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Vietnam:   Lao Bao bis Nha Trang - Highlands, Saigon, Mekong Delta  (Mai 2003)

Abendstimmung am Strand von Nha Trang. Nha Trang ist voll auf Fischfang und -verarbeitung eingestellt. Cyclo heissen diese seltsamen Fahrradkutschen die nicht nur in Saigon unterwegs sind. Und das Boot gehoert zum Verkehr im Mekong Delta.

Claudia: Nha Trang ist die lebhafteste Stadt in Vietnam mit Nachtleben - so versprichts der Reisefuehrer. Ist die SARS-Panik schuld? Sie haelt die Touristen aus ganz Vietnam fern, auch wenn es nur in Hanoi in einem Krankenhaus SARS gab. Jedenfalls ist das Nachtleben nicht so recht zu finden. Als wir abends nach 11 Uhr zum Hotel kommen, ist es mal wieder verriegelt. Ich haenge gerade auf dem Tor um zu erkunden, wie wir rueberklettern koennen, da kommt missmutig unsere Wirtin angelatscht. Sie oeffnet wortlos.

Schichtwechsel
Uwe: Fast taeglich springen wir in das suedchinesische Meer. Durch Wind und eine kleine Stufe am umspuelten Strand entstehen dort recht hohe Wellen, von denen wir uns ueber den Strand wirbeln lassen. Jeden Tag gibt es Schichtwechsel. Vor Sonnenaufgang sporteln die Vietnamesen. Mit der Sonne kommen die auslaendischen Touristen, schwitzen auf den Sonnenliegen. Einheimische zeigen sich zu dieser Zeit fast ausschliesslich als Strandverkaeufer, total vermummt, um sich vor der Sonne zu schuetzen. Jogger am Strand von Nha Trang.
Jogger am Strand von Nha Trang.
Die Vietnamesen haben wirklich Angst vor der Sonne, vor allem die eitlen Frauen. Denn braune Haut bedeutet "arm" und "alte Haut". Wenn sich die Vietnamesin schminkt, dann weiss.

Futterbuden am Strand.
Futterbuden am Strand.
Am spaeten Nachmittag, wenn die Sonne schon tief steht, verschwinden die Touristen, Liegen und Schirme werden abgebaut. Dann beleben Tausende von Vietnamesen Strand und Wasser. Kinder haengen mit Schwimmwesten, manchmal aus Halbliter-Plastikflaschen gebastelt im Wasser, Jugendliche spielen Fussball, Familien picknicken.

Deutsch in Nha Trang
In Nha Trang gibt es eine Bibliothek. Zu meinem Erstaunen spricht Herr Hue, der Leiter der Bibliothek, Deutsch. Er war fuenf Jahre in Dresden. Unter den schaetzungsweise 1000 deutschen Buechern finden wir ein paar Schaetzchen zum Schmoekern.

Claudia: Dabei lernen wir Ursula kennen. Spontan laedt sie uns zum Abendessen ein. Ursula ist Praesidentin der Non-Profit-Organisation "Medizinische Hilfe fuer Vietnam". Mit ihrer Organisation ist sie seit Ende des amerikanischen Krieges 1975 unter anderem in Kliniken, einem Waisenhaus, einer Lebrastation aktiv. "Agent Orange" ist auch heute noch ein Problem, nicht nur wegen der Vergiftung der Umwelt, sondern auch wegen der Belastung und Schaedigung des Erbgutes der Menschen. So wurden und werden seit dem Krieg viele Kinder mit schweren Behinderungen geboren. Wir verabreden uns mit Ursula, um einige Einrichtungen zu besichtigen, die von ihrer Organisation unterstuetzt werden. Ein Bericht dazu gibt es hier

Bootstour mit Kulturaustausch
Strong Man singt Lieder fuer alle Nationalitaeten an Bord.
"Strong Man" singt Lieder fuer alle Nationalitaeten an Bord.
Endlich wieder Schnorcheln. Das Boot ist zur Haelfte mit auslaendischen Touristen, zur Haelfte mit vietnamesischen Touristen besetzt. Klares Wasser, Korallen, viele bunte Fische vor den Inseln bei Nha Trang locken.

