dann auch aus lauter Kummer. Beide wurden wiedergeboren und hatten im naechsten Leben dann viel Zeit und Glueck miteinander. Der Turm der holden U-Sa
Auch in dieser Geschichte wird die buddhistische Gelassenheit deutlich: Keine Eile, keine Hektik. Klappt was in diesem Leben nicht, so gibt es doch noch viele andere.

Uwe: Nach der Erkundung des schoenen Parks kann der nahegelegene Fussabdruck von Buddha uns nicht so recht ueberzeugen. In einem Raum einer eher neuzeitlichen Pagode befindet sich eine goldene Vertiefung, die stark an eine etwas unfoermige Badewanne erinnert. Auch von der Groesse her. Also war Buddha jetzt ein Mensch oder ein Riese?

Grosser Fluss und grosse Grenze
Unsere weitere Tour fuehrt uns zum Mekong Fluss und dann an ihm entlang. Im Vorbeifahren sehe ich ein Baguette im Laden. Mmmmh, ich freue mich schon auf Laos. Die franzoesischen Kolonialisten haben dort das Backrezept zurueckgelassen. Wir sitzen am Ufer und machen eine Pause. Fischerboote legen ab und fahren auf die andere Seite. Wir koennten ganz schnell in Laos sein. Aber nein. Alles muss seine Ordnung haben: Immigration Office, Ausreise-Stempel, Einreise-Stempel.... also geht es erstmal weiter nach Nong Khai. Zusammen mit Karin und Daniel aus der Schweiz planen wir unsere weitere Reise
Unsere Unterkunft dort liegt direkt am Mekong. Vom schoenen Garten koennen wir entspannt auf den Fluss blicken, nach Laos schauen und Reisplaende schmieden.

Lustwandeln zwischen buddhistischen Skulpturen
Fast alle Figuren im Park haben das gleiche nette Laecheln Vor der Abreise bewundern wir aber noch den Skulpturen Park von Nong Khai. Der Laote Boun Leua Sourirat, Buddhist und Kuenstler hat dort zahlreiche religioese und mystische Figuren geschaffen. Viele davon sind riesengross, so wie zum Beispiel die Buddha Figur mir der fuenfkoepfigen Schlange, die 25 Meter in den Himmel ragt (Bild 53kB).
In dem sogenannten Samsara Kreis wird der Lebenskreislauf des Buddhismus verdeutlicht. Durch eine kleine Hoehle betritt man als Spermium den Kreis und kann dann Figuren sehen, die die verschiedenen Lebens- und Entwicklungsphasen zeigen. Zwischen den Skulpturen gruent es ueberall und schillernde Schmetterlinge flattern durch die Luft.

Jetzt aber los zur Freundschaftsbruecke die den Mekong ueberspannt und nach Laos fuehrt.

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