Aber es gibt auch viel Unterhaltung. "Strong man", der die Bootstour fuehrt, macht seinen Job aeusserst gut und spielt Gitarre. Fuer jede Nationalitaet an Bord hat er ein typisches Volkslied auf Lager. Fuer uns Deutsche ist es "Sah ein Knab ein Roeslein stehen".
Die Vietnamesen erweisen sich als wesentlich singfreudiger und singen und klatschen bei ihren Liedern gleich alle mit. Aber auch die auslaendischen Touristen muessen singen, z. B. "Vietnam - Ho Chi Minh, Vietnam - Ho Chi Minh"

Dalat, das Juwel des Hochlandes
Dalat liegt auf 1400 Metern Hoehe und 110 Kilometer vom naechsten Kuestenort entfernt. Dazwischen gibt es keine Unterkunft. Anstatt mit lokalen Polizisten darueber zu streiten, wo wir die Nacht verbringen oder uns vor selbiger verstecken zu wollen, bevorzugen wir den Bus. Der bringt uns bequem die Bergstrecke rauf. Dabei koennen wir noch einen Cham-Turm besichtigen.

"Wie schnell man doch Hoehe machen kann" seufzt Uwe mit Blick auf seinen Hoehenmesser. Aber auch der Bus schaltet die Klimaanlage aus, um den Motor nicht zu ueberlasten.

Am 30. April, dem Befreiungstag und Ende des Krieges, und am 1. Mai, dem internationalen Tag der Arbeit, nutzen viele Vietnamesen die Gelegenheit, in Dalat kuehle Luft zu schnappen.
Die typische Architektur der Cham Tempel.
Ein Cham Tempel auf dem Weg nach Dalat.

Genau am 30.4. kommen wir in Dalat an. Menschenmassen schieben sich auf den schmalen Buergersteigen an den grossen Strassen entlang. Es gibt zwei Buehnen und Ausstellungen. Aber das Programm ist entsetzlich. Schoene junge Maedchen in langen Kleidern mit Blumen im Haar bewegen sich extrem langsam zu schlechter Musik.

Dalat war schon immer ein Ort fuer die Reichen und blieb vom Krieg weitestgehend verschont. So sitzen wir in einem Cafe, dessen Inneneinrichtung sich seit den 50er Jahren nicht veraendert haben soll. Wir fuehlen uns wie in Prag oder Budapest. Im Hintergrund laeuft franzoesische Musik. Im Fernsehen laeuft, zum Befreiungstag passend, ein Kriegsfilm. Ein Paar mit einem Kind ist staendig auf der Flucht vor amerikanischen Hubschraubern, die aus Maschinenegewehren herunterschiessen. In dem Film werden auch die Amerikaner von Asiaten gespielt.

Dalat ist ein Ort fuer die Hochzeitsreise.
Ein romantischer Bootsausflug in Dalat gefaellig?.
Alle Attraktionen in Dalat sind voll auf Honeymoon abgestimmt. Da ist zum Beispiel das "Tal der Liebe". An herzigen Skulpturen mit Liebespaaren und herzchenfoermigen Sitzplaetzen vorbei laufen wir auf einen gut befestigten, ausgebauten Weg ins Tal zu einem See. Dort langweilen sich einige Verkaeuferinnen in ihrem Souvenirlaeden. Dunkle Wolken und Donnergrollen verhindert vielleicht allzu grosse Liebeswallungen. Nur wenige lassen sich vor einer schlechten Kopie der Venus von Milo fotografieren. Jetzt im Mai beginnt die Regenzeit. Fast jeden Nachmittag zieht sich der Himmel zu und es regnet.

Uwe: Sa, 10. Mi 2003. Wir wagen uns weiter in die Berge. Die Strasse laesst nochmals weite Blicke zu beiden Seiten auf Dalat und die Umgebung zu, bevor wir in die Berglandschaft eintauchen. Hier fuehlen wir uns an den Schwarzwald erinnert. weiche Huegel mit viel Wald und viel, viel Landwirtschaft. Nur der leuchtend rote Boden und die vielen Terrassen sind anders. Leider ist die Sicht heute etwas trueb. Aber egal, Abfahrten machen immer Spass. Und in der Ebene angelangt, versuesst uns der Rueckenwind die Weiterfahrt. Die Umgebung von Dalat.
Die Umgebung von Dalat erinnert ein bisschen an den Schwarzwald.
Auf leicht abschuessiger Strecke mit viel Weitblick rollen wir im Nullkommanix nach Lam Ha und quartieren uns in einem netten Zimmer ein. In einem einfachen Restaurant geniessen wir Abendessen. Es gibt Bia Hoi (gezapftes Bier). Was fuer ein Bild: Claudia sitzt mir gegenueber am Tisch, in der Hand einen vollen Bierhumpen. Auf dem Tisch eine Plastikkanne, die wie eine hohe Ruehrschuessel aussieht. Anfangs waren da so zwei Liter Bier drin. Hinter Claudia steht ein zwei Meter hoher, chromblitzender, tonnenfoermiger Kessel. Damit verbunden eine grosse Kohlensaeureflasche, die direkt daneben steht. Das Bier ist total lecker, wie auch das Essen.

Power in den Bergen
110 anstrengende Kilometer durch die Berge liegen vor uns. Bald schon geht es bergauf. Erst gemaechlich, dann steil. Nicht nur wir muessen ueber den mehr als 1200 Meter hohen Pass, auch die Stromleitung, die in der Naehe der Strasse gebaut wird. Ein Mast wird gerade montiert. Die Arbeiter mit leuchtend gelben Helmen wirken klein und zerbrechlich auf dem riesigen Geruest. Das Fundament steht zum Teil in einem kleinen Friedhof. Von der Passhoehe sehen wir schon die dicken Regenwolken, die uns kurze Zeit spaeter einholen. Der neue Strommast steht mit einem Bein im Friedhof.
Der neue Strommast steht mit einem Bein im Friedhof.
Nach einer Pause laesst der Regen nach und die Berglandschaft um uns herum nimmt wieder Konturen an. Dafuer verschwimmen kurze Zeit spaeter die Konturen unserer Fahrraeder. Eine kleine Baustelle genuegt, um Unmengen von Schlamm auf unsere Raeder zu verteilen. Die Kette quittiert den Dreck mit Knattern.

Das staendige Auf und Ab und die vielen Kilometer machen uns ganz schoen zu schaffen. Bei der letzten groesseren Steigung versuchen wir, uns an einen Traktor anzuhaengen. Aber Claudia verpasst erstmal den Anschluss. Dann haelt einer fuer uns an und ab geht die Post. Es dauert gar nicht lange und wir sind oben, lassen los und winken den Leuten auf dem Traktor dankend hinterher. Je naeher wir unserem Ziel kommen, umso mehr ist wieder los auf und neben der Strasse. Auf einem gefluteten Reisfeld spielen Jungs Fussball dass das Wasser spritzt. Dass Leute mitten auf der Strasse gehen, ist nicht so ungewoehnlich in Vietnam. Aber nackt? Ein Mann schlendert ganz gemuetlich und voellig nackt mitten auf der Strasse herum.

Naeher als bei Schwiegermuttern im Garten
Unsere Unterkunft in Jun Village. Ein bearbeiteter Baumstamm dient als Treppe.
Unsere Unterkunft in Jun Village. Ein bearbeiteter Baumstamm dient als Treppe.

Claudia: Anders als an der Kueste gibt es in den Bergen noch viele traditionelle Doerfer. So variieren die Bauweisen der Haeuser je nach ethnischer Herkunft der Bewohner. Mal auf Stelzen, mal ohne, mal Holz, mal Lehm, mal Palmenblaetter. Jun Village liegt direkt am See und besteht aus den typischen Haeusern des M`nong Stammes. Sobald ein Familienmitglied heiratet, wird angebaut. So entstehen unglaublich lange Haeuser. Die Treppe, die ins Stelzenhaus fuehrt ist ein Baumstamm, in den Stufen eingehauen sind.

Uwe: In Jun Village steht ein Long House fuer Besucher offen. Wir sind die einzigen Gaeste. Ausser den Bueffeln, die direkt vor unserem Fenster schlafen und immer wieder maechtig ausatmen ist nachts totale Stille.

Am naechsten Morgen lassen wir uns viel Zeit und geniessen die Ruhe in dem Dorf. Wenn ich aus dem Fenster schaue, gaffen mich mehrere Bueffel kauend an. Immer wieder paddeln Leute in langen Holzbooten vorbei. Eine alte Frau traegt einen Lederrock und ein Handtuch auf dem Kopf und raucht Pfeife.

Wir radeln nach Buon Ma Thuot, dann weiter nach M`Drak, von dort zurueck zur Kueste. Entlang der Passstrasse scheint auch hier zu Kriegszeiten wieder grossflaechig entlaubt worden zu sein. Ploetzlich taucht eine Ebene unter uns auf. In der Ferne sehen wir das Meer und einige Berge. In kurzer Zeit sind wir unten, zurueck in der Hitze. Der heisse Wind blaesst uns entgegen. Also kaempfen wir uns gegen den Wind zum Doc Let Strand. Der Sand ist superfein und weiss, das Wasser flach und warm. Keinerlei Erfrischung. Am naechsten Tag gehts weiter, erneut nach Nha Trang. Damit ist unser Kringel durch die Berge beendet. Von Nha Trang fahren wir mit dem Zug nach Saigon (Ho Chi Minh City).

Lange Ausgehen unerwuenscht
Uwe: Ich habe mir Saigon ganz anders vorgestellt - irgendwie voller, chaotischer, lebendiger. Wie auch immer, Saigon ist es eine angenehme Stadt. Da LKWs und Busse aus dem Stadtkern verbannt sind, ist sie fast ruhiger als Dalat. Und die Leute, die wir kennen lernen, sind alle sehr nett. Doch es gibt viele Kontraste. Ganze Viertel sehen aus wie in Europa, wenn auch auf den Strassen die Mopeds dominieren. Einmal sehe ich erst einen Ferrarri und kurze Zeit spaeter einen verkrueppelten Mann, der sich auf einer Karre liegend ueber die selbe Strasse zieht. Mir faellt auch auf, dass sehr viele Menschen lesen. Auch die Cyclo Fahrer, die viel Zeit damit verbringen, auf Kundschaft zu warten und die nachts in den Strassen stehen und in ihrem fahrbaren "Zuhause" schlafen. Ein Cyclo-Fahrer in Saigon.
Ein Cyclo-Fahrer in Saigon.

Fuer Touristen gibt es ein Ghetto mit guenstigen Unterkuenften. Ein Pizzalokal reiht sich an das andere, eine Armee von Buchverkaeufern ist unterwegs und in den Bars sieht man junge Frauen neben alten Auslaendern sitzen. Nur die Polizei stoert manchmal. Da sitzen wir um 23.20 Uhr gemuetlich beim Bier als eine kleine Traube von Uniformierten die Szene aufmischt. Nach 23 Uhr ist es nicht mehr erlaubt, Gaeste draussen zu bewirten. Also gehen wir rein und schauen zu, wie draussen alle Stuehle und Tische auf einen Haufen geworfen und dann abtransportiert werden. Ohne Pardon. Fur 100.000 bis 200.000 Dong (6 bis 12 Dollars) kann die Wirtin die Sachen spaeter wieder abholen. Zwei minderjaehrige Jungs werden ebenfalls "mitgenommen", auch wenn sie nur Kaffee getrunken haben. Mit langen Gesichtern sitzen sie auf dem Jeep. Komische Aktion. Vor allem, wenn man bedenkt, dass wir uns in der groessten Stadt Vietnams aufhalten.

Verarbeitung des Krieges
Auch in anderen Dingen ist Saigon provinziell. Das Museum der feinen Kuenste befindet sich zwar in einem von aussen sehr schoenen Altbau, die Raeume sind aber schlecht beleuchtet und ueberall steht Geruempel. Bilder stapeln sich an allen Ecken, nicht gerade

"Kriegskunst" im Museum der feinen Kuenste.
liebevoll verwahrt. Die Exponate sind mit wenigen Ausnahmen wenig reizvoll. Richtig schlimm wird es im Obergeschoss. Eine ganze Etage kriegsverherrlichender Kunst. Vertraeumt in die Ferne schauende Frauen sitzen mit riesigen Knarren im Gras. Eine Frau steht vor ihrem Haus und nimmt mit offenen Armen einen Soldaten auf. Alles fein in gelb-gruen gehalten. Sehr romantisch. Seltsam ist auch der Tennisplatz, der den Innenhof ausfuellt.

Das War Remnants Museum ist qualitativ viel besser, aber nichts fuer schwache Gemueter. Es zeigt Kriegsgeraet und vor allem Fotografien aus dem Krieg. Und es dokumentiert die Folgen von Agent Orange auf schockierende Weise. Da stehen Glaeser mit in Alkohol eingelegten missbildeten Embryonen und Babys. Auch die Kriegsfotografien sind schrecklich. Ein amerikanischer Soldat haelt den Teil eines voellig zerfetzten Vietnamesen hoch, bei dem gerade noch der Kopf einigermassen unversehrt ist. So viel Leid durch einen sinnlosen Krieg.

Das Mekong Delta - flach und dicht besiedelt
Claudia: Mo, 26. Mai 2003. Nach fuenf Tagen Grossstadt geht es heute ins Mekong Delta. Beim Versuch, die "ausufernde" Stadt zu erlassen, verfransen wir uns. Wir fragen nach dem Weg, wollen nach "MyTho", ein freundlicher Mopedfahrer hilft uns, faehrt voraus. Da stoppt er und zeigt auf ein grosses Gebaeude: "Metro" steht drueber. Nein, wir wollen doch nicht einkaufen.
Endlich auf der richtigen Strasse bleibt das "Raus-aus-der-Stadt"-Gefuehl aus. Ueberall Haeuser, ueberall Verkehr, nur die Strasse wird ein bisschen schmaler. Das Mekong Delta - hier teilt sich der grosse Fluss in in neun grosse Arme mit vielen vielen kleinen Nebenarmen. Zu dumm nur, dass wir hier auf dem Highway radeln. Der chaotische Verkehr beansprucht alle Sinne grenzwertig und unangenehm. Regenzeit. Immer wieder Schauer.
Regenzeit. Immer wieder Schauer.


Die grosse Bruecke vor Cantho.
Das bleibt auch am naechsten Tag so. Ich zaehle in fuenf Minuten 42 LKWs, Busse und Minibusse und 24 verschiedene Hupen. Das stimmt doch fast schon optimistisch. Da hupt ja doch nur so ungefaehr jeder Zweite. Kurz vor Vinh Long will ein grosser Arm des Mekongs ueberquert werden. Auf breiter Strasse fahren wir Richtung Bruecke. Ploetzlich sehen wir den Stolz australischer Brueckenbauer in Beton gegossen. Meine Guete! Die Bruecke scheint senkrecht nach oben zu fuehren, um dann wieder runter zu kippen. Oben angekommen - na klar, wir sind in Vietnam - warten Postkartenverkaeufer (Motiv: Eroeffnungsfotos mit kitschigen Bildern von der Bruecke) und Getraenkeverkaeufer auf ein kleines Geschaeft. Wir machen Pause und geniessen den Ausblick ueber das platte Land.

Froehliche Stimmung mit Sarg
In Vinh Long sehen wir eine Menschentraube, die sich offensichtlich koestlich amuesiert. Wir riskieren einen Blick dahinter und sehen einen Transvestiten im Ao Dai, dem klassischen Gewand, der alle moeglichen Dinge auf der Nase balanciert. Zum Beispiel eine Tischplatte oder einen kleinen in zwei Plastikhockern gesteckten Jungen. Drumherum sitzen Menschen an runden gedeckten Tischen. Ein Fest? Ja, aber nicht das, was wir erwartete haben. Es ist eine Beerdigung oder Totenfeier. Im Hauseingang steht ein geschmueckter Sarg. Davor sitzt ein Gittarist und spielt. Alles andere als traurig. Die Vietnamesen feiern auch nicht den Geburtstag ihrer Verwandten, sondern den Todestag. Und es scheint auch sehr wichtig zu sein. die toten Verwandten in der Naehe zu haben. Seidem wir in Vietnam sind, sehen wir so viele Graeber, oft an schoenen Stellen, z. B. am Strand oder mit Ausblick auf einem Huegel. Mitten aus dem grasgruenen Reisfeldern leuchtet immer wieder ein weisses Steingrab heraus.

Leben auf dem Wasser
Floating Markets: Von CanTho nach Long Xuyen liegen gleich zwei schwimmende Maerkte auf unserer Route. Auf den Maerkten paddeln Frauen stehend mit ihren kleinen Booten Ware oder Einkaeufe umher. Das sieht kraeftezehrend aus. Sobald die Boote mit dicken Motoren ausgestattet sind, sitzt ein Mann drin. Komisch. Wir radeln auf kleinen Strassen und haben endlich das Gefuehl, ins Mekong Delta einzutauchen. Palmen stehen schraeg vom Ufer ueber das Wasser reichend, Haeuser stehen auf Stelzen im Wasser.
Mekong Delta. Leben am Wasser.
Zwischen den Flussarmen sind die Haeuser oft mit ganz einfachen Bambusbruecken verbunden. Nur eine schmale Stange zum Gehen und weitere Bambusstangen zum Festhalten stehen auf... genau: Baumbusstangen.

1. Juni 2003. Unser letzter Tag in Vietnam. Nach 55 Kilometern kommen endlich mal ein paar Berge in Sicht. Jetzt aendert sich die Landschaft. Wir haben weiten Blick auf grosse Reisfelder. Knallgruen schimmern sie im Abendlicht.

Gerade noch im Reisfeld, jetzt schon auf der Strasse.
Heute ist ein Zoo-Tag. Den ganzen Tag werden wir angestarrt, angelacht. "Fotomotive" rennen auf die Strasse, statt fotogen im Reisfeld stehen zu bleiben. Die Menschen hier sind viel dunkler, wundern sich ueber meine weisse Haut.
Sie streichen sich mit dem Handruecken ueber die eigene Wange und zeigen auf mich. Viele tragen karierte Handtuecher auf dem Kopf. Sind wir schon in Kambodscha?

Nein, als wir abends im Gaestehaus liegen, muessen wir wieder raus. Mit dem Moped werden wir zur Polizei gebracht und leisten dort eine Unterschrift. Jetzt sind wir registriert und duerfen schlafen. Am naechsten Tag radeln wir ueber die Grenze nach Kambodscha.

